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Virginijus Sinkevičius: "Der Green Deal gelingt nur mit allen an Bord"

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Virginijus Sinkevičius: "Der Green Deal gelingt nur mit allen an Bord"
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Klimaschutz und der "Green Deal" sind Schwerpunkte der Europäischen Union: Vor diesem Hintergrund hat der EU-Kommissar für Umwelt, Ozeane und Fischerei Virginijus Sinkevičius am Welttierschutztag in Monaco ein neues weltweites Bündnis für Biodiversität auf den Weg gebracht. Über diese Maßnahme und künftige Pläne spreche ich mit dem Kommissar in The Global Conversation.

Euronews-Wirtschaftsreporterin Sasha Vakulina:
Erzählen Sie uns ein wenig mehr über die globale Koalition für biologische Vielfalt. Welche Rolle spielt sie in der Umweltagenda der EU?

Virginijus Sinkevičius, EU-Kommissar für Umwelt, Ozeane und Fischerei:
Wir haben in den vergangenen Jahren einen großen Erfolg mit einer ähnlichen Kampagne über Meeresabfälle und die Plastikverschmutzung unserer Ozeane erzielt. Da dieses Jahr der biologischen Vielfalt gewidmet ist, wollen wir das Bewusstsein für den Verlust der biologischen Vielfalt schärfen. Die Wissenschaft ist in diesem Punkt sehr klar: Von acht Millionen untersuchten Arten, sind eine Million vom Aussterben bedroht. Wir müssen den durch menschliche Aktivitäten verursachten Verlust der biologischen Vielfalt aufhalten. Das beste Mittel dazu ist eine aktive Gesellschaft, die bestimmte Entscheidungen unterstützt. Was hoffentlich dazu führt, dass wir Politiker im Oktober im chinesischen Kunming ein globales Abkommen beschließen, das dem Pariser Abkommen von 2016 gleichkommt. Die jüngste Eurobarometer-Umfrage zeigt, dass sich 94 Prozent der Europäer um den Umweltschutz sorgen. Das ist ein klares Signal für Politiker, zu handeln. Und ich bin wirklich stolz darauf, dass die Europäische Kommission das vom ersten Tag im Amt auf der Agenda hatte, indem sie unsere Vorreiterinitiative vorstellte: den europäischen Grünen Deal.

Bewusstsein für die biologische Vielfalt schärfen

Euronews:
Die Klimakrise führte im vergangenen Jahr zu großen sozialen Bewegungen, einschließlich 'Fridays for Future'. Sollte sich der Schwerpunkt auf die biologische Vielfalt verlagern?

Virginijus Sinkevičius:
Ehrlich gesagt, brauchen wir den Schwerpunkt nicht zu ändern. Der Klimawandel ist wichtig, man muss sich der Bedeutung des Themas bewusst sein. Ich bin wirklich froh, dass wir endlich den Punkt erreicht haben, an dem einem Menschen auf der Straße den Klimawandel erklären können. Jetzt müssen wir die gleiche großartige Arbeit leisten, um das Bewusstsein für die biologische Vielfalt zu schärfen. Denn wenn man sich anschaut, mit welchen Lösungen man den Klimawandel und die globale Erwärmung stoppen will, liegt ein Drittel der Lösungen in einem gesunden Ökosystem der biologischen Vielfalt - gesunde Ozeane, Meere, Land, Wälder - alles um uns herum ist biologische Vielfalt. Und natürlich die Arten, die nicht nur unsere Natur am Leben erhalten, sondern auch unsere Teller füllen.

Euronews:_
Der 'Green Deal' steht bei der Europäischen Union ganz oben auf der Agenda. Was ist das 'blaue' Element dieses ehrgeizigen Maßnahmenpakets für einen nachhaltigen ökologischen Wandel? _

Virginijus Sinkevičius:
Das ist richtig. Ein Teil meiner Arbeit besteht darin, den grünen Deal blau zu färben. Zum Schutz der biologischen Vielfalt reicht es nicht, nur über den Artenschutz oder den Schutz von Land, Boden oder Wald zu sprechen. Wir müssen uns auch mit den Ozeanen befassen. Deshalb ist es in diesem Jahr von entscheidender Bedeutung, auch ein weltweites Abkommen zum Schutz der Hohen See zu erreichen, das aktuell nicht vollständig umgesetzt wird.

Subventionen müssen auf den Grünen Deal abgestimmt werden

Euronews:
Die EU-Haushalts-Diskussionen bzw. die Verhandlungen über den mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) laufen unter dem Druck für mehr Klimaschutz. Was sind Ihre Erwartungen, welche Prioritäten sollten bei der finanziellen Vorschau gesetzt werden?

