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Tschernobyl menschenleer besser? Sperrzone als „Reservat“

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Tschernobyl menschenleer besser? Sperrzone als „Reservat“
Copyright  EFREM LUKATSKY/AP2007
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Tschernobyl soll beim Thema “Klima, Umwelt, Natur“ ein neues Vorzeichen bekommen – diesmal positiv - wenn es nach Denys Vishnevskiy geht. Als der Reaktor 4 im Atomkraftwerk Tschernobyl 1986 explodierte, war er acht Jahre alt.

Denys Vishnevskiy kam vor 20 Jahren nach Tschernobyl, um die Erholung der Tierwelt zu beobachten. Sein Ziel: Die Sperrzone in ein Reservat für die biologische Vielfalt umzuwandeln.

In der Sperrzone lebt heute ein Vielzahl von Tieren - Hirsche, Elche und Wildschweine, mehr als vor dem Unfall. Offenbar habe ihnen die erhöhte Strahlung in der Gegend nicht weiter geschadet, sagt Vishnevskiy.

Menschen sind dagegen rar im Sperrgebiet, 30 km rund um den havarierten Reaktorblock 4 – vor knapp 10 Jahren wurden 197 illegale Rückkehrer gezählt.

Ohne menschliche Aktivität würden die Wildtiere mehr und mehr, so der Forscher - ein Trend, den er mit versteckter Kamera verfolgt.

Vishnevskiy sieht in seiner Arbeit eine einzigartige Gelegenheit zu sehen, wie sich die Natur verändert, wenn Menschen fortziehen.

Denys Vishnevskiy, Leiter der wissenschaftlichen Abteilung der Tschernobyl-Sperrzone:

"Auf den ersten Blick ist es keine große Sache, aber wir haben heute einen Biber ausgesetzt. Wir nutzen dieses Gebiet als Reservat für die biologische Vielfalt. Wie Sie sehen, gibt es hier ein üppiges System von Wasserkanälen. Wir haben vor, einen natürlichen Wasserkreislauf wiederherzustellen."

Seine Botschaft: Es gibt ein – interessantes – Leben nach der Katastrophe.

LEHREN FÜR DIE PANDEMIE

Und ein maßloser Schaden – Medien sprechen von bis zu einer halben Million Tschernobyl-Toten – lädt ein zu Parallelen mit der Corona-Pandemie. Nach dem Reaktor-Unfall im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl waren in kürzester Zeit internationale Übereinkommen zur Reaktorsicherheit zustandegekommen.

Ist dies der Tschernobyl-Moment?
Helen Clark
ehemalige neuseeländische Premierministerin

Und so fragte die ehemalige neuseeländische Premierministerin Helen Clark – sie prüft im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO, wie gut die Organisation und Regierungen in der Pandemie agiert haben – sich und den Rest der Menschheit kürzlich: «Ist dies der Tschernobyl-Moment für die WHO und das globale Gesundheitssystem?»

su mit AP