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Angst und andere Sorgen: Wahl kann Katalanen kaum begeistern

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Angst und andere Sorgen: Wahl kann Katalanen kaum begeistern
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Wahlurnen, Desinfektionsmittel, Masken - Katalonien bereitet sich auf die Wahl eines neuen Regionalparlaments an diesem Wochenende vor.

Ein ungeliebter Urnengang unter verschärften Bedingungen, nicht nur wegen der Corona-Pandemie, wie der Politologe Marc Guinjoan von der Universität in Barcelona erläutert.

"Da gibt es neben der Angst, wählen zu gehen auch ein Gefühl des Überdrusses innerhalb der Separatistenbewegung. Weil es einen Kampf mit dem spanischen Staat gab, der aus mehreren Gründen nicht in die Unabhängigkeit führte. Jetzt zögern die meisten Anhänger der Separatisten, an der der Wahl teilzunehmen."

Gelegenheit verpasst

Die von Separatisten geführte Regierung in Barcelona wollte die Wahl wegen der Corona-Pandemie auf den 30. Mai verschieben. Doch ein Gericht verbot das. Nun sind 5,6 Millionen Wahlberechtigte an die Urnen gerufen.

Und haben eigentlich andere Sorgen als die Unabhängigkeit, wie eine auf der Straße angesprochene Passantin bestätigt. "Die Pandemie und die soziale Krise im Allgemeinen. Ich denke, dass wir die Gelegenheit hatten, etwas zu verändern, und haben es verpasst. Ich weiß nicht, wessen Schuld das ist, aber es wurde einfach nicht getan."

Interne Streitereien im Lager der Separatisten und unterschiedliche Ansätze haben bei der Wählerbasis ein Gefühl der Enttäuschung hervorgerufen.

Eine Frau fasst zusammen: "Bei dieser Wahl wird nicht viel über die Unabhängigkeit gesprochen. Das liegt daran, dass die katalanischen Parteien nie miteinander übereinstimmen, und das ist ein ernstes Problem für uns."

Komplizierte Mehrheitsverhältnisse

Derweil könnte der rechtsextremen Vox-Partei der Einzug ins katalanische Parlament gelingen.

Im Lager der Unabhängigkeitsgegner machen sich die Sozialisten große Hoffnungen. Sie treten mit dem Spitzenkandidaten Salvador Illa an, der als bisheriger spanischer Gesundheitsminister große Bekanntheit erreichte.

Politexperte Marc Guinjoan hält die Bildung einer stabilen Regierung mit klarer programmatischer Ausrichtung angesichts der komplizierten Mehrheitsverhältnisse für eher unwahrscheinlich. Er rechnet mit einer verkürzten Legislaturperiode.

"Das Ergebnis der Katalonienwahl wird auch einen starken Einfluss auf die nationale Politik haben", meint Euronews-Korrespondentin Cristina Giner. "Die Wahl der Koalitionspartei in Katalonien könnte die Allianzen in Madrid neu konfigurieren und die Beziehungen zwischen den Regierungspartnern belasten."