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Neue Party-Vorwürfe gegen Boris Johnson: Fete im Mai für 100 Gäste

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Von Euronews  mit dpa
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Neue Party-Vorwürfe gegen Boris Johnson: Fete im Mai für 100 Gäste
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Angehörige von Corona-Opfern und die Opposition in Großbritannien sind empört über Berichte über eine Partyeinladung in der Downing Street trotz strenger Corona-Regeln. Dutzende Beschäftigte sowie Premierminister Boris Johnson und seine Frau sollen der Einladung per E-mail von Johnsons Büroleiter Martin Reynolds gefolgt sein und sich am 20. Mai 2020 im Garten des Amtssitzes getroffen haben.

Gesundheitsminister  Edward Argar sagte: "Wir haben 150.230 Menschen durch die Pandemie verloren. Daher kann ich gut verstehen, dass die Menschen verärgert sind. Deshalb hat der Premierminister ja eine unabhängige Untersuchung in die Wege geleitet, damit die Fakten ans Licht kommen."

Als die Party stattfand, durften sich eigentlich nur zwei Personen treffen. Die E-mail ging an gut 100.

Lindsay Jackson hat sich der Organisation "Gerechtigkeit für die Hinterbliebenen" angeschlossen. Ihre Mutter war an Covid-19 gestorben. Sie sagt: "Ich hatte sie gerade beerdigt. Ich konnte nicht bei ihr sein, als sie starb. Ich konnte ihre Hand nicht halten. Das schöne Wetter, von dem in dieser E-Mail die Rede ist,... da saß ich allein in meinem Garten und habe an meine Mutter gedacht. Meine Mutter war eine sehr beliebte Frau, Hunderte Menschen wären zu ihrer Beerdigung gekommen, Hunderte, die sich von ihr verabschieden wollten, aber wir waren nur sieben."

Die Londoner Polizei kündigte an, die Berichte zu prüfen. Auf bisherige Anzeigen wegen mutmaßlicher Feiern in der Downing Street hatte die Behörde nicht reagiert. Derweil wurden mehr als 2000 Menschen allein im Gerichtsbezirk Westminster strafrechtlich verfolgt, weil sie sich nicht an Lockdown- oder Quarantäne-Bestimmungen gehalten haben oder an Partys teilnahmen.

Wiederholt hatte Johnson trotz klarer Hinweise bestritten, dass in der Downing Street die Corona-Regeln gebrochen worden seien. Als ein internes Video aus dem Dezember 2020 zeigte, wie enge Mitarbeiter des Premiers über die Vertuschung einer Weihnachtsparty scherzten, betonte Johnson im Parlament: "Ich kann verstehen, wie wütend es macht zu denken, dass die Leute, die die Regeln festgelegt haben, die Regeln nicht befolgt haben, weil ich auch wütend war."

Nun könnten seine Worte aus dem Dezember 2021 für Johnson selbst Folgen haben. Die E-Mail seines Büroleiters sei die bisher schwerwiegendste Eskalation der "Partygate"-Affäre, schrieb das Online-Portal "Politico" am Dienstag. Die BBC-Reporterin Laura Kuenssberg kommentierte: "Es gibt kein Entkommen für No 10 vor den Party-Vorwürfen." Im Garten von Johnsons Amtssitz seien für Drinks, Chips und Wurströllchen lange Tische aufgebaut gewesen.

Damit ist Johnsons Hoffnung dahin, die Affäre, die zum Jahresende seine Beliebtheitswerte einbrechen ließ, 2022 endlich loszuwerden.