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Feiern trotz Krieg? Bilder, die Kopfschütteln verursachen werden

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Von Verena Schad
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Schunkeln, singen, jeck sein, obwohl in Europa ein Krieg ausgebrochen ist, russische Truppen in die Ukraine einmarschieren und es erste Berichte über Tote gibt? Geht das?

Nachvollziehbar ist es schon, dass sich die coronageplagten Karnevalisten seit Monaten darauf gefreut haben. Dass sie sich die Feierlaune aber so gar nicht verderben lassen wollen und den Karneval durchziehen als wäre nichts gewesen, finden viele befremdlich - selbst im Rheinland. Ganz zu schweigen von den Bildern, die Deutschland an dem Tag liefern wird, an dem nur zweieinhalb Flugstunden von Köln entfernt Bomben fallen.

"Für viele ist der Karneval wichtig" - Jecken ziehen ihren Straßenkarneval durch

Dennoch wurde am Donnerstag, an Weiberfastnacht, um 11:11 Uhr der deutsche Straßenkarneval offiziell eröffnet. Der parteilosen Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker war aber nicht zum Feiern zumute. "Ich feiere nicht", sagte sie im Kölner Rathaus und hielt dort eine Schweigeminute ab. Sie könne den Karneval und den Krieg nicht miteinander verbinden, aber für viele andere sei der Karneval wichtig.

Jede und jeder muss das für sich selbst entscheiden, ob das der richtige Augenblick ist zu feiern.
Henriette Reker, parteilosen Kölner Oberbürgermeisterin

Reker sagte, ihr sei klar, dass es "Bilder geben wird, die Kopfschütteln verursachen werden". Aber man könne und wolle den Karneval nicht absagen.

In den sozialen Netzwerken finden sich Bilder kostümierter Jecken, vor Kneipen sollen sich schon am Morgen lange Schlagen gebildet haben.

Medien spielen keine Karnevalslieder & Rosenmontagsumzug abgesagt

Der Westdeutsche Rundfunk hat entschieden, anders als sonst zum Karnevalsauftakt, sein Programm angesichts der aktuellen Lage zu ändern und weder Bilder vom Straßenkarneval zu zeigen noch Karnevalslieder zu spielen.

Das für Montag geplante Rosenmontagsfest mit einem Umzug im Rheinenergiestadion hat das Festkomitee Kölner Karneval abgesagt. Stattdessen soll eine Friedensdemonstration in der Kölner Innenstadt stattfinden.

An anderen Orten wurden ebenfalls Veranstaltungen wegen des Kriegs abgesagt, so etwa der Rathaussturm in Saarbrücken. Auch der Rathausssturm in Erfurt wurde abgesagt.

Doch der Straßenkarneval läuft bereits. Das Absagen mit so kurzem Vorlauf wäre rein organisatorisch gar nicht möglich, sagte das Festkomitee Kölner Karneval. "Und es wäre aus unserer Sicht auch das falsche Signal". Man wolle sich "die Grenzen des Frohsinns" nicht diktieren lassen.

Sicherlich gehe das Geschehen in der Ukraine nicht spurlos an den Karnevalisten vorüber. "Aber wir haben gerade auch in der jüngeren Vergangenheit gelernt, dass der Karneval in Krisenzeiten eine wichtige Funktion für die Menschen hat", teilte das Festkomitee mit. Sich die Grenzen des Frohsinns von einem Despoten diktieren zu lassen, entspreche nicht dem Gedanken des Karnevals.