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Mit Familienanschluss: Kronberger nehmen Kriegsflüchtlinge zuhause auf

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Von Verena Schad  mit afp
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Tanja Bilger hat drei Kriegsflüchtlinge bei sich zuhause aufgenommen
Tanja Bilger hat drei Kriegsflüchtlinge bei sich zuhause aufgenommen   -   Copyright  -Screenshot- AFP

Wie Katrin Bilger geht es im Moment vielen Menschen: Die Kriegsbilder aus der Ukraine lassen kaum jemanden kalt. Ihre neunjährige Tochter und ihr zehnjähriger Sohn fanden sie eines Tages weinend am Frühstückstisch, erzählt die 37-jährige alleinerziehende Mutter. 

Für die Familie war schnell klar, dass sie helfen will. Sie öffneten ihr Haus für Tanja Bila, ihre Mutter Svetlana und ihre Tochter Anastasia. "Als die Bombardierung anfingen, war das beängstigend, wir haben die ganze Nacht nicht geschlafen", sagt die 69-Jährige Svetlana Biler. "Uns wurde klar, dass wir gehen mussten, alles verlassen und gehen."

Erste Hilfe mit Familienanschluss

Die drei verließen die Ukraine in den ersten Kriegstagen und kamen nach einer mehrtägigen Reise nach Kronberg. Die 18.000 Einwohner-Stadt im Frankfurter Speckgürtel hat 400 Unterkünfte für ukrainische Kriegsflüchtlinge eingerichtet, rund 80 Menschen sind privat untergebracht.

Die Familien, die freiwillig Kriegsflüchtlinge bei sich zuhause aufnehmen, helfen oft auch bei Behördengängen. Sie kochen und essen gemeinsam, integerieren die Gäste in ihr Familien- und Alltagsleben. Eine große Hilfe für die oft traumatisierten Menschen und ein Sprungbrett für eine vielleicht nötig werdene Integration - denn niemand weiß momentan, ob und wann die Menschen in die Ukraine zurückkehren können.  

"Wir versuchen so viele zusätzliche Plätze wie möglich zu schaffen. Ich denke 50 bis 100 werden wir auf jeden Fall noch hinbekommen und dann müssen wir weitersehen", erklärt Bürgermeister Christoph König nach einer Kundgebung auf dem Marktplatz. Die Stadt veranstaltet regelmäßig Informationsveranstaltungen im Stadtzentrum, um die Einwohner:innen über die Situation zu informieren und Freiwillige zu gewinnen.

Die kleine Anastasia ist bereits in der Schule angemeldet. Ihre 40-jährige Mutter Tanja hat als Finanzspezialistin für ein deutsches Unternehmen in Kiew gearbeitet. "Wir wissen nicht wann und wohin wir zurückgehen. Ist unser Haus sicher? Wird es zerbombt, so dass wir kein zuhause mehr haben, wohin wir gehen können? Vielleicht müssen wir hier leben, die deutsche Sprache lernen und ein neues Leben an einem neuen Ort anfangen? Ich weiß es nicht. Wir haben gerade keine Ahnung."

Zwei von drei Ukrainer:innen in Privatwohnungen untergebracht

Viele der über drei Millionen Menschen, die aus der Ukraine geflohen sind, haben im benachbarten Polen Zuflucht gesucht. In Deutschland wurden bisher etwa 240.000 Ukrainer:innen bei den Behörden registriert. Aber die tatsächliche Zahl könnte noch viel höher sein, weil es an den deutschen EU-Grenzen keine offiziellen Kontrollen gibt.

Die deutsche Regierung rechnet schließlich mit bis zu einer Million Ukrainer:innen. Nach Angaben der Behörden werden etwa zwei von drei der bisher eingetroffenen Flüchtlinge in Privatwohnungen untergebracht.

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