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Entstehungsort des letzten Van Gogh-Gemäldes entdeckt

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Entstehungsort des letzten Van Gogh-Gemäldes entdeckt
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Das Geheimnis um den Entstehungsort des letzten Van Gogh-Gemäldes ist gelüftet und könnte neue Erkenntnisse über seinen mysteriösen Tod liefern.

"Roots" ist das letzte Gemälde, das Vincent Van Gogh gemalt hat, ein Wirrwarr aus bunten Baumstämmen, Wurzeln und Stümpfen.

Der Direktor des Van Gogh Institus, Wouter van der Veen, will jetzt genau die Stelle entdeckt haben, an der Van Gogh vor seinem mysteriösen Tod durch eine Schusswunde sein letztes Bild gemalt hat. Bislang wurde über den Entstehungsort gerätselt.

Während des Coronavirus-Lockdowns hat der Museumsdirektor das Wurzelgewirr auf einer alten Postkarte wiedererkannt - an einer Straße in Auvers-sur-Oise. In dem Ort nördlich von Paris hat der Maler die letzten Monate seines Lebens verbracht.

Wouter van der Veen, Direktor des Van Gogh Institute in Auvers-sur-Oise: "Ich war gerade dabei, ein paar Dokumente zu sortieren, darunter diese Karte auf meinem Bildschirm, als mein Auge an einem Details hängenbleib, das ich vom Gemälde erkannte und das sich genau hier befindet, diese Stämme."

Touristen und Fans können die letzte Van Gogh-Szene besuchen

Das Gemälde trägt den Namen "Roots" - Wurzeln, und enthält möglicherweise eine letzte Botschaft. Für den Museumsdirektor ist das Dickicht der Wurzeln jedenfalls ein Symbol für die Kämpfe des Lebens. Wouter van der Veen: "Er malte es nur wenige Stunden, bevor er sich das Leben nahm. Und weil Vincent Van Gogh nie etwas zufällig getan hat, kein Motiv gemalt hat, ohne den Menschen damit etwas sagen zu wollen, können wir hier endlich Van Goghs letzte Botschaft lesen - wie in einem offenen Buch."

130 Jahre nach seinem Tod wurde der letzte gemalte Ort Van Goghs nun von seinem Urgroßneffen, Willem Van Gogh, eingeweiht. Willem Van Gogh: "Es ist das letzte Bild, das er gemalt hat, und es ist von großer Bedeutung. Wenn Sie den Ort hier nicht kennen, ist es ein sehr schwieriges Gemälde. Viele sagen, es ist der Beginn der Modernen Kunst. Vincent gehört zusammen mit Cézanne und Gauguin zu den Gründern der Moderne."

Liefert die letzte Van Gogh-Szene neue Erkenntnisse über seinen mysteriösen Tod?

Mit der Entdeckung des Ortes, an dem Van Gogh sein letztes Bild gemalt hat wurde ein Geheimnis gelüftet, der mysteriöse Tod Vincent Van Goghs und seine tiefen Beweggründe werden aber wohl für immer geheim bleiben.

Teio Meedendorp vom Van Gogh Institut sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass Van Gogh oft an dem Ort, der Rue Daubigny in Auvers-sur-Oise, vorbeigegangen sei, um auf den Feldern hinter dem Schloss von Auvers zu malen.

Aufgrund der Art und Weise, wie das Licht in das Gemälde fällt, hätte Van Gogh wahrscheinlich noch am späten Nachmittag, gegen 17 Uhr oder 18 Uhr daran gearbeitet.

Dies, so argumentierte der Institusdirektor Wouter van der Veen, könnte gegebenenfalls dazu beitragen, die umstrittene Theorie zu widerlegen, dass Van Gogh sich nicht selbst umgebracht habe, sondern sich betrunken und mit zwei einheimischen Jungen gestritten habe, die ihn versehentlich erschossen hätten.

Diese Theorie wurde erstmals vor neun Jahren in einer Biografie des Malers von den mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Autoren Steven Naifeh und Gregory White Smith dargelegt und 2018 in "At Eternity's Gate" mit Willem Dafoe in der Hauptrolle verfilmt.

Sein Regisseur, der amerikanische Maler Julian Schnabel, hatte bei der Veröffentlichung des Films gesagt, dass Van Gogh wahrscheinlich ermordet wurde. Er war davon überzeugt, dass ein Mann, der 75 Leinwände in fast ebenso vielen Tagen in Auvers-sur-Oise gemalt habe, nicht selbstmordgefährdet sein konnte.