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Corona-Regeln missachtet? Hotspots in Ostfriesland und Hessen

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Restaurant "Alte Scheune"
Restaurant "Alte Scheune"   -   Copyright  AP Photo
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Der Corona-Ausbruch in einem Restaurant in Ostfriesland zieht immer weitere Kreise. Medienberichten zufolge ist die Zahl der Infizierten nach dem Eröffnungsabend Mitte Mai im Lokal "Alte Scheune" in der Gemeinde Moormerland (Landkreis Leer) am Sonntagabend auf 18 gestiegen.

Wie der Landkreis Leer mitteilte, sei für insgesamt rund 120 Menschen häusliche Quarantäne angeordnet worden. Das Gesundheitsamt arbeite weiter daran, Kontakte von Infizierten nachzuverfolgen. Dazu gehört auch der Betreiber, dem vorgeworfen wird, bei der privaten Feier gegen diverse Corona-Regeln verstoßen zu haben. Dies soll durch ein Ordnungswidrigkeitenverfahren geklärt werden.

Dazu der Landrat von Leer, Matthias Groote: "Zeugen berichten uns - und das sind Indizien dafür, dass die Regeln nicht eingehalten worden sind, dass dann auch ohne Mund-Nasen--Schutz sich ein Mitarbeiter des Unternehmens an die Tische gesetzt haben soll und es auch zu Händeschütteln gekommen sein soll und auch Umarmungen."

Die "Ostfriesen-Zeitung" meldete indessen, dass Teile der Chefetage und des Betriebsrates der Papenburger Meyer-Werft sich wegen des Corona-Virus in Quarantäne befänden. Es gebe offenbar eine Verbindung zu den Infektionen im Restaurant "Alte Scheune" in Jheringsfehn.

Mindestens 107 Infektionen nach Gottesdienst in Frankfurt

Ein anderer, besorgniserregender Infektionsherd liegt in Frankfurt-Rödelheim in Hessen. Nach ein Gottesdienst der dortigen Baptisten-Gemeinde haben sich inzwischen mindestens 107 Menschen mit dem Virus angesteckt, wie der hessische Gesundheitsminister Kai Klose am Sonntag mitteilte.

Die betroffenen Menschen lebten in Frankfurt und drei weiteren hessischen Landkreisen. Die meisten hätten sich nicht bei dem Gottesdienst, sondern erst danach zu Hause infiziert. Der Gottesdienst war bereits vor rund zwei Wochen. Zunächst war von mehr als 40 Infizierten die Rede gewesen.

Kritik an Ramelow-Vorstoß für Thüringen

Derweil sorgt Thüringen mit der Ankündigung einer weiteren Lockerung der Corona-Maßnahmen für Kontroversen. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) will vom 6. Juni an auf allgemeine, landesweit gültige Corona-Schutzvorschriften verzichten.

Damit würden die bisherigen Regeln zu Mindestabständen, dem Tragen von Mund-Nasen-Schutz sowie Kontaktbeschränkungen nicht mehr gelten. Das Motto solle lauten: "Von Ver- zu Geboten, von staatlichem Zwang hin zu selbstverantwortetem Maßhalten", so Ramelow. Über die Details soll am Dienstag in einer Kabinettssitzung beraten werden.

Ramelows Pläne stoßen auf Zurückhaltung bis Skepsis - auch in seiner eigenen Koalition. Thüringens Alleingang sei gefährlich und könnte zu einem regionalen Flickenteppich führen.

Die Aufhebung aller Beschränkungen inklusive der Abstandsregelungen und damit die Weitergabe der Verantwortung an die Kommunen und Bürger "kommen aus unserer Sicht nicht nur zu früh, sondern erzeugen eine falsche Sicherheit", erklärte der Grünen-Landesvorsitzende Bernhard Stengele.

Die SPD hält das Vorpreschen Thüringens für falsch. "Das ist ganz klar ein Fehler", sagte Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach der "Saarbrücker Zeitung" (Montag). Thüringen stelle genau die Maßnahmen in Frage, "denen man den gesamten Erfolg im Moment zu verdanken hat."

Parteichefin Saskia Esken wies auf zahlreiche Verstöße gegen das Abstandsgebot hin. "Menschen brauchen offenbar weiterhin Klarheit, Sicherheit und Orientierung durch überregionale Regeln wie zur Hygiene, zum Abstandhalten und zur Eingrenzung naher Kontakte", sagte sie der "Welt" Nicht alle gingen verantwortlich mit neuen Freiheiten um.

Auch die Unionsfraktion zeigte sich kritisch. Ramelow setze sehr früh allein auf Selbstverantwortung und lokal begrenzte Maßnahmen, sagte Fraktionsvize Thorsten Frei (CDU) der "Welt". "Der Wunsch, schnell in die Normalität zurückzukehren, ist nachvollziehbar, aber auch gefährlich." Die Kontrolle über das Infektionsgeschehen könne sehr schnell wieder entgleiten.