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Bis zu 43.000 falsche Negativ-PCR-Tests: Privates Covid-Labor muss schließen

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Von Alexandra Leistner
Als Großbritannien im März seine Schulen wieder öffnete wurden Schüler täglich auf Covid getestet, wie hier in einer Schule in Manchester.
Als Großbritannien im März seine Schulen wieder öffnete wurden Schüler täglich auf Covid getestet, wie hier in einer Schule in Manchester.   -   Copyright  Jon Super/AP

Das britische Gesundheitsministerium hat am Freitag die Schließung eines privaten Covid-Testlabors anberaumt, nachdem zahlreiche Berichte von Personen bekanntwurden, die nach einem positiven Selbsttest negative PCR-Testergebnisse von dem Labor erhielten.

Man gehe den Vorgängen auf den Grund, bekannt sei aber bisher, dass ungefähr 400.000 Tests von dem Labor durchgeführt wurden. Davon sei ein überwiegender Teil negativ ausgefallen, die UK Health Security Agency schätze aber, dass rund 43.000 Menschen zwischen dem 8. September und dem 12. Oktober möglicherweise falsche negative PCR-Testergebnisse erhielten, wie aus einer Mitteilung hervorging. Die Getesteten stammten den Angaben nach vor allem aus dem Südwesten Englands.

"Es handelt sich um einen isolierten Vorfall, der einem Labor zugeschrieben wird, aber alle Proben werden jetzt an andere Labors weitergeleitet. Die Zahl der im Immensa-Labor durchgeführten Tests ist im Vergleich zum gesamten Netzwerk gering, und die Verfügbarkeit von Tests ist landesweit nicht beeinträchtigt", schreibt die Gesundheitsbehörde in einer Pressemitteilung.

Der Nationale Gesundheitsdienst (NHS) sei dabei die Menschen zu kontaktieren, die noch ansteckend sein könnten. Ihnen werde dann geraten, einen weiteren Test durchzuführen. Generell wird jeder Person in Großbritannien geraten bei Symptomen einer Infektion mit dem Coronavirus einen PCR-Test zu machen. Sollte ein Selbsttest (oder LFD-Test) positiv ausfallen, wird zudem geraten, das Ergebnis durch einen PCR-Test zu bestätigen.

Sowohl die Zahl positiv getesteter als auch die Zahl der an oder mit dem Coronavirus verstorbenen Menschen in Großbritannien war zuletzt gestiegen.

Am Mittwoch waren Abgeordneten in einem Bericht über das Pandemie-Management zu dem Schluss gekommen, dass die zögerliche Anordnung eines Lockdowns in Großbritannien tausende Menschen das Leben gekostet hat.

Die Verzögerung sei darauf zurückzuführen, dass britische Minister die Empfehlungen wissenschaftlicher Berater nicht hinterfragten, was zu einem gefährlichen "Gruppendenken" führte, das sie veranlasste, die in Ost- und Südostasien angewandten aggressiveren Strategien zur Eindämmung der Infektionen zu verwerfen, so der Bericht.

Erst als der britische Nationale Gesundheitsdienst durch den raschen Anstieg der Infektionen überfordert zu werden drohte, ordnete die konservative Regierung von Premierminister Boris Johnson Ende März 2020 schließlich einen Lockdown an.

Die Entscheidungen über die Abriegelung und die soziale Distanzierung in den ersten Wochen der Pandemie - und die Ratschläge, die dazu geführt haben - gehören zu den größten Fehlern, die die britische Regierung im Bereich der öffentlichen Gesundheit je erlebt hat", heißt es in dem gemeinsamen Bericht des Wissenschafts- und des Gesundheitsausschusses des Unterhauses. "So schmerzlich es auch ist, Großbritannien muss seine Lehren daraus ziehen, wenn wir sicherstellen wollen, dass sich so etwas nicht wiederholt."