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Bellsche Lähmung: Panikmache oder Nebenwirkung der Covid-19-Impfung?

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In den sozialen Netzwerken geistern schockierende Bilder von Menschen mit Gesichtslähmungen herum - eine angebliche Nebenwirkung der Impfung gegen das Coronavirus.

In den sozialen Medien tauschen sich gerade einige Menschen über einen möglichen Zusammenhang zwischen den Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna und der Bellschen Lähmung aus (auch Fazialislähmung oder Fazialisparese; engl.: Bell's palsy). Dabei handelt es sich um ein meistens vorübergehendes Syndrom, das einen Teil des Gesichts betrifft.

Das Wichtige vorweg: Ein kausaler Zusammenhang konnte nicht nachgewiesen werden, weil die aufgetretenen Fälle der Bellschen Lähmung in den klinischen Studien nicht häufiger waren als in der Allgemeinbevölkerung.

Hier eine Zusammenfassung der Erkenntnisse:

  • Ein möglicher Zusammenhang wurde in der Beurteilung der US-Arzneimittelbehörde FDA erwähnt. Die Mediziner bitten hier um "Wachsamkeit" gegenüber möglicher Fälle Bellscher Lähmung unter Geimpften, wenn der Impfstoff von BioNTech/Pfizer großflächig eingesetzt wird. Die US-Arzneimittelbehörde prüft an diesem Donnerstag die Zulassung des Impfstoffs von Moderna.

  • Die FDA stützt sich auf die Ergebnisse klinischer Studien, nicht auf Fälle, die während der Impfung festgestellt wurden.

  • Nach Angaben der FDA wurden bei Moderna unter den mehr als 22.600 Teilnehmern vier Fälle Bellscher Lähmung festgestellt. Einer von ihnen hatte nicht einmal den Impfstoff erhalten, sondern nur das Placebo. Die FDA glaubt, dass alle von ihnen eine Prädisposition für das Syndrom hatten, aber dass ein Zusammenhang mit dem Impfstoff auch nicht völlig ausgeschlossen werden kann.

  • Im Fall von BioNTech/Pfizer wurden unter den mehr als 43.448 Teilnehmern ebenfalls vier Fälle - festgestellt. Auch hier lagen nicht genügend Daten vor, um einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang herzustellen.

Bellsche Lähmung bei den Geimpften genauso häufig wie in der allgemeinen Bevölkerung

Die FDA stellt fest, dass die Quote der Fälle von Bellscher Lähmung mit der Häufigkeit dieses Syndroms in der allgemeinen Bevölkerung übereinstimmt und es deshalb zu diesem Zeitpunkt "keine klare Grundlage für die Schlussfolgerung einer kausalen Beziehung" besteht. Die FDA empfiehlt aber eine Überwachung der Fälle von Bellscher Lähmung mit dem Einsatz des Impfstoffs in der breiten Bevölkerung, heißt es in den Angaben der FDA.

  • Die Bellsche Lähmung ist eine Erkrankung des Nervs, der die Gesichtsmuskeln steuert. Es wird vermutet, dass sie durch eine Nervenentzündung im Zusammenhang mit Virusinfektionen und/oder Störungen des Immunsystems verursacht wird.
  • Sie kann Menschen jeden Alters betreffen, tritt aber am häufigsten bei Menschen über 65 auf. Auch bei Menschen mit Diabetes oder schwangeren Frauen tritt sie häufiger auf.
  • Es handelt sich in der Regel um eine leichte Lähmung, die nach etwa einem Monat von selbst wieder verschwindet. Die vollständige Erholung kann in Ausnahmen bis zu sechs Monaten dauern.

Tatsächlich war die Zahl der Todesfälle unter den freiwilligen Probanten viel höher als die der Fälle von Bellscher Lähmung.

Unter den Moderna-Freiwilligen starben 13 Personen: sechs hatten den Impfstoff und sieben das Placebo erhalten. Unter den Probanden von BioNTech/Pfizer starben sechs Personen, vier von ihnen hatten das Placebo erhalten.

In Ermangelung weiterer Daten scheinen Todesfälle, Fälle von Bellscher Lähmung oder allergische Reaktionen die Experten nicht zu beunruhigen.

Alle bisherigen Daten deuten darauf hin, dass es sich hierbei um relativ häufige Vorkommnisse bei der Entwicklung und Erprobung von Impfstoffen oder Medikamenten handelt. Was sich auf jeden Fall geändert hat, ist die mediale Aufmerksamkeit rund um den Zulassungsprozess von Impfstoffen - sie ist wahrscheinlich so hoch wie noch nie in der Geschichte der Medizin zuvor.