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Europas "Ampelsystem" für Reisen während Corona-Pandemie

Corona-Testzentrum in Köln, 11.10.2020
Corona-Testzentrum in Köln, 11.10.2020   -   Copyright  AP Photo/Martin Meissner
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Während die Zahl der Corona-Fälle in den EU-Mitgliedsstaaten rasant ansteigt, lässt das freie Reisen innerhalb Europas wie einen Traum in weiter Ferne erscheinen.

Die Einschränkungen, mit denen Reisende innerhalb der EU-Grenzen konfrontiert sind, sind zahlreich. Einige Länder verlangen einen negativen Corona-Test, andere Quarantäne, in weiteren EU-Staaten gilt ein vollständiges Einreiseverbot.

Bislang waren die getroffenen Maßnahmen eine individuelle Entscheidung jedes einzelnen Mitgliedstaates in Bezug auf das Land des (Ein-)Reisenden. Es war folglich schwer nachzuvollziehen, welche Maßnahme in welchem Fall zur Anwendung kam.

EU beschließt einheitliche Kriterien - basierend auf Regionen

Am vergangenen Freitag beschloss die EU, diese Kriterien zu vereinheitlichen, und zwar mit dem sogenannten "Ampelsystem".

Dieses basiert auf einer Infektionskarte des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten. Es teilt die europäischen Regionen je nach Schwere der Coronavirus-Ausbrüche in grüne, orange und rote Zonen ein. Dabei werden neue, bestätigte Fälle pro 100.000 Einwohner und der Prozentsatz positiver Tests berücksichtigt.

Damit soll es EU-Bürgern erlaubt werden, sich frei zwischen grünen Regionen in verschiedenen Ländern zu reisen, ohne sich dabei zusätzlichen Kontrollen unterziehen zu müssen.

Die Strategie, die Corona-Einschränkungen regional anzupassen, ist nicht neu.

Die spanische Wirtschaftsakademie Escuela Superior de Administración y Dirección de Empresas (Esade) veröffentlichte im Mai eine Studie, in der ein Netzwerk "grüner Zonen" vorgeschlagen wurde. Dieses sollte es europäischen Bürgern ermöglichen, zwischen Regionen mit geringen Corona-Infektionszahlen zu reisen.

14-Tage-Inzidenz für Ampelsystem entscheidend

Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland sind einige der europäischen Länder, die sich dafür entschieden haben, eine regionale Covid-19-Strategie anzuwenden. Die entsprechende Farbe korreliert mit der Häufigkeit indem sie eine Farbe entsprechend der Inzidenzrate zuweisen, erklärt der Forscher Miquel Oliu Barton, Ko-Autor der Studie, gegenüber Euronews.

"Es ist inzwischen durchaus hinnehmbar, dass diese Länder ihre Entscheidungen von der Farbe dieser Gebiete abhängig machen", fügt er hinzu. "Eine nationale Abschottung bedeutet eine Bestrafung für das gesamte Land."

Inzwischen erklärt die EU, dass es gemeinsame Kriterien bei der Definition der Farbe einer Region geben muss, damit man beispielsweise eine deutsche und eine spanische Region miteinander vergleichen kann.

Eine Karte, auf Basis gleicher Kriterien würde dazu beitragen, eine Wiederholung der Situation wie im zu Pandemie-Beginn im März zu verhindern. Damals fühlten viele Bürger Europas die Ungewissheit und mangelnde Koordination unter den Mitgliedsstaaten, als nicht wenige begannen, einseitig ihre Grenzen zu schließen.

Das Durcheinander führte zu riesigen Verkehrsstaus an den Grenzen, zu Verzögerungen bei der Lieferung dringend benötigter medizinischer Geräte und Millionen von Touristen, die von dem Virus überrascht wurden.

Was passiert, wenn einzlene Länder beschließen, der gemeinsamen Linie nicht zu folgen?

"Dieses neue System wird die Dinge für die Bürger einfacher machen. Ich bin froh, dass wir diese Lösung gemeinsam gefunden haben", sagte die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Dennoch: die endgültige Entscheidung, über die Öffnung oder Schließung der Grenzen liegt bei jedem einzelnen Mitgliedstaat. Oliu erklärte, dass sein Team mit Vertretern aus Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien gesprochen habe. Alle hätten ihre Absicht erklärt, dem "Ampelsystem" folgen zu wollen.

Die Vereinheitlichung geht jedoch nicht so weit, dass gemeinsame Regeln für die orange und rote Zonen der EU festgelegt werden.

Für Reisende aus einer grünen Zone wird es keine Reisebeschränkungen geben, aber die nationalen Regierungen in der EU werden weiterhin ihre eigenen Beschränkungen festlegen können, wie z.B. eine Quarantäne oder obligatorische Tests bei der Einreise von Menschen aus Regionen mit einer hohen Inzidenzrate.

Nach dem jüngsten Vorschlag sollen rote Zonen Bereiche sein, in denen über einen Zeitraum von 14 Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gemeldet werden und der Prozentsatz positiver Tests mindestens 4 Prozent beträgt. Regionen mit einer geringeren positiven Testrate, in denen jedoch die Gesamtzahl der Fälle mehr als 150 pro 100.000 Personen beträgt, werden ebenfalls rot eingestuft.

Angesichts der derzeitigen sehr hohen Infektionsrate auf dem ganzen Kontinent bedeutet dies, dass der größte Teil des Blocks inzwischen als rot oder eingestuft werden müsste.

Nach Angaben der Europäischen Kommission soll nun eine Liste erarbeitet werden, in der relevanteste Reiseverkehr definiert werden soll. Diese sollen sich innerhalb der EU frei bewegen dürfen, auch Menschen, die in Grenzregionen wohnen sollen von den Beschränkungen nicht betroffen sein.