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RKI-Präsident Wieler: "Wir müssen damit rechnen, dass sich das Virus unkontrolliert ausbreitet."

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Medizinisches Personal testet einen Mann in Köln auf Corona, 15.10.2020
Medizinisches Personal testet einen Mann in Köln auf Corona, 15.10.2020   -   Copyright  Martin Meissner/AP
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Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages in Deutschland ist erneut stark gestiegen. Die Gesundheitsämter meldeten nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Donnerstagmorgen 11.287 Fälle binnen 24 Stunden.

Der Präsident des RKI Prof.Dr. Lothar Wieler erklärte am Morgen auf einer Pressekonferenz in Berlin: "Wir müssen damit rechnen, dass sich das Virus in Deutschland, zumindest in eingien Regionen, auch weiterhin stark ausbreitet. Und dass sich das Virus sogar unkontrolliert ausbreiten kann."

Seit Anfang September steigen die Infektionszahlen von Woche zu Woche kontinuierlich an, und das in immer schnellerem Maße. Die derzeitige Welle betrifft eher jüngere Menschen, auch gibt es mehr leichte Verläufe von Coronavirus-Infektionen. Dennoch steige auch der Anteil der älteren Patienten und Hochrisiko-Patienten, die Ausbrüche in Krankenhäusern und Altenheimen nähmen zu.

RKI-Präsident: "Wir können viel selber dazu beitragen, Ansteckungen zu verhindern"

Das Virus verbreite sich besonders dort, wo Menschen "gerne und intensiv" aufeinandertreffen, so Wieler. Auch gebe es viele Corona-Infizierte, die niemanden ansteckten. Andere hingegen steckten besonders viele an, bei sogenannten Superspreader Events, etwa auf Familienfeiern und im Freundeskreis.

Wieler bestätigte, dasss die Anzahl der Ausbrüche im privaten Haushalten deutlich zunehmen. "Ein Großteil der Menschen steckt sich also im privaten Umfeld an, das ist das Wesentliche", so Wieler." Das sei eine "wichtige Information". Ausbrüche, die auf den Transport in öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzuführen seien oder auf Übernachtungen in Hotels, spielten - nach aktueller Datenlage - hingegen kaum eine Rolle.

Sehen Sie hier die gesamte Pressekonferenz:

Ziel des RKI sei es, "die Infektionen auf ein Level zu bringen, mit dem die Gesundheitsämter, die Krankenhäuser, die Ärzte - alle - umgehen können." Die Zahl der Neuinfektionen soll so gering wie möglich gehalten werden, nur so könnten schwere Verläufe und Todesfälle verhindern werden, erklärte Wieler und: "nur so kann unser Alltag ohne allzu grosse Einschränkungen weiter gehen."

Wir alle können dazu beitragen, indem wir die AHA + L Regeln beherzigen.
Prof.Dr.Lothar Wieler
Präsident des Robert-Koch-Instituts

Wieler appellierte an alle, dazu beitzutragen, die Pandemie einzudämmen. Viele Gesundheitsämter gelangten jetzt schon an ihren Grenzen. Mit einem "verantwortungsbewussten Verhalten" sei das Virus besser kontrollierbar. Daher sei es an jedem Einzelnen, private Kontakte einzuschränken.

Deutschlands Corona-Strategie muss weiter verfolgt werden

Deutschlands Corona-Strategie stellte Wieler nicht infrage. Sie sei gut, auch im Vergleich mit anderen Ländern im Europa. Nur müsse man sie konsequent weiterverfolgen. Vulnerable Gruppen und ältere Menschen müssten besser geschützt werden. Zwar würden sich derzeit mehr junge Menschen infizieren, aber "wenn wir nicht wachsam bleiben" wird es auch in gefährdeten Bevölkerungsgruppen zu einem Anstieg der Infektionen kommen.

Wieler plädierte zudem für "verbindliche Einheitlichkeit" von Corona-Maßnahmen, die zum einen mit klaren Grenzwerten verbunden seien und zum anderen mit Kontrolle der Maßnahmen. Eine bundesweite Maskenpflicht im öffentlichen Raum und an Orten, in denen ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht, befürwortet Wieler. Er plädierte auch dafür, die Anzahl der Menschen in Innenräumen zu begrenzen.

Experten gehen davon aus, dass die derzeitigen starken Anstiege das Geschehen von vor einer Woche abbilden.