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Energie-Armut sorgt für kalte Wohnungen

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Von Gregoire Lory
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Energie-Armut sorgt für kalte Wohnungen
Copyright  KENZO TRIBOUILLARD/AFP

In dieser Woche waren die Temperaturen in Belgien weit unter null. Wetterbedingungen, die besonders für jemanden wie Véronique sehr schwierig sind. Die Mitsiebzigerin kann sich das Heizen eigentlich nicht leisten, doch jetzt hat sie keine andere Wahl.

Sie spare an der Heizung, wo sie könne. Doch herrschten jetzt minus zehn Grad. Ansonsten drehe sie die Heizung immer erst am späten Nachmittag auf, nachts mache sie sie wieder aus. Das Heizen koste viel Geld.

Diese Energie-Armut ist ein Teufelskreis. Véronique Duquesne muss ihre Heizminuten genau berechnen - wie auch alle ihrer anderen monatlichen Ausgaben.

Sie müsse sehr häufig nur Nudeln oder Eier essen, weil sie sich nichts anderes leisten könne. Zu Monatsbeginn kaufe sich sich schon mal ein Stück Fleisch, das sei schon ein großer Ausgabenposten. Aber ein Stück Fleisch tue gut.

Ihre kalte Wohnung belastet auch ihr Familienleben - ihre sechs Enkelkinder sieht sie im Winter so gut wie nie.

Wenn sie dann doch kämen, stecke sie immer zwei gleichzeitig in die Badewanne - das spare Wasser. Sie selbst gönne sich nur alle zwei Tage eine Dusche.

Die Energiearmut greift immer weiter um sich. 2019 konnten sich mehr als 30 Millionen Menschen in Europa keine Heizung leisten. Das entspricht den Bevölkerungen Österreichs, Ungarns und der Tschechischen Republik zusammen.

Die Pandemie hat die Situation nur noch verschlechtert.

Die Covid-Krise habe vor allem zwei Folgen gehabt, sagt Thomas Pellerin-Carlin vom Pariser Institut Jacques Delors. Da sei zunächst der Einkommensverlust, wenn Menschen ihren Job verloren hätten oder auf Kurzarbeit gesetzt worden seien. Zum anderen würden die Menschen wegen der Lockdowns mehr Zeit zu Hause verbringen, was den Heizbedarf habe ansteigen lassen. Plötzlich seien Familien, die zuvor gerade noch mit ihrem Geld ausgekommen seien, unterhalb der Armutsgrenze. Jetzt lebten sie in kalten Wohnungen, was sie noch anfälliger für Krankheiten machten.

Kurzfristig könnten diesen Menschen mit finanzieller Unterstützung geholfen werden. Langfristig indes wären Investitionen in Wohnungsrenovierungen angebracht. Die EU-Kommission will diese Renovierungen subventionieren und dabei grüne Technologien nutzen.

Journalist • Stefan Grobe