Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Russische Soldaten-Mütter auf der verzweifelten Suche nach ihren Söhnen

Access to the comments Kommentare
Von Russische Redaktion Euronews
Gefangenenaustausch an der Demarkationslinie von Luhansk, 02.07.2021
Gefangenenaustausch an der Demarkationslinie von Luhansk, 02.07.2021   -   Copyright  AP Photo/Yevgen Honcharenko

Die Mütter von russischen Soldaten, die sich im sogenannten "Komitee der Soldatenmütter Russlands" organisieren, bitten um mehr Informationen zu Kriegsgefangenen in der Ukraine. Zuverlässige Daten über die Zahl russischer Kriegsgefangener in der Ukraine gibt es nämlich nicht.

Das ukrainische Verteidigungsministerium spricht von ganzen Gruppen von Soldaten, die sich entweder weigern zu kämpfen oder gezwungen wurden, ihre Waffen niederzulegen. Das russische Militär spricht hingegen von zahlreichen Gefangenen der ukrainischen Streitkräfte und "einigen russischen Militärangehörigen", die in Gefangenschaft geraten seien. Zugleich hat Moskau bestätigt, dass sich unter den gefangenen Russen sowohl Berufssoldaten als auch Wehrdienstpflichtige befinden.

In einem Interview mit Euronews beschrieb Antonina Aksenowa, stellvertretende Vorsitzende des Komitees der Soldatenmütter Russlands, wie sehr der Mangel an genaueren Informationen über die Soldaten die Familien belastet:

"Ich bin selbst Mutter eines gefallenen Soldaten und weiß besser als jede andere, wie schwer es ist, wenn man keine Informationen über den eigenen Sohn hat. Eine Mutter hat ihren zukünftigen Soldaten unter ihrem Herzen getragen, einen Mann groß gezogen. Und jetzt, in einer solchen Situation, keine Informationen zu bekommen, ist so schwer, dass ich es nicht in Worte fassen kann."

Eine Mutter hat ihren zukünftigen Soldaten unter ihrem Herzen getragen, einen Mann groß gezogen. Und jetzt, in einer solchen Situation, keine Informationen zu bekommen, ist so schwer, dass ich es nicht in Worte fassen kann.
Antonina Aksenowa
Stellvertretende Vorsitzende des Komitees der Soldatenmütter Russlands

Ich appelliere an diejenigen, die Müttern Informationen geben können. Bitte informieren Sie sie über ihre Söhne.

Keine Mutter weiß mit Sicherheit, ob ihr Sohn in Gefangenschaft oder bei der Armee ist - niemand weiß es. Und es ist wahrscheinlich, dass diejenigen, die gefangen genommen werden, nicht wissen, was vor sich geht. Bis die Mütter herausfinden, wo ihre Söhne sind, müssen sie in Erfahrung bringen, ob sie nicht unter den Verwundeten und Toten aufgeführt sind."

Aksenowa hatte den Müttern, die sich hilfesuchend an die Organisation gewandt hatten, gesagt: "Wenn es keine schlechten Informationen gibt, dann ist alles in Ordnung, dann sind sie am Leben und es geht ihnen gut, also macht euch keine Sorgen."

Nach ihren Aussagen wurden die Eltern von Soldaten während des Tschetschenienkriegs noch am selben oder nächsten Tag über den Tod informiert. Dennoch, so Aksenowa, leiden die Mütter der Soldaten unter der Unsicherheit:

"Vielleicht könnten das Militär, unsere Politiker und Friedensorganisationen den Informationsaustausch wieder aufnehmen, damit die Mütter wissen, wo ihre Söhne sind. Ohne geheime Informationen preiszugeben, ohne militärische Geheimnisse zu verraten - das wäre sehr gut."

"Wir würden humanitäre Hilfe sammeln, wir würden den Verwundeten in der Gefangenschaft helfen, aber wir haben überhaupt keine Informationen und können nicht helfen. Wir können nicht anders, als uns das Herz aus dem Leib zu reißen."

Wir können nicht anders, als uns das Herz aus dem Leib zu reißen.
Antonina Aksenowa
Stellvertretende Vorsitzende des Komitees der Soldatenmütter Russlands

"Schließlich gab es im Tschetschenienkrieg so viele Vermisste, so viele Gefangene. Jahrelang reisten Mütter auf der Suche nach ihren Kindern durch Tschetschenien. Dann wurden die Söhne anhand ihrer Knochen und DNA-Analysen identifiziert. Manchmal wurde Jahrzehnte später eine Übereinstimmung gefunden, und dann brachten die Mütter die Knochen nach Hause. Und ich will wirklich nicht, dass es jetzt genauso sein wird, dass die Mütter in den Schützengräben herumkriechen und ihre Söhne suchen, das will ich wirklich nicht!"

Das ukrainische Verteidigungsministerium hatte erklärt, dass es bereit sei, Kriegsgefangene ihren Müttern zu übergeben, wenn diese ihre Söhne in Kiew abholten. Aus der Ukraine wurde über den Start einer speziellen Website und die Eröffnung einer Hotline für Informationen über die Soldaten berichtet. Von russischer Seite gab es keine Bestätigung darüber, ob dieses Projekt einen humanitären Zweck verfolgt.

Moskau hingegen beschuldigt die ukrainischen Streitkräfte ob der unmenschlichen Behandlung von Gefangenen. Das Verteidigungsministerium spricht von Folter und Misshandlung, doch eine Bestätigung dieser Informationen durch Dritte gibt es nicht. Auch zu einem möglichen Gefangenenaustausch gibt es keine offiziellen Informationen.