Russen fliehen vor Mobilmachung nach Istanbul

Eingezogene russische Soldaten
Eingezogene russische Soldaten Copyright AP / Archivo
Von Julika HerzogKristina