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Republikaner und Demokraten: Der Graben zwischen Rot und Blau

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Denkt Chris Calaycay an sein Heimatland, denkt er an ein gespaltenes Land. Gebürtig stammt er aus Hawaii, den größten Teil seiner Kindheit verbrachte er in Oregon, im Nordwesten der Vereinigten Staaten. Der US-Nationalsport führte ihn erst nach Frankreich, dann nach Österreich. Der 44-Jährige lebt in Wien, ist dort als American-Football-Trainer bei den Vienna Vikings beschäftigt, gewann mit der Mannschaft mehrfach die Staatsmeisterschaft und den Europapokal. Seit Jahren ist er in Österreich zu Hause, doch sein Blick geht immer auch gen Heimat. Gerade jetzt, da gewählt wird, da entschieden wird, wer das Land künftig als Präsident führt.

„Großartiger Dialog. So was muss mehr stattfinden“

Eine Kluft zwischen dem Rot der Republikaner und dem Blau der Demokratischen Partei durchzieht die Vereinigten Staaten. Eine Spaltung, ein tiefer Graben. Durch die Coronavirus-Pandemie sei alles noch mal schwieriger geworden, das mache das Thema Führungsstärke umso wichtiger, betont Calaycay. Die Anhänger der beiden großen US-Parteien - sind sie wirklich unversöhnlich? Es geht auch anders, meint der 44-Jährige, der von sich selbst sagt, als junger Mann mit dem Hochschulabschluss in der Tasche deutlich republikanische Ansichten vertreten zu haben und mittlerweile den Demokraten nahezustehen. „Ich habe einen sehr guten Freund, der in Deutschland lebt, wir diskutieren fast täglich über Politik“, so Calaycay. „Er kommt aus Texas, traditionell ein roter Staat. Ich komme von der Westküste, das sind traditionell blaue Staaten, und wir führen einen großartigen Dialog. Ich finde, so was muss mehr stattfinden“, betont er.

Der in Wien lebende Amerikaner meint, Präsident Donald Trump habe in den vergangenen vier Jahren dafür gesorgt, dass sich die Spaltung verschärft habe, dass es - so sagt Calaycay - „nur die eine Seite und die andere Seite gibt“. Von einem strikten Verharren im eigenen Lager um jeden Preis hält er nicht viel. „Es ist nichts Falsches daran, wenn ich als Demokrat einen Republikaner wähle“, sagt der gebürtige Hawaiianer. „Ich habe kein Problem damit, das zu tun. Und es sollte auf der anderen Seite genauso sein. Es sollte kein Problem sein, wenn ein Republikaner einen Demokraten wählt. Ich denke, das Wichtigste ist, dass die Amerikaner für Amerika stimmen und für das, was im besten Interesse unseres Landes und unserer Demokratie ist“, erläutert Calaycay.

Ein Präsident nur für die Geschäftswelt?

Sein Landsmann Omari Knox hat eine ganz andere Geschichte. Brooklyn im Bundesstaat New York ist die Heimat des 33-Jährigen, also an der gegenüberliegenden Küste des Landes. Eine Gemeinsamkeit haben sie: Auch Knox kam des Sports wegen nach Europa und blieb. Er studierte Soziologie am Bloomfield College, wurde Basketballprofi und wechselte 2009 nach Deutschland. Hanau in Hessen ist sein jetziger Wohnort. Calaycays Eindruck von den USA als ein gespaltenes Land kann er bestätigen. Wie der Reichtum innerhalb der Gesellschaft verteilt sei und auch die Klassenzugehörigkeit sorgten für Spaltung, sagt Knox. Das habe es bereits vorher gegeben, „aber es wird immer mehr zu einem Thema, weil ich das Gefühl habe, dass sich der derzeitige Präsident nur Geschäftsleuten zuwendet“, erläutert er. Und: Die Fälle von Polizeigewalt gegen die schwarze Bevölkerung sorgten ebenfalls für Spaltung, so der 33-Jährige. Knox: „Meine Einstellung dazu ist: Wie kann man diesen Mann unterstützen, wenn er im Grunde zeigt, dass er sich nicht um Menschen meiner Hautfarbe kümmert?“

Knox’ Mutter ist beruflich in der Strafverfolgung tätig, er kenne in der Diskussion um die Polizei in seinem Heimatland also beide Seiten, erzählt er. „Die Zunahme der Gewalt und all die Fälle von Brutalität werden die Wahl stark beeinflussen“, meint Knox. „Viele Afroamerikaner und Latinos haben an der vergangenen Wahl nicht teilgenommen - im Vergleich zur Wahl, als Obama gewählt wurde. Ich denke, das wird sich jetzt ändern“, erläutert er. „Das Einzige, dessen ich mir nicht sicher bin, ist: Trump hat den Minderheitengemeinschaften viel Geld gegeben. Ich bin mir also nicht ganz sicher, ob die Leute denken: Wenn ich ihn nicht noch einmal wähle, bekomme ich dann die gleiche Summe Geld, die ich erhalten habe?“, so Knox.

Was hieße es für die Vereinigen Staaten, wenn Trump eine zweite Amtszeit antreten sollte? Calaycay meint: „Es würde bedeuten, dass die Vereinigten Staaten auf dem Weg weitergehen würden, auf dem sie sich jetzt befinden, was ich nicht für gut halte. Ich denke, es ist ein Weg der Spaltung. Ich denke, wir haben viele Probleme, nicht nur die Pandemie“. Und sollte Biden gewinnen? Dann könnte es sein, dass die Menschen wieder zusammenrücken, meint Knox. Der Kandidat der Demokraten wäre wohl ein Mann für eine Amtszeit, so Calaycay und verweist auf Bidens Alter, der am 20. November seinen 78. Geburtstag begeht.