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Europa will Covid trotzen - mit Zuckerbrot und Peitsche

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Von su  mit AFP, EBU
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Europa will Covid trotzen - mit Zuckerbrot und Peitsche
Copyright  Lisa Leutner/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved

Europa lockert die Corona-Regeln, manchmal nicht ganz freiwillig und versucht gleichzeitig, auch mit Anreizen, auf hohe Impfraten zu kommen. Österreich macht es vor. 

ÖSTERREICH

Das österreichische Parlament hat für eine COVID-19-Impfpflicht für Erwachsene ab dem 1. Februar gestimmt, die erste ihrer Art in Europa – und Gegenstand zahlreicher Proteste. Das Parlament stimmte am Donnerstagabend mit 137 zu 33 Stimmen für den Erlass, der für alle Einwohner Österreichs ab 18 Jahren gelten soll. Ausgenommen sind Schwangere, Personen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, und Genesene der letzten sechs Monate. Offizielle Begündung: Die Impfraten in dem Alpenland seien zu niedrig.

Die Impfpflicht soll Anfang Februar in Kraft treten, die Durchsetzung Mitte März beginnen. Wer keinen Impfnachweis vorlegen kann, muss ab März zunächst mit einem Bußgeld von bis zu 600 Euro rechnen – daraus können bis zu 3.600 Euro werden.

Österreich meldete am Mittwoch fast 30.000 Neuinfektionen - ein Rekord.

Bundeskanzler Karl Nehammer hatte vor der Abstimmung ein „Anreiz- und Belohnungspaket“ angekündigt - mit finanziellen Anreizen für Kommunen und einer Impflotterie, bei der Gutscheine im Wert von 500 Euro zu gewinnen sind:

„Es wird nicht nur einen Anreiz für die Gemeinden geben, zu informieren, sondern auch tatsächlich eine Belohnung dafür, wie viele Menschen in der Gemeinde bereits geimpft wurden. Dadurch entsteht für die Kommunen, für die Städte ein echter Geldwert, ein Geldbetrag, den sie in ihre Gemeinde investieren können.“

FRANKREICH

Frankreich lockert angesichts seiner hohen Impfrate die Corona-Beschränkungen im Februar schrittweise,  verschärft aber noch vorher die Regeln für Ungeimpfte. Der neue Impfpass (nur Impfungen + Genesung, kein Test mehr) gilt ab Montag, 24. Januar. Er könnte ausgesetzt werden, wenn der Epidemiedruck für längere Zeit nachlässt. ABER: „Wir werden den Impfpass beibehalten, so lange wie nötig“, so Gesundheitsminister Olivier Véran.

Masken im Freien sind ab 2. Februar nicht mehr obligatorisch, laut Ministerpräsident Jean Castex. Gleichzeitig könnten die Kapazitätsbeschränkungen für Sport- und Kultureinrichtungen aufgehoben werden - sofern dort Maske getragen wird.Telearbeit sei ab dem 2. Februar nicht mehr Pflicht, so Jean Castex, wird aber weiter empfohlen. Am 16. Februar öffnen Diskotheken wieder, in Bars ist das Trinken wieder im Stehen möglich, ebenso wie Stehkonzerte.

Mehr als 1 Million Erwachsene in Frankreich hätten sich im vergangenen Monat ihre erste Dosis Covid-Impfstoff verpassen lassen, nach der Regierungsansage, ungeimpfte Personen aus allen Restaurants, Sportarenen und anderen Veranstaltungsorten auszuschließen, so der Regierungssprecher.

Gleichzeitig zog ein zweiter Lehrer-Streik gegen strenge, aber irgendwie chaotische Hygienevorschriften in der Schule viel weniger Demonstranten an als der erste. Dem Bildungsministerium zufolge haben sich am Donnerstag nur 1,15 Prozent der Grundschullehrer und 2,18 Prozent der Sekundarschullehrer angeschlossen und das genau eine Woche nach landesweiten Streiks, bei denen laut Gewerkschaften 75 Prozent der Grundschullehrer ihrem Posten ferngeblieben waren – das Bildungsministerium kam auf 38 Prozent.

Jugendliche von 12 bis 17 Jahren können sich ab Montag, 24 Januar, boostern lassen. Castex kündigte für Februar auch eine Lockerung der Masken- und Testregelungen an Schulen an - nach der Rückkehr aus den Februarferien

SCHWEDEN

Auch Schweden lockert die Quarantäneregeln. Und das nicht aus Übermut: Laut Schwedischer Zivilschutzbehörde könnte Personalmangel zu einem echten Problem werden - Schlüsselkräfte in Infrastrukturbereichen wie Strom-, Wärme-, Wasser- und Internet, sowie in den Rettungsdiensten könnten ganz von der Quarantäne ausgenommen werden - die Omikron-Variante kursiert derzeit im ganzen Land.

Mitarbeiter in Schlüsselpositionen im Gesundheitswesen und bei der Polizei sollen leichter zur Arbeit gehen können, so die Gesundheitsbehörde. Wer positiv getestet sei oder mit jemandem zusammenlebe, der positiv getestet wurde, müsse sich 5 statt zuvor 7 Tage isolieren, so das Gesundheitsamt. Einige wenige Schlüsselkräfte müssten überhaupt nicht in Quarantäne, wenn sie trotz Kontakt mit einer erkrankten Person keine Symptome haben.

Schweden meldete am Donnerstag einen neuen Tagesrekord an Covid-19-Fällen - 39.938 -, etwas mehr als am Vortag. Die tatsächliche Fallzahl dürfte wesentlich höher sein, da die nationale Testkapazität am Anschlag sei, so die Gesundheitsbehörde. Sie bat Menschen, die von zu Hause aus arbeiten können, sich nicht testen zu lassen, damit die, die an ihrem Arbeitsplatz sein müssen, weiter arbeiten können.

MOSKAU

Denn - wie die WHO gebetsmühlenartig wiederholt - die Pandemie ist noch lange nicht vorbei. Wegen Omikron meldete Moskau zum Beispiel einen starken Anstieg der Coronavirus-Fälle. Allein in der russischen Hauptstadt gab es in den letzten 24 Stunden 11.557 mehr Coronavirus-Fälle, nach 8.795 am Tag zuvor - ein Rekordwert seit Beginn der COVID-19-Pandemie.

Laut Gesundheitsbehörden ist auch die Zahl der täglichen landesweiten Neuinfektionen stark gestiegen - auf 38.850. Macht insgesamt 10.938.261 Fälle. Offizielle Stellen warnten, dass die landesweiten Infektionen 100.000 pro Tag übersteigen könnten, wenn das Virus nicht unter Kontrolle gebracht werde. 

Die Zahl der Omikron-Fälle in Russland hat sich innerhalb einer Woche mehr als verfünffacht.

su mit AFP, EBU