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Bäcker oder LKW-Fahrer: Budapester Fremdenführer satteln um

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Budapest
Budapest   -   Copyright  Zsolt Szigetvary/MTVA - Media Service Support and Asset Management Fund
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Eigentlich wäre Budapest zu dieser Jahreszeit ein beliebtes Reiseziel, steht jedoch wegen der hohen Infektionszahlen auf den Risikolisten. Für die bereits angeschlagene Tourismusindustrie ein weiterer herber Schlag.

Knapp 4.000 Fremdenführer in der ungarischen Metropole sind seit März arbeitslos. Viele versuchen umzusatteln. Allerdings auf eigene Faust. Denn ausgerechnet Budapest ist von staatlichen Hilfen zur Belebung der Tourismusbranche ausgeschlossen.

"Ich arbeite praktisch nur für die Steuern"

Barbara Szuhai ist seit 28 Jahren im Geschäft und sucht nun nach Alternativen. "Ich versuche, individualisierte Spaziergänge durch Budapest zu organisieren. Es ist einfach furchtbar, dass wir keine Erleichterungen erhalten, ich arbeite praktisch nur für die Steuern."

Mariann Gellért ist ebenfalls Tour Guide, hat 11 Jahre lang ungarische Reisegruppen in Dubai betreut und spricht fließend Arabisch und Englisch. Wegen der Pandemie musste sie nach Budapest zurück und arbeitet jetzt - in einer Bäckerei. "Für mich hat sich nicht nur eine neue Arbeitsmöglichkeit ergeben, sondern ich habe auch eine liebevolle Familie gefunden, die mich in diesen schwierigen Zeiten ermutigt und unterstützt. Sie stehen mir bis heute zur Seite."

Ungarische Studenten statt Touristen

Euronews-Reporterin Olivia Harangozó sagt: "Einige Reiseleiter haben einen noch radikaleren Wandel vollzogen und arbeiten jetzt als Fahrkartenkontrolleure oder sogar LKW-Fahrer. Ich habe aber auch mit Leuten gesprochen, die noch immer vergeblich nach etwas Neuem suchen."

Nicht nur Fremdenführer stehen vor dem Nichts, die Krise trifft viele Bereiche der Tourismusindustrie. Péter Jones arbeitet seit 16 Jahren als Wohnungsvermittler bei Airbnb. Gerade hat er diese Ferienwohnung vermietet - zur Hälfte des Vorjahrespreises. Ungarische Studenten statt Touristen sind seine neue Zielgruppe.

"Wir versuchen, so schnell wie möglich Wohnungen langfristig an Studenten zu vermieten, und zwar zum günstigsten Preis, damit wir zumindest unsere laufenden Kosten und die der Eigentümer, deren Wohnungen wir verwalten, decken können."

Den Job musste Peter Jones dafür nicht wechseln - dafür aber fast 60 seiner Angestellten entlassen. Dennoch schrieb seine Firma im September rote Zahlen. Die Einnahmen sind um 70 Prozent eingebrochen.