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"Menschen zweiter Klasse" - Wut der Familien 2 Jahre nach Anschlag von Hanau

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Von Kirsten Ripper  & Euronews  mit HR
Das Grab eines der neun Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau
Das Grab eines der neun Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau   -   Copyright  THOMAS LOHNES/AFP

Zwei Jahre nach dem rassistischen Anschlag von Hanau ist auf dem Friedhof der Stadt, auf dem drei der neun Toten beerdigt sind, an die Opfer erinnert worden. Doch viele Familien der neun jungen Leute, die von einem Rechtsextremen getötet wurden, sind wütend und fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen. Auch ein Untersuchungsausschuss im hessischen Landtag - der seine Arbeit noch nicht beendet hat - konnte viele Fragen zu Fehlern der Polizei und anderer Behörden in Zusammenhang mit dem Anschlag nicht beantworten. So war auf den Notruf eines jungen Mannes nicht reagiert worden, ein geschlossener Notausgang im Nachtclub MIDNIGHT hätte - wenn die Tür offen gewesen wäre - Leben retten können, zudem beklagen einige Opferfamilien mangelnde Unterstützung nach dem Anschlag. Getötet wurden damals Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov.

Arne Dedert/(c) Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Familien der Opfer vor dem Landtag in WiesbadenArne Dedert/(c) Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Imam Macit Bozkurt sagte neben den Gebeten auf dem Friedhof: "Unsere Hoffnung ist, dass Politik und Behörden ihrer Verantwortung der lückenlosen Aufklärung bewusst werden, um verloren gegangenes Vertrauen wieder zu gewinnen."

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sprach in seiner Rede in Hanau zwar einige Probleme an, meinte aber auch, dass wohl nicht alle Fragen beantwortet werden könnten. Vor allem unterstrich Bouffier - wie viele andere -, dass die Kampagne "SAY THEIR NAMES" nach dem Anschlag von Hanau erfolgreich gewesen sei, dass anders als bei anderen Anschlägen die Opfer bekannter seien als der Täter. Der damals 43-Jährige hatte am 19. Februar 2020 nach den neun Morden seine Mutter und sich selbst erschossen.

Auch die deutsche Innenministerin Nancy Faeser (SPD), die aus Hessen kommt und sich im Kampf gegen den Rechtsextremismus in Deutschland engagiert, sprach auf der Gedenkveranstaltung. Sie hat den Familien der Opfer "lückenlose Aufklärung" versprochen.

Ferhat Unvar, der Sohn von Serpil Temiz Unvar, wäre im vergangenen November 25 Jahre alt geworden. Sein Vater hat einen offenen Brief an Präsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Olaf Scholz und an die Minister Robert Habeck und Christian Lindner geschrieben, in dem er mehr Unterstützung für die Familien der Opfer fordert. Er schreibt: "Nachdem wir fast 2 Jahre von den Verantwortlichen in Hessen mit Worten vertröstet, aber doch wie Menschen zweiter Klasse behandelt wurden, gibt es jetzt eine kleine Chance, dass Versäumnisse und Fehler eingestanden werden. Wenn dies tatsächlich passieren sollte, dann nur, weil wir seit 2 Jahrenjeden Tag kämpfen. (...) Sorgen Sie für einen Neuanfang und sorgen Sie endlich für angemessene Entschädigung und Unterstützung der Hinterbliebenen."

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Auch in Hamburg, Bremen, Hannover, Leipzig, Magdeburg, Stuttgart und München sollten an diesem Wochenende Demonstrationen gegen Rassismus in Deutschland stattfinden.