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Russlands Außenminister Lawrow warnt vor Unruheherd Afghanistan

Von su mit dpa, AP
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Russlands Außenminister Lawrow warnt vor Unruheherd Afghanistan
Copyright  Tariq Achaizai/AP
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Angesichts wachsender Spannungen und Instabilität in Afghanistan hat Russlands Außenminister Sergej Lawrow zum Dialog aufgerufen. Es müssten schnellstmöglich substanzielle Verhandlungen aufgenommen werden, um die Lage zu stabilisieren, so das Außenministerium in Moskau nach einem Gespräch Lawrows mit dem afghanischen

Präsidenten Ashraf Ghani in Usbekistans Hauptstadt Taschkent. Daran müssten sich alle politischen und ethnischen Gruppen beteiligen, einschließlich der militant-islamistischen Taliban. Lawrow sagte, die “schnelle Verschlechterung” der Sicherheitslage in Afghanistan sei auf die Unsicherheit zurückzuführen, die der Abzug der US- und NATO-Streitkräfte hinterlassen habe.

In Usbekistans Hauptstadt Taschkent berieten unter anderem die Außenminister Russlands, Kasachstans, Kirgistans, Tadschikistans, Turkmenistans und Usbekistans über die Lage in Afghanistan.

"GEFAHR FÜR DIE NACHBARLÄNDER"

Sergej Lawrow, russischer Außenminister:

„Die Krise in Afghanistan hat die terroristische Bedrohung verschärft und das Problem des illegalen Drogenhandels hat ein beispielloses Ausmaß erreicht. Es besteht die reale Gefahr, dass die Instabilität auf die Nachbarländer übergreift.“

Lawrow zeigte sich besorgt über den wachsenden Einfluss der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Afghanistan. Der russischen Staatsagentur Tass zufolge warnte er davor, dass das «Chaos» in dem Land auf Ex-Sowjetrepubliken in Zentralasien übergreifen könnte. Daran habe Moskau kein Interesse.

Der US-Sonderbeauftragte für Afghanistan Zalmay Khalilzad nannte das Tempo, mit dem Taliban-Kämpfer in den vergangenen Wochen der afghanischen Regierung Gelände abgenommen hätten, “unerwartet” - nach Medienberichten ("Hurriyet Daily News") gaben die Taliban kürzlich an, die Kontrolle über mehr als 85% Afghanistans übernommen zu haben.

Zalmay Khalilzad, US-Sonderbeauftragter für Afghanistan:

“Aber ich glaube, dass es trotz des Vorrückens der Taliban keine militärische Lösung gibt. Um den Krieg zu beenden, muss es eine politische Einigung geben. Die Vereinigten Staaten werden eine gewaltsam aufgezwungene Regierung nicht anerkennen.“

REUTERS: "FOTOGRAF GETÖTET"

Die Taliban hatten in Afghanistan zudem im Zuge ihrer jüngsten Offensiven seit Beginn des Abzugs der internationalen Truppen aus dem Land Grenzübergänge nach Tadschikistan, Turkmenistan, zum Iran und nach Pakistan erobert, durch die wichtige Handelsrouten verlaufen.

Beim Versuch afghanischer Regierungstruppen, einen Grenzübergang zu Pakistan zurückzuerobern, wurde laut Nachrichtenagentur Reuters einer ihrer Fotografen in der Region getötet – der Pulitzer-Preisträger Danish Siddiqui, der in die afghanischen Spezialeinheiten eingebunden war. Die Taliban hatten Anfang der Woche den Grenzübergang Spin Boldak überrollt.

Mitte April 2021 hatte US-Präsident Joe Biden den Abzug aller US-Streitkräfte aus Afghanistan - nach zwei Jahrzehnten - bis zum 11. September 2021 angekündigt. Die übrigen beteiligten NATO-Länder schlossen sich dem an.

su mit dpa, AP