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Kabul hungert: Geldumlauf zusammengebrochen

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Von Anelise Borges, su mit dpa
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Kabul hungert: Geldumlauf zusammengebrochen
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Seit Tagen wiederholen sich diese Szenen in der afghanischen Hauptstadt. Tausende Menschen stehen vor Banken Schlange, um Bargeld zu bekommen.

Anelise Borges, Euronews (Kabul):

"Sie warten auf eine Chance, 20.000 Afghani, etwa 200 Dollar, abzuheben. Die Summe haben die Taliban als Deckel festgelegt, weil es an harter Währung mangelt.

Viele Männer haben erzählt, dass sie Familie haben, einige sind Unternehmer und müssen ihren Angestellten Gehälter bezahlen, aber sie sagen, dass sie seit Tagen hierher kommen und nicht an Geld rankommen."

Männer auf Bargeldsuche:

"Ich bin das dritte Mal hier, drei Tage früh morgens ab 5:00 Uhr warten, bis 14:00 Uhr. Aber zwei Tage ich mein Geld nicht bekommen."

"Die meisten Leute haben nichts zu essen, weil ihr Geld auf der Bank liegt und die Banken das Geld gesperrt haben. Sie zahlen das Geld der Leute nicht aus. Da sind die Familien, es gibt Kinder, Frauen, Mädchen in Krankenhäusern, die kein Geld haben, um ihre Behandlungen zu bezahlen. Wir wissen nicht, an wen wir uns wenden können. Es gibt hier gerade keine Regierung. Die Taliban blockieren alles, überall. Eine kritische Situation."

Es gibt hier gerade keine Regierung
Mann aus Kabul

Anelise Borges, Euronews:

"Und wir warten immer noch darauf, wer genau dieses Land regieren wird. Die Taliban haben versprochen, eine Liste der Minister in der Regierung zu veröffentlichen, aber bisher haben wir keine Neuigkeiten über ein neues Regime erhalten. Es gibt Berichte über Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Gruppe, die diese Verzögerung erklären würden."

"Die Taliban wissen, dass sie schnell handeln müssen, um Anerkennung, aber auch Hilfe von der internationalen Gemeinschaft zu bekommen. Viele Länder sagen, dass sie gerade jetzt die Kommunikationskanäle mit der Gruppe offen halten. Gestern gab es hier in Kabul das erste Spitzen-Treffen der Taliban. Der UN-Nothilfekoordinator (UN Undersecretary General for Humanitarian Affairs) kam in die afghanische Hauptstadt, um das Engagement der Vereinten Nationen für dieses Land und für die Schwächsten hier in diesem Land zu bekräftigen und sagte, dass die Vereinten Nationen die afghanische Bevölkerung weiter unterstützen werden."

BERICHTE ÜBER REGIERUNGSBILDUNG

Nach Medienberichten ("dpa") sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid während einer Pressekonferenz am Montag zur Regierungsbildung, dass alle Entscheidungen getroffen worden seien. Nun gehe es noch um technische Fragen. "Wir hoffen, dass wir die Ankündigung der Regierung in den nächsten Nächten hören, auch wenn das genaue Datum noch nicht klar ist", so Mudschahid. Er deutete auch an, dass es sich möglicherweise um eine Übergangsregierung handeln könnte. Diese habe die Möglichkeit für Veränderungen und Reformen.

Anelise Borges, su mit dpa