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Eine von vielen Kriegsfolgen: Zerrissene Familien in Transkarpatien

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Von Zoltán Siposhegyi mit Euronews
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Zusammenführung nur auf Zeit: Ukrainische Familien in Ungarn
Zusammenführung nur auf Zeit: Ukrainische Familien in Ungarn   -   Copyright  screen grab Euronews

Seit dem Ersten Weltkrieg leben hunderttausende ungarischstämmige Menschen in der ukrainischen Oblast Transkarpatien, die an Ungarn, Rumänien und die Slowakei grenzt.

Dank der rechtskonservativen Fidesz-Regierung haben sie die ungarische Staatsbürgerschaft und konnten die Ukraine ohne Einschränkungen verlassen. Die meisten Männer haben sich abgesetzt, weil sie nicht im Donbas kämpfen wollten.

Jetzt arbeiten sie vor allem in Budapest und der näheren Umgebung. Aber sie können nicht nach Hause gehen - nicht einmal für einen Tag - weil ukrainische Soldaten die Straßen kontrollieren und Autos anhalten. Deserteuren drohen 12 Jahre Gefängnis.

Hass macht sich breit

Euronews.Korrespondent Zoltán Siposhegyi kommentierte vor Ort:"Zu Ostern waren die meisten Kirchen in der Ukraine voll, außer hier in den Unterkarpaten. Wir trafen eine ältere Frau, die sich beklagte, dass ihre Familie Angst hat, zurückzukehren, weil die Kiewer Regierung Deserteuren mit 12 Jahren Gefängnis droht. Sie sagte auch, dass die Einheimischen begonnen haben, die Ungarn zu hassen, wegen Orbans Freundschaft zu Putin."

Die einzige Möglichkeit für Familien, während der Ostertage zusammen zu sein, bestand also darin, dass Mütter und Töchter die Grenze überqueren, in Ungarn zusammen feiern und danach wieder nach Hause in die Unterkarpaten zurückkehren.

Imre Szabján ist Teamleiter beim Malteser Hilfsdienst in Ungarn: "Heute sind vor allem Mädchen und Frauen aus Berehovo und Umgebung gekommen. Es sind die Angehörigen der Männer, die vor dem Krieg geflohen sind. Sie haben sich seit Tagen oder gar Wochen nicht mehr gesehen. Und jetzt ist der Osterfeiertag eine gute Gelegenheit für die Familienzusammenführung."

"Ehefrau: Ich habe drauf bestanden"

Am Tag des Kriegsausbruchs stiegen Ibolya Mihók und ihre ganze Familie in ein Auto und flohen nach Ungarn. Die Mutter wollte schließlich mit den jüngeren Kindern aus Angst um ihr Haus zurückkehren.

Ibolya Mihók berichtete über den 24.Februar 2022, an dem sich für alles veränderte: "Am Morgen des 24. Februar weckte mich mein Sohn und sagte mir, ich solle schnell packen. Sein Freund, der in Kiew studierte, hatte ihm geschrieben, dass die Russen die Hauptstadt angegriffen hatten und er sofort nach Ungarn zurückkehren sollte. Also ist er gleich danach abgereist. Und mein Mann reiste am Nachmittag ab. Er wollte bleiben, aber ich habe darauf bestanden, dass er nicht zu Hause bleiben sollte."

Nach Ostern werden sich die ungarischen Familien wieder trennen. Die Männer glauben nicht, dass sie jemals nach Hause zurückkehren können, aus Angst, dass sie in der Ukraine als Verräter und Wehrdienstverweigerer behandelt werden.