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So viel wie ganz Deutschland: 82,4 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht

So viel wie ganz Deutschland: 82,4 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht
Copyright Tsvangirayi Mukwazhi/AP Photo
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Von Euronews mit dpa
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Es ist ein neuer, trauriger Rekordwert: 82,4 Millionen Menschen mussten weltweit wegen Kriegen, Konflikten, Diskriminierung oder Verfolgung fliehen. 42% von ihnen sind Kinder oder Jugendliche.

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Die Zahl der Menschen, die vor Kriegen, Verfolgung und Ausschreitungen fliehen, hat mit 82,4 Millionen im Jahr 2020 einen neuen Rekordwert erreicht. Laut den Vereinten Nationen ist diese Zahl doppelt so hoch wie vor zehn Jahren.

An diesem Freitag hat das UN-Flüchtlingshilfswerk seinen jüngsten Bericht veröffentlicht. Die Zahl der Flüchtlinge, Binnenvertriebenen und Asylsuchenden stieg 2020 um vier Prozent an - von den bereits rekordverdächtigen 79,5 Millionen am Jahresende 2019. Wenn man die aktuelle Situation mit 2010 vergleicht, als die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen 41 Millionen betrug, ist das ein Anstieg von 50% in nur einem Jahrzehnt.

2020 ist somit das neunte Jahr in Folge, in dem die Zahl der Zwangsvertreibungen weltweit kontinuierlich zunimmt.

Während der Pandemie hat "alles einen Stillstand [erreicht], auch die Wirtschaft. Aber Kriege, Konflikte, Gewalt, Diskriminierung und Verfolgung - alles Faktoren, die Menschen in die Flucht treiben - gingen weiter", erklärt der Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks, Filippo Grandi, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Zudem zwingen die Auswirkungen des Klimawandels viele Menschen zum Verlassen ihrer Heimat.

Ende 2020 zählten die Vereinten Nationen 30,3 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter 5,7 Millionen palästinensische Flüchtlinge und 3,9 Millionen Venezolaner. Die Zahl der Asylsuchenden lag bei 4,1 Millionen.

"Den größten Anstieg gab es bei der Zahl der Binnenflüchtlinge", die jetzt bei 48 Millionen liegt, "eine noch nie dagewesene Zahl", wie Grandi bei der Veröffentlichung des Berichts erwähnt.

Vor allem durch die Krisen in Äthiopien, Sudan, den Sahel-Ländern, Mosambik, Jemen, Afghanistan und Kolumbien stieg die Zahl der Binnenflüchtlinge im vergangenen Jahr um mehr als 2,3 Millionen.

Der Bericht stellt ernüchtert fest, dass auf dem Höhepunkt der Pandemie im Jahr 2020 mehr als 160 Länder ihre Grenzen geschlossen hielten. Für Schutzbedürftige gab es keine Ausnahmen.

Inzwischen haben einige Länder Maßnahmen wie medizinische Untersuchungen an der Grenze, Gesundheitsatteste oder Quarantäne nach der Ankunft, vereinfachte Registrierungsverfahren ergriffen, um trotz der Pandemie den Zugang zu Asylverfahren zu gewährleisten.

42 Prozent der Vertriebenen sind unter 18

Im vergangenen Jahr kamen mehr als zwei Drittel aller Menschen, die ins Ausland flohen, aus nur fünf Ländern: Syrien (6,7 Millionen), Venezuela (4 Millionen), Afghanistan (2,6 Millionen), Südsudan (2,2 Millionen) und Myanmar (1,1 Millionen).

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren machen 42 Prozent all derer aus, die fliehen müssen. Zum Vergleich: Kinder und Jugendlich machen 30 % der Gesamtbevölkerung der Welt aus.

Nach Schätzungen des Flüchtlingshilfswerks wurden zwischen 2018 und 2020 fast eine Million Kinder geboren, deren Eltern sich auf der Flucht befanden.

2020 kehrten etwa 3,2 Millionen Binnenvertriebene und gerade mal 251.000 Flüchtlinge in ihre Heimat zurück, ein Rückgang von 40 % bzw. 21 % im Vergleich zu 2019.

Auch bei der Ansiedlung von Flüchtlingen ist ein drastischer Rückgang zu verzeichnen. Laut Flüchtlingshilfswerk wurden im letzten Jahr 34.400 Flüchtlinge neu angesiedelt, der niedrigste Stand seit 20 Jahren. Das sei vor allem auf die begrenzte Anzahl von Siedlungsplätzen und die Covid-19-Pandemie zurückzuführen.

"Lösungen erfordern, dass Staats-und Regierungschefs und andere einflussreiche Persönlichkeiten weltweit ihre Meinungsverschiedenheiten ad acta legen, eine egoistische Herangehensweise an die Politik beenden und sich stattdessen auf Konfliktprävention und -lösung sowie die Achtung der Menschenrechte konzentrieren", meint Grandi.

Im siebten Jahr in Folge hat die Türkei die meisten Flüchtlinge weltweit aufgenommen (3,7 Millionen), gefolgt von Kolumbien (1,7 Millionen), Pakistan (1,4 Millionen), Uganda (1,4 Millionen) und Deutschland (1,2 Millionen).

Wie in den vergangenen Jahren wird am 20. Juni der Weltflüchtlingstag begangen, der von den Vereinten Nationen 2001 eingeführt wurde. In diesem Jahr legt die internationale Organisation besonderen Wert auf den Zugang zu Gesundheit, Bildung und Sport für Vertriebene und Flüchtlinge.

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