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Tod am Amazonas: Corona bedroht die Ärmsten

Von Euronews
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Eine Frau mit ihrer Tochter im peruanischen Iquitos
Eine Frau mit ihrer Tochter im peruanischen Iquitos   -   Copyright  Rodrigo Abd/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.
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Iquitos, im Herzen des Amazonas, hat eine halbe Million Einwohner. Corona hat die Regenwaldmetropole stark gebeutelt. Tausende Menschen sind gestorben, die Krankenhäuser nach wie vor überlastet.

Kein Zugang zum Fernunterricht

Viele Kinder haben noch immer keinen Zugang zu Bildung, etwa in Punchana, ein Armenviertel in Iquitos. Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten, ist hier kaum möglich. Die Kinder spielen im verschmutzen Wasser.

Die peruanische Regierung hat ein Homeschooling-System in Radio, Fernsehen und Internet geschaffen. Technische Geräte, zu denen viele Familien in der Amazonasregion überhaupt keinen Zugang haben.

Eines von fünf Kindern kann hier laut Bildungsministerium nicht am Fernunterricht teilnehmen, die Zahl der Schulabbrecher hat sich fast verdoppelt - auf 29 Prozent.

Nathalie Mozambete lebt in Punchana und hat Angst um die Zukunft ihrer Kinder: "Ich selbst habe nie einen Beruf gelernt und die Schule nicht abgeschlossen. Und heute kann ich meinem Sohn nicht bei den Hausaufgaben helfen. Das belastet mich, denn ich will nicht, dass mein Sohn so wird wie ich. Ich möchte, dass meine Kinder Erfolg haben. Dass sie ein Studium machen und sich in dieser Welt einen Platz schaffen können. Nicht so wie ich."

Noch tiefer im Amazonas ist die Situation weitaus schlimmer. Es gibt keinen Strom, handelsübliche Radios sind hier unbrauchbar.

Der Apostolische Administrator von Iquitos, Pater Miguel Fuertes, hat deshalb 5000 Radios mit Solarbetrieb angeschafft. Sie wurden in den entlegensten Regionen verteilt. Im kirchlichen Radiosender wird das Bildungsprogramm ausgestrahlt.

Immerhin etwas, sagt der Geistliche. Wie jede Krise treffe Corona vor allem die Ärmsten:

Sie sagen, wascht eure Hände, doch es gibt kein Wasser. Zum Kochen oder Trinken müssen wir Wasser kaufen. Sie sagen, bleibt zu Hause, doch hier teilen sich sechs bis zehn Personen 15 oder 20 Quadratmeter. Sie sagen, bleibt zu Hause, während wir hier Tag für Tag rausgehen und arbeiten müssen, um zu überleben.
Pater Miguel Fuertes

Zu wenig Sauer- und Impstoff

Auch Sauerstoff ist knapp. Die Kirche sammelt Geld für Anlagen, damit der Region die Luft zum Atmen nicht ganz ausgeht. Die brasilianische Variante ist in Iquitos auf dem Vormarsch und die Behörden befürchten, dass bald neue Mutationen folgen könnten.

Die große Hoffnung ist das Impfen, aber das wird im Amazonasgebiet nicht einfach. Viele Menschen sind misstrauisch gegenüber Impfstoffen. Und es ist auch eine logistische Herausforderung, die Dosen an die abgelegensten Orte zu bringen.