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"Kein Embargo in der Kultur" - ukrainische und russische Künstler auf der Bühne des Sziget-Festivals

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Von Adam Magyar
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Unterstützung für die Ukraine beim Sziget-Festival
Unterstützung für die Ukraine beim Sziget-Festival   -   Copyright  Euronews

Es gilt mittlerweile als fester Bestandteil des ungarischen Sommers - das Sziget auf der Budapester Donauinsel. Doch war das Festival wohl noch nie so politisch wie in diesem Jahr: mit Bands aus der Ukraine, ausländischen Songs über den russischen Angriffskrieg und ukrainischen Musikfans im Publikum.

Oksana kommt aus Winnytzja, wo Dutzende ukrainische Zivilistinnen und Zivilisten vor einem Monat von russischen Raketen getötet wurden. Lange überlegte sie, ob ihr überhaupt nach Feiern und Musik zumute war.

Oksana meint, "am Anfang des Festivals habe ich mich nicht so gut gefühlt, es war nicht leicht, überall glückliche Menschen zu sehen. Denn die hatte ich schon seit langem nicht mehr im Blick."

Ukrainische Gäste sind keine Seltenheit auf europäischen Festivals. Russische schon eher.

Euronews-Reporter Adam Magyar erklärt, "Russen sind beim Sziget willkommen, nicht so wie woanders. Nichts beweist das mehr als die Tatsache, dass am Eingang die russische Flagge neben der ukrainischen hängt. Allerdings sind darüber nicht alle Gäste glücklich, wie diese Schrift zeigt, die sagt, Russland sei ein Terrorstaat."

Für den Veranstalter stand jedoch von Anfang an fest, dass Russen nicht ausgeschlossen werden sollten.

Tamás Kádár sagt, "wir glauben, dass es nicht klug oder elegant ist, in der Kulturbranche ein Embargo zu verhängen. Ich bemühe da gern eine Analogie. Sollten wir etw a die Bücher der Autorin Ljudmila Ulizkaja auf den Index stellen, nur weil sie Russin ist? Und das, obwohl es kaum russische Schriftsteller gibt, die mehr gegen das Establishment sind als sie, wenn man mich fragt."

Die ukrainischen Künstler auf dem Sziget sind damit jedoch nicht einverstanden. Ira erklärt, "in Estland, Großbritannien oder Rumänien wurden sie vorher alle ausgeladen. Überall, wo wir auftreten wollten, fragten wir, ob es auch russische Bands geben würde. Nein, wurde uns zugesichert, natürlich nicht. Hier ist es zum ersten Mal so, dass wir es nicht als Bedingung durchsetzen konnten, russische Künstler zu canceln."

Nach Meinung der Küsnterlin sind alle Russen für den Krieg verantwortlich. Absagen wollte sie dennoch nicht, um das Publikum auf die Lage in der Ukraine aufmerksam zu machen.

Andere ukrainischen Künstlerinnen flohen aus einer Stadt beim umkämpften Saporischschja Kernkraftwerk. Nachmittags spielten sie ein Drumset beim Sziget. Eine Künstlerin, die nicht genannt werden will, sagt: "In der Kulturbranche sollte Russland keinen Platz haben, weil es täglich Krieg führt."

Die bekannteste russische Künstlerin in diesem Jahr ist Nina Kraviz. Ihre Auftritte wurden fast überall abgesagt, weil sie sich nicht stark genug gegen Putins Krieg positioniert habe. Zu lautstarken Protesten beim Sziget kam es während ihres DJ-Sets aber nicht.