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Blutantiquitäten: Das schmutzige Geschäft mit geraubter Kunst

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Geraubter Kunstgegenstand
Geraubter Kunstgegenstand   -   Copyright  France Télévisions/EVN (Videostandbild)
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An den Büsten, Grabplatten oder Mosaiken klebt meist nur im übertragenen Sinne Blut. Als Blutantiquitäten werden sie bezeichnet, weil sie aus Plünderungen in Kriegsgebieten stammen. Angeboten werden sie oft im Internet - und landen in vielen Fällen früher oder später in Europa.

Der französische Altertumsforscher Vincent Michel gibt ein Beispiel: „Diese mesopotamischen Platten stammen aus dem Irak oder Syrien, aus Kriegsgebieten. Der Ausdruck Blutantiquitäten ist sehr weit gefasst. Natürlich können solche Gegenstände helfen, Terrorismus zu finanzieren. Auf jeden Fall sind die Gegenstände unrechtmäßig außer Landes gebracht worden.“

Geraubte Kunst, neue Herkunftsgeschichte

Am Pariser Institut für Kunstgeschichte beschäftigt man sich seit Langem mit den Blutantiquitäten. Daraus entstand eine Karte, die einige der geraubten Kunstgegenstände zeigt, die bei Versteigerungen auftauchten - samt eigens erdachter Herkunftsgeschichten. Historiker Morgan Belzic sagt: „Dieses Porträt wurde 2015 von Bonhams mit einem interessanten Hinweis versteigert. Man sagte uns, es stamme aus der Sammlung eines gewissen Herrn S. aus Zürich. Aber wir haben Aufnahmen der Plünderer, die von 2013 oder 2014 stammen. Die Fotos kommen aus den sozialen Netzwerken, in denen sich die Plünderer ausgetauscht haben. Da haben sie versucht, ihr Gut, das wahrscheinlich aus einem Grab stammt, unter die Leute zu bringen.“

Blutantiquitäten im Wert von bis zu 15 Milliarden Euro

Um Blutantiquitäten zu erkennen, soll ein Programm genutzt werden, das mit möglichst vielen Informationen über geraubte Gegenstände gespeist wird. Eines Tages soll dann ein Foto genügen und schon spuckt die Datenbank die hinterlegten Informationen aus. Altertumsforscher Axel Kerep: „Das ist ein Gegenstand westmexikanischer Herkunft. Er ist jetzt Schmuggelware."

Nach Angaben der UNESCO sind jährlich Blutantiquitäten im Wert von bis zu 15 Milliarden Euro im Umlauf.