Eilmeldung
This content is not available in your region

Corona-Strategie: Merkel zieht die Zügel an

euronews_icons_loading
Angela Merkel, 21.2.2011
Angela Merkel, 21.2.2011   -   Copyright  AP Photo/Michael Sohn
Schriftgrösse Aa Aa

In einer Pressekonferenz hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel die neue Corona-Strategie vorgestellt, die ab Mitte Oktober gelten soll. Man habe sich auf klare Prioritäten bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie geeinigt.

Wegen der hohen Corona-Infektionszahlen wird die Anzahl von Teilnehmern in öffentlichen oder angemieteten Räumen auf 50 Personen beschränkt. Diese Regel sei eine "dringende Empfehlung", erklärte die deutsche Bundeskanzlerin. Sie greife in Regionen, in denen in den vorangegangenen sieben Tagen mehr als 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner aufgetreten sind.

Ein sehr einfacher Tipp sei, das Lüften ernst zu nehmen, gerade auch im Winter. Diese vergleichsweise einfache Maßnahme sei sehr wirksam gegen die Verbreitung des Virus.

Infektionsketten schnellstmöglich unterbrechen

Schulen sollten nach Möglichkeit offen gehalten werden, so die Bundeskanzlerin. Daher müsse man versuchen, dass sich die Wege der Schüler seltener kreuzten. Es gelte Infektionsketten zu unterbrechen.

Infektionsrisiken bestehen zudem auf privaten Feiern und Partys. Sie plädiere daher dafür, die Feiern im öffentlichen oder privaten Raum auf 25 Personen zu beschränken. Verpflichtend festgeschrieben sei diese Zahl aber nicht.

Wo die Infektionszahlen ansteigen, sollen regional "zeitlich eingegrenzte Ausschankverbote für Alkohol" erlassen werden, um Ansteckungen in der Gastronomie einzudämmen.

In Hamburg stimmte nicht einmal die Hälfte der Meldedaten aus Restaurants

Gastwirte und Veranstalter seien dafür veranwortlich, die Hygiene-Regeln einzuhalten und umzusetzen. Auch die Erfassung der Kontakte sei überaus wichtig, falls eine Infektion auftritt. Die Kanzlerin betonte, dass zukünftig im Falle der Missachtung ein Mindestbußgeld eingeführt werde.

Notfalls sollten sich Gastwirte bei der Erfassung von Personendaten den Personalausweise zeigen lassen. Man habe Lehren aus den vergangenen Monaten gezogen. In diesem Zusammenhang wurde auch ein Fall aus einer Bar in Hamburg genannt, wo ein mit dem Coronavirus-Infizierter mehreren Hundert Menschen in Kontakt war. Bei der Nachverfolgung der Namensliste stellte sich die Hälfte der Kontaktdaten als falsch heraus. Damit werde die Arbeit der Gesundheitsämter nur unnötig erschwert.

Bei hohen Infektionsraten, bzw. bei einem Cluster, gilt es, schnell zu handeln, "und zwar regional spezifisch und ausgewogen", so Merkel.

Wenn die Grippe kommt: Fieber-Ambulanzen im Herbst

Wenn die für Herbst und Winter erwartete Grippewelle kommt, dürfte es enger werden in Arztpraxen und Krankenhäusern. Für Entlastung sollen Fieber-Ambulanzen, Schwerpunktsprechstunden und -praxen sorgen. Risikogruppen wie Senioren wird empfohlen, sich vorsorglich gegen die Grippe impfen lassen.

Die Hotspot-Strategie: Regional spezifisch und ausgewogen handeln

Daher habe man sich in der Hotspot-Strategie auf Mindestanforderungen geeinigt. Besondere Regelungen greifen, wenn die 7-Tage-Inzidenz 35 auf 100.000 Einwohner (Stufe 1) oder 50 auf 100.000 Einwohner (Stufe 2) überschreitet. Beim Erreichen dieser Schwellenwerte müsse bundesweit einheitlich gehandelt werden.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder lobte, dass die neue Corona-Strategie "verständlich und verlässlich" für alle sei. Generell könne man sagen, es gelte der Grundsatz "Mehr Maske, weniger Alkohol, Einschränkungen bei Feiern". Einem generellen Lockdown wie im Frühjahr wolle man unbedingt verhindern, sagte Söder.

Mehr Vorlauf bei internationalen Risikogebieten vom RKI gefordert

Zudem forderte Söder vom Robert Koch-Institut künftig eine rechtzeitige Vorwarnung vor der Ausweisung neuer internationaler Corona-Risikogebiete. Derzeit würden neue Gebiete quasi über Nacht benannt, ein Vorwarnzeitraum von etwa zwei Tagen sei hilfreich. Söder wandte sich strikt gegen neue Grenzschließungen: "Zu den Prioritäten sollte auch gehören, dass die Grenzen offen bleiben."