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Trotz Corona: Keine Anzeichen für Entschärfung der Klimakrise

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Trotz Corona: Keine Anzeichen für Entschärfung der Klimakrise
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Allen wissenschaftlichen Warnungen und politischen Willenserklärungen zum Trotz steigt die Konzentration an Treibhausgasen in unserer Atmosphäre. Der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) zufolge hat auch 2020 die Konzentration von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre zugenommen, obwohl die Corona-Krise den aktuellen CO2-Ausstoß gedämpft habe. Kohlenstoffdioxid gilt als wichtigstes vom Menschen freigesetztes Treibhausgas. Weil es so lange in der Atmosphäre verbleibt, ist die Konzentration dort nicht allein vom Ausstoß im aktuellen Jahr abhängig. In dieser Climate-Now-Sonderausgabe blicken wir auf das Jahr 2020 zurück, das von der Coronavirus-Pandemie beherrscht wurde. Und wir sprechen mit Experten über den wahren Zustand unseres Klimas:

"Die Pandemie hat uns gezeigt, dass es Hoffnung gibt: Wenn wir gezwungen sind zu handeln, sind wir in der Lage, umfangreiche Maßnahmen zu ergreifen", meint Oksana Tarasova, Leiterin der Atmospheric Environment Research Division, Weltorganisation für Meteorologie (WMO).

Aktuelle Klimadaten

Und jetzt die aktuellen Daten vom Copernicus Climate Change Service:

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Jeremy Wilkseuronews

2020 war gemeinsam mit 2016 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, wobei die Temperaturen rund um den Globus 0,6 Grad Celsius über dem Durchschnitt von 1981 bis 2010 lagen.

Copernicus Climate Change Service implementiert von ECMWF
Temperaturveränderungen im Vergleich zum vorindustriellen ZeitalterCopernicus Climate Change Service implementiert von ECMWF

Mit 2020 endet auch das wärmste Jahrzehnt, das jemals aufgezeichnet wurde. Das sieht man in obiger Grafik. Sie zeigt dekadische Mittelwerte von verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen seit 1851: Die Erwärmung in den vergangenen 40 Jahren ist offensichtlich.

Copernicus Climate Change Service implementiert von ECMWF
Anomalie der Oberflächenlufttemperatur für Dezember 2020Copernicus Climate Change Service implementiert von ECMWF

Corona führt zu keinen langfristigen Klimaveränderungen

Die Coronavirus-Pandemie führte in ganz Europa zu Lockdowns. Plötzlich waren die Straßen leer und die Luft wurde sauberer. Die Stickstoffdioxidbelastung durch Fahrzeuge sank mancherorts um bis zu 50 Prozent. Doch diese Veränderungen waren nicht von Dauer. Richard Engelen vom Copernicus Atmosphere Monitoring Service erklärt, warum:

"Wenn die Emissionen sinken, sinken die Konzentrationen, wenn die Emissionen wieder steigen, steigen die Konzentrationen wieder an", so der stellvertretende Direktor. "Das liegt daran, dass diese Schadstoffe eine kurze Lebensdauer in der Atmosphäre haben. Sie fallen entweder zurück auf die Erdoberfläche, zum Beispiel durch Niederschlag, oder sie reagieren mit anderen Gasen in der Atmosphäre, sie sind kurzlebig."

So stieg und fiel die Luftverschmutzung 2020, während die Lockdowns kamen und gingen. Währenddessen sank der CO2-Ausstoß im vergangenen Jahr um sieben Prozent. Aber welche Auswirkungen hatte das wirklich auf unser Klima? Das ließ sich euronews-Reporter Jeremy Wilks von Experten der Weltorganisation für Meteorologie erklären.

im Botanischen Garten von Genf trifft er Oksana Tarasova, eine WMO-Wissenschaftlerin für CO2-Emissionen: Laut ihr ist der Emissionen-Rückgang aufgrund der Pandemie NICHT bedeutsam für den Klimawandel:

"Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre, sowie andere wichtige Treibhausgase wie Methan und Stickoxide, sie alle steigen an", so Tarasova. "Wir haben keine Abnahme der Konzentration festgestellt. Wenn man sich die Kurve anschaut, geht es immer weiter aufwärts, 2019 und 2020 sind keine Ausnahmen, es geht immer weiter aufwärts."

Treibhauseffekt wird stärker

CO2 verursacht den Treibhauseffekt, so genannt wegen der Art und Weise, wie das Gas die Wärme in der Erdatmosphäre einschließt, so wie das Glas in diesem tropischen Wintergarten die Wärme hält. Tarasova erklärt:

"Es gibt einen natürlichen Treibhauseffekt, der bleibt, der da war, bevor der Mensch Einfluss nahm. Und es gibt den vom Menschen verursachten Treibhauseffekt, der mit unseren Emissionen zusammenhängt. Wenn wir also zusätzliches CO2 oder Methan oder Stickoxide in die Atmosphäre emittieren, wirken all diese Moleküle, die wir hinzufügen, wie kleine Heizmaschinen."

Aufgrund dieser "kleinen Heizmaschinen" sind wir auf dem besten Weg, in den kommenden Jahrzehnten eine globale Erwärmung von über eineinhalb Grad zu erreichen. Außerdem muss man bedenken, dass das Klimasystem sehr langsam reagiert, wie Maxx Dilley von der WMO erklärt:

"Es dauert Jahrzehnte, bis sich das Klimasystem auf das einstellt, was heute in der Atmosphäre ist", so der Direktor des Climate Service Department. "Das Temperaturmuster, das wir heute weltweit sehen und das hier auf dieser Karte zu sehen ist, ist also ein Produkt der Treibhausgas-Konzentrationen, die wir vor 30 Jahren in der Atmosphäre hatten. In die Zukunft gedacht, wird es weitere 30 Jahre dauern, bis das Klima mit den heutigen Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre ein Gleichgewicht erreicht."

Tiefgreifende Auswirkungen des Menschen

Der Einfluss des Menschen führt dazu, dass der CO2-Volumenanteil in der Atmosphäre jetzt bei über 410 Teilen pro Million (ppm) liegt, gegenüber einem vorindustriellen Durchschnitt von 280 Teilen pro Million. Die Auswirkungen dieses Anstiegs sind tiefgreifend:

„Das letzte Mal, dass es in der Erdatmosphäre diese Menge an CO2 gab, liegt drei bis fünf Millionen Jahre zurück. Und in dieser Zeit hatten wir zwei bis drei Grad höhere Temperaturen und einen zehn bis zwanzig Meter höheren Meeresspiegel. Aber es gab keine Menschen", so Tarasova.

Das ist der aktuelle Stand: Wenn die Emissionen gegen null gesenkt werden können, wird sich die Situation langsam ändern.