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Risiken und Nebenwirkungen: Wie sicher ist die Corona-Datenspende-App für Nutzer?

Eine Smartwatch überwacht unter anderem Vitalfunktionen ihres Nutzers.
Eine Smartwatch überwacht unter anderem Vitalfunktionen ihres Nutzers.   -   Copyright  Tim Foster/Unsplash
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Seit Dienstag können Menschen, die in Deutschland leben, ihren Teil zur Erforschung des Coronavirus beitragen. Das Robert-Koch-Institut hat eine App entwickelt, die Daten sammelt und so Aufschlüsse über Art und das Tempo der Verbreitung des Virus geben soll.

Wer mitmachen will braucht ein Fitnessarmband oder eine Smartwatch und muss die entsprechende Corona-Datenspende-App herunterladen.

Wie funktioniert die App?

Nutzer geben Angaben wie etwa ihre Postleitzahl und gewisse Körperdaten, darunter Geschlecht, Alter, Größe, Gewicht, Körpertemperatur, Vitalzeichen, wie Schlaf, Puls und körperliche Aktivität frei. Wissenschaftler werden die so gesammelten Daten dann aufbereiten. Eine interaktive Karte soll erstellt werden, die die Verbreitung potenziell infizierter Menschen auf einer Karte dargestellt.

Die Idee dahinter: bei einer akuten Lungenentzündung verändern sich die Parameter, wie RKI-Präsident Lothar Wieler am Dienstag erklärte. Wenn ausreichend große Stichproben zusammenkommen, dann können Wissenschaftler zusätzliche Rückschlüsse zu bereits bekannten Erkenntnissen über das Coronavirus ziehen.

In den USA seien Grippewellen auf diese Weise gut nachverzeichnet worden.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die digitale Anwendung eine sinnvolle Ergänzung zu den Maßnahmen ist.
Lothar Wieler
RKI-Präsident

Auch ob die in Deutschland getroffenen Maßnahmen wie etwa das Kontaktverbot greifen, kann die Corona-Datenspende zeigen.

"Die App erkennt Symptome kann aber keine Erkrankung nachweisen. Sie ersetzt keine offiziellen Meldezahlen und keinen Labortest auf das Coronavirus, ist aber eine wichtige Ergänzung", so Wieler.

Unter dem Slogan "Hände waschen, Abstand halten, Daten spenden" wirbt das RKI für die neue App, die für Android und iOS-Geräte verfügbar ist. 50.000 Downloads wurden laut Internetseite innerhalb der ersten 24 Stunden verzeichnet.

Wann werden meine Daten gelöscht?

Die übertragenen Daten sind nach Angaben des RKI pseudonymisiert, die Nutzung freiwillig. Zu keiner Zeit habe das RKI Zugriff auf Daten wie Adresse oder Name des übermittelnden Teilnehmers.

Allerdings ist bisher nicht klar, wie lange die Daten gespeichert werden, wie der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Herr Prof. Ulrich Kelber, erklärte. "Ich erwarte zusätzlich, dass regelmäßig evaluiert wird, ob die App ihren Zweck erfüllt. Tut sie das nicht, muss die Verarbeitung beendet werden."

Aus meiner Sicht ist der Name "Datenspende-App" unglücklich gewählt.
Prof. Ulrich Kelber
Bundesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit

Der Name der App sei allerdings irreführend, da man bei Teilnahme an der Erhebung das Recht an den Daten nicht abgebe. Nutzer könnten" ihre Einwilligung jederzeit widerrufen. Das RKI hat zugesagt, dass in diesem Fall alle gesammelten Daten gelöscht werden."

Wer hat noch Zugriff auf meine Daten?

Thilo Weichert von der Deutschen Vereinigung für Datenschutz rät generell nicht von einer Nutzung der App ab. Die Eignung der App, mit den gesammelten Daten zu neue Erkenntnisse zur Corona-Epidemie zu gelangen, sei ihm bisher nicht ganz bewusst, so Weichert gegenüber Euronews.

Von der Veränderung der Vitaldaten auf eine mögliche Infektion zu schließen sei bedenklich, weil Messungen wie etwa der Blutdruck aus verschiedenen anderen Ursachen schwanken könnten.

Er wies auch auf den Unterschied zwischen pseudonymisierten und anonymisierten Daten hin. Theoretisch und indirekt seien bei der RKI-App daher Rückschlüsse auf die Person möglich, da Daten hier nur pseudonymisiert werden. Das RKI bestätigt selbst, dass jedem Nutzer eine individuelle Nutzer-ID zugeordnet wird. "Nur so können Daten auch über längere Zeiträume richtig zugeordnet und interpretiert werden."

Das RKI als Forschungseinrichtung unterliege laut gesetzlicher Regelung zudem keiner Geheimhaltung, wie man sie etwa bei Ärzten, Rechtsanwälten oder Pfarrern kennt, erklärte Weichert. Die Polizei könnte sich mit einem entsprechenden Beschluss also Zugriff auf die gesammelten Daten verschaffen und sie beispielsweise zur Kriminalitätsbekämpfung verwenden.

Ein weiteres Risiko, das bei der Nutzung zu bedenken sei, ist inwiefern, die Daten von den Portalanbietern genutzt werden können. Wer die App beispielsweise über ein mit Android betriebenes Gerät nutzt riskiert, dass Daten von Google abgegriffen werden.

Diesbezüglich erklärt das RKI, dass mit Dienstleistern getroffene Vereinbarungen über die Datenverarbeitung "den Anforderungen des Art. 28 DSGVO genügen".