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"Rassismus tötet" - Gegen Hass und Hetze protestieren 6.000 in Hanau

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"Rassismus tötet" - Gegen Hass und Hetze protestieren 6.000 in Hanau
Copyright  AP Photo/Martin Meissner
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Am Samstag haben in Hanau 6.000 Angehörige, Freunde und Bekannte der Opfer sowie Bewohner der Stadt gegen Rassismus, Hass und Hetze protestiert. Auf Plakaten stand "Rassismus tötet", "Muss erst getötet werden, damit Ihr empört seid?" und "Menschenrechte statt rechte Menschen".

Am 19. Februar hatte ein rechtsextremer 43-Jähriger in Hanau neun Menschen - offenbar neun Männer und eine Frau - im Alter zwischen 22 und 44 Jahren und alle mit Migrationshintergrund erschossen. Danach tötete er seine 72-jährige Mutter und sich selbst.

In Internet haben Freunde der Getöteten eine Kampagne unter dem Hashtag #SayTheirNames gestartet, damit mehr über die Opfer als über den Täter gesprochen wird und damit sie nicht vergessen werden. Es ist aber nicht sicher, dass alle Familien der Opfer damit einverstanden sind, dass die vollen Namen veröffentlicht werden.

Grüne fordern Rassismus-Beauftragten

Nach dem Schock des Anschlags häufen sich in Deutschland nun die Forderungen nach politischem Handeln. Die Grünen fordern von der Bundesregierung einen sofortigen Krisenstab mit allen relevanten Akteuren.

Der Rechtsextremismus in Deutschland sei völlig enthemmt, sagten die Grünen-Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter gegenüber den Medien und schlagen ein Maßnahmenpaket vor, darunter der Einsatz eines Beauftragten gegen Rassismus.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil fordert, dem Thüringer AfD-Chef Björn Höcke den Beamtenstatus zu entziehen. Die Bundesregierung plant, anders als Gerüchte im Internet verlauten, keine Reform des Waffenrechts infolge des Anschlags.

Inzwischen gibt es auch eine Diskussion darüber, wie rassistisch Deutschland ist. Vertreter der Muslime in Deutschland forderten zu einer Art Umdenken auf und verlangten auch mehr Sicherheit. In den sozialen Medien berichten junge Leute mit Migrationshintergrund, dass sie in Diskos oft abgewiesen werden und deshalb in Shisha-Bars gehen. In Hanau sind auch die Betreiber von zwei Shisha-Bars unter den Toten.

Hanau plant eine Trauerfeier für die Opfer des Anschlags. Diese werde in Abstimmung mit den Angehörigen sowie den Bundes- und Landesbehörden vorbereitet, teilte die Stadt Hanau mit. Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) berief für Montag eine Sondersitzung des Runden Tischs der Religionen ein. "Wir wollen sicher gehen, dass wir immer nach den wirklichen Bedürfnissen der Angehörigen handeln", sagte Kaminsky. "In diesem Rahmen werden wir klären, wie den verschiedenen Bedürfnissen rund um die Trauer Sorge getragen werden kann."

Der Opferbeauftragte der Bundesregierung, Edgar Franke, sagte zu, dass die engsten Angehörigen der Opfer in einigen Tagen eine Soforthilfe von 30 000 Euro erhalten werden. «Für Ehepartner, Kinder und Eltern von Getöteten sind das 30 000 Euro, für Geschwister 15 000 Euro.» Angehörige können aus dem Fonds für Härteleistungen innerhalb von zwei Wochen Soforthilfen erhalten, wie Franke dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte. Das könne das schreckliche Leid des Verlusts der eigenen Eltern oder Kinder nicht lindern. "Aber zumindest ist es eine Hilfe für die nötigsten Dinge, die in diesem Moment wichtig sind."