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Kampf gegen Mutationen schon verloren? Die Warnung von Melanie Brinkmann

Melanie Brinkmann vom Helmholtz Zentrum für Infektionskrankheiten (ARCHIV)
Melanie Brinkmann vom Helmholtz Zentrum für Infektionskrankheiten (ARCHIV)   -   Copyright  Michael Sohn/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
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Die britische Mutante des Coronavirus ist in Frankreich zuletzt bei 14 Prozent aller Neuinfektionen festgestellt worden, in Belgien sind es offenbar schon 20 bis 25 Prozent. In Deutschland sollen es etwas weniger als 6 Prozent sein. Dennoch hat der Chef des Robert Koch-Instituts Lothar Wieler am Freitag vor den Mutationen gewarnt - und der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn hat erklärt, es werde vorerst keine Lockerungen des Lockdown geben.

Doch die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz Zentrum für Infektionskrankheiten in Braunschweig findet, dass die Politik mehr tun sollte zur Eindämmung der Virusvarianten. Im Interview mit dem SPIEGEL warnt die 47-Jährige: "Die Mutante aus Großbritannien und andere werden uns überrennen, das Virus hat einen Raketenantrieb bekommen. Es geht nur noch darum: Können wir den Siegeszug der Varianten hinauszögern, Zeit gewinnen?"

Und die Antwort liefert die Coronavirus-Expertin gleich mit. Die Pandemie werde uns auch 2022 noch beschäftigen, denn das Impfen gehe nicht schnell genug voran. "Dieser Wettlauf ist längst verloren. Alles andere entspringt Wunschdenken, genährt von falschen Versprechungen einiger Politiker. (...) Wir kriegen niemals genügend Menschen geimpft, bevor die Mutanten durchschlagen"

Das Ziel von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner hält Brinkmann für nicht ausreichend. Sie ist Vertreterin der "No Covid"-Strategie, die aber nicht bedeutet, dass es kein Coronavirus mehr gibt, sondern dass die Neuinfektionen so weit wie möglich eingedämmt und die Ausbreitung des Virus durch harte lokale Eingriffe möglichst schnell bekämpft wird. Als Vorreiter dieser Strategie gelten u.a. Taiwan, Australien und Finnland.

Zur in Deutschland aktuell angewandten Methode sagt Melanie Brinkmann: "Dieses Larifari des 'Hier ein bisschen Homeoffice, dort ein improvisiertes Hygienekonzept', das muss aufhören."

Melanie Brinkmann ist mit einem Software-Experten verheiratet und Mutter von drei Kindern. Sie versucht, ihren Ansatz in anschaulichen Worten zu erklären: "Das ist, als würde man sich ein Pflaster quälend langsam abziehen - oder einmal schnell, zack!, und weg ist es."

Auf Twitter schreibt die Professorin der TU Braunschweig auch davon, dass ihre Jungs gerne wieder in ihre Sportvereine gehen würden und ihre Freunde vermissen.

Der aktuelle Lockdown in Deutschland gilt bis zum 14. Februar. In der kommenden Woche beraten die Kanzlerin Angela Merkel sowie die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch über das weitere Vorgehen.