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Frauenproteste in der Türkei: "Meine Freundin wurde von ihrem Ex getötet"

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Frauenproteste in der Türkei: "Meine Freundin wurde von ihrem Ex getötet"
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Tausende Demonstranten haben in Istanbul gegen den Austritt der Türkei aus der Istanbul-Konvention protestiert. Der weltweit ersten verbindliche Vertrag mit dem Ziel, Gewalt gegen Frauen zu verhindern und zu bekämpfen, war 2011 vom Europarat ausgearbeitet worden.

Der Europarat sprach von einer „verheerenden Nachricht“, die deutsche Bundesregierung von einem falschen Signal an Europa, aber vor allem an die Frauen in der Türkei.

Zwei Stimmen aus der Demo in Istanbul

Okyanus Curebal, Demonstrantin:

“Ich möchte nicht sterben. 2017 verlor ich eine Freundin aus Kindertagen, die 17-jährige Helin Palandoken, die von ihrem Ex-Freund getötet wurde. So wütend ich damals war, so wütend bin ich jetzt. Vor fünf Monaten wurde die Mutter einer Freundin von ihrem Ex umgebracht. So wütend ich damals war, so wütend bin ich jetzt. Es lebe die Istanbul-Konvention.”

Ozum Buzoglu, Demonstrantin:

“Wir leben in einem Land, das immer noch nicht an die Gleichstellung von Männern und Frauen glaubt. Ich glaube, sie haben Angst vor Frauen und vor gleichberechtigten Frauen und deshalb haben sie sich zurückgezogen.”

Heftig wurde auch die Art und Weise des Austritts kritisiert – per Dekret von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Die Anwaltsvereinigung aus Istanbul etwa monierte (via Twitter), der Präsident habe gar nicht die Befugnis, internationale Abkommen per Dekret aufzukündigen.

In den vergangenen Monaten hatte es immer wieder Diskussionen über einen möglichen Austritt aus der Konvention gegeben. Sie waren von einer konservativ-religiösen Plattform losgetreten worden, die unter anderem Religion, Ehre und Anstand durch das Abkommen gefährdet sah.

Nach Angaben von Frauenrechtsorganisationen wurden allein im vergangenen Jahr mindestens 300 Frauen in der Türkei von Männern ermordet.

su mit dpa