Virginijus Sinkevičius:
Zuerst einmal strebt die Kommission eine Einigung an. Wir können uns keine Verzögerung leisten, das wäre wahrscheinlich das schlechteste Ergebnis. Zweitens, wenn wir die Bemühungen um den Schutz der biologischen Vielfalt, für den Green Deal ernsthaft verstärken wollen, müssen natürlich ausreichende Mittel bereitgestellt werden. Ich freue mich, dass diese Forderung gehört wurde. Am wichtigsten bei diesem Punkt sind die Subventionen: Subventionen, Zahlungen, die direkt aus dem EU-Haushalt, aus verschiedenen Finanzrahmen kommen, müssen mit dem Green Deal übereinstimmen. Sie dürfen den Verlust der biologischen Vielfalt nicht verstärken, oder den Klimawandel fördern. Wir müssen sicher sein, dass bestimmte Aktivitäten keine Umweltschäden verursachen. Denn es wäre sehr merkwürdig, wenn wir einerseits die Mittel für den Schutz der biologischen Vielfalt erhöhen, andererseits aber bestimmte Aktivitäten finanzieren würden, die die biologische Vielfalt vermindern.

Aktionsplan für Kreislaufwirtschaft

Euronews:
Sie haben Herausforderungen und wichtige Themen für dieses Jahr angesprochen. Wie steht es mit der Fischerei vor dem Hintergrund des Brexits. Das gehört zu den wichtigen Herausforderungen für die EU und für Sie in diesem Jahr.

Virginijus Sinkevičius:
Die Verhandlungen haben gerade erst begonnen, wir sind bereit für Gespräche. Wenn wir einen Dialog führen, bei dem alle Parteien bereit für einen Kompromiss sind, dann werden wir ein Ergebnis erzielen, das für alle zufriedenstellend ist. Das Wichtigste ist wirklich die Bereitschaft, sich zu einigen. Das Fischereiabkommen ist die einzig zeitgebundene Angelegenheit, da gibt es einen sehr kurzen Zeitrahmen. Wir sind bereit für Verhandlungen und ich weiß, dass auch die britische Seite dazu bereit ist. Wir arbeiten unermüdlich daran, das bestmögliche Abkommen abzuschließen.

Euronews:
Als ehemaliger Minister für Wirtschaft und Innovation Litauens - wie beeinflusst diese Erfahrung Ihre Arbeit als EU-Kommissar für Umwelt, Ozeane und Fischerei?

Virginijus Sinkevičius:
Eine der Schlüsselinitiativen, die wir am 11. März ankündigen werden, ist der Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft. Er enthält verschiedene Elemente, von der Produktpolitik, dem Recht auf Reparatur bis hin zur tatsächlichen Beteiligung der Wirtschaft und der kleinen und mittleren Unternehmen. Denn wenn es uns gelingt, die Kreislaufwirtschaft umzusetzen und die derzeitigen wirtschaftlichen Aktivitäten zu verändern, wenn wir das Wachstum von der Ressourcen-Ausbeutung abkoppeln, können wir den Verlust der biologischen Vielfalt sehr erfolgreich stoppen. Denn der Verlust der biologischen Vielfalt ist hauptsächlich auf den Abbau von Ressourcen zurückzuführen, der unsere Umwelt enorm belastet.

Übergangszeit - um niemanden im Stich zu lassen


Euronews:

Bei dieser neuen Politik spielt auch der Aspekt einer Übergangszeit eine Rolle. Was ist Ihre Meinung dazu?

Virginijus Sinkevičius:
Das ist ein wichtiger Aspekt. Die Kommission hat von Anfang an deutlich gemacht, dass niemand im Stich gelassen wird. Ein wichtiger Punkt ist, dass der Green Deal eine Wachstumsstrategie ist und Wachstum bedeutet, nicht nur das Ziel zu verfolgen, sondern auch denen zu helfen, die noch nicht so weit sind. Meiner Meinung nach kann der Green Deal nur dann erfolgreich sein, wenn alle an Bord sind.

Euronews:
Und eine abschließende Frage: Sie sind der jüngste EU-Kommissar. Beeinflusst das Ihre Arbeit und wenn ja wie?

Virginijus Sinkevičius:
Ich bin sehr offen, mit jedem zu sprechen, mit jedem europäischen Bürger, der sich einbringt. Meine Rolle ist es, das Bewusstsein zu schärfen und Ergebnisse zu erzielen.