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Deutlich mehr Impfstoff für Deutschland ab dem Frühling

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Von Euronews
Schlange vor Impfzentrum in Berlin-Treptow
Schlange vor Impfzentrum in Berlin-Treptow   -   Copyright  AP Photo/Michael Sohn
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Nach dem holprigen Start der Corona-Impfungen in Deutschland scheint sich die Lage etwas zu entspannen. Bis zum Sommer sollen die Impfstoff-Lieferungen deutlich steigen - im gesamten Jahr könnten es laut einer neuen Schätzung des Bundes bis zu 322 Millionen Dosen werden.

Merkels ehrgeiziger Zeitplan

Die Bundeskanzlerin sagte auf der Pressekonferenz nach dem Impfgipfel, Bund und Länder hätten nun eine Verlässlichkeit zu den Lieferungen der Dosen in den kommenden Quartalen. Von den bereits zugelassenen Herstellern Astrazeneca, Biontech und Moderna könne nun mit festen Mengen gerechnet werden. Ein nationaler Impfplan soll Sicherheit geben.

Sie wiederholte ihr Versprechen, bis zum Ende des Sommers jedem Impfwilligen ein Angebot machen zu können - selbst, wenn nur die bereits zugelassenen Impfstoffe zur Verfügung stünden.

Es wird einen Punkt geben an dem soviel Impfstoff zur Verfügung stehen wird, dass auch die Hauspraxen miteinsteigen können. Die Hausärzte können sehr viel verimpfen, es muss nicht alles über die Impfzentren gehen.
Angela Merkel
Bundeskanzlerin

Bis zum Sommer sollen die Liefermengen deutlich anziehen, wie bereits vorab aus einer neuen Schätzung des Gesundheitsministeriums hervoring.

Wieviele Dosen sollen geliefert werden?

Nach 18,3 Millionen Impfdosen im laufenden ersten Quartal könnten demnach laut aktueller Schätzung im zweiten Quartal voraussichtlich 77,1 Millionen Dosen und im dritten Quartal 126,6 Millionen Dosen verschiedener Hersteller folgen. Im vierten Quartal könnten es dann weitere 100,2 Millionen Dosen sein.

Die Schätzung bezieht sich auf Verträge und geplante Vereinbarungen sowie voraussichtliche Zulassungstermine einiger Impfstoffe. Zugleich hieß es, Termine und Liefermengen hingen von vielen Faktoren ab - etwa klinischen Prüfungen, Zulassungsverfahren und Produktionsprozessen.

Wut über Engpässe

Angesichts knapper Mengen, teils unsicherer Lieferungen und oft überlasteter Telefon-Hotlines für Impftermine hatte sich massive Kritik aufgestaut. Länder und Kommunen fordern mehr Zuverlässigkeit bei Lieferangaben, damit die regionalen Impfzentren vor Ort besser planen können.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sagte:

Die Kommunikation des Erwartungsmanagements muss anders laufen als in den vergangenen Wochen, wo man vielleicht am Anfang den Eindruck gegeben hat, in drei, vier Wochen sei alles vorbei. Man muss das auf einer langen Zeitachse - mindestens ein halbes Jahr - darstellen. Das wird für die Geduld der Menschen eine echte Herausforderung

Am "Impfgipfel" nahmen auch die Pharmabranche und die EU-Kommission teil. Mit dabei waren unter anderem Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides und Binnenmarkt-Kommissar Thierry Breton sowie Vertreter der Firmen Biontech, Pfizer, Curevac, IDT, Moderna, Astrazeneca, Johnson & Johnson, Sanofi, Bayer und Schott.

Johnson & Johnson und Curevac warten noch auf die Zulassung. Diese Hersteller produzieren schon vor, man könne mit den Mengen aber noch nicht fest rechnen, sagte Merkel.

Impfplan: Wer ist zuerst dran?

Zur Gruppe mit höchster Priorität gehören Über-80-Jährige, Bewohner und Personal in Pflegeheimen sowie Gesundheitspersonal etwa in Intensivstationen. Sind diese Beschäftigten jünger als 65, sollen sie vorrangig mit Astrazeneca geimpft werden. Ab 65 soll man Anspruch auf Impfungen mit einem der beiden anderen Impfstoffe von Biontech und Moderna haben.

Zudem sollen Menschen mit Vorerkrankungen voraussichtlich teilweise etwas früher geimpft werden können als bisher vorgesehen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa sollen etwa Diabetiker mit hohen Blutzuckerwerten eine Impfung schon in der zweiten Gruppe mit "hoher Priorität" erhalten können. Dies gilt etwa auch für Menschen mit chronischen Leber- oder Nierenerkrankungen sowie bestimmten schweren chronischen Lungenerkrankungen. In dieser Gruppe sollen sonst weiter schwerpunktmäßig Menschen ab 70 erfasst werden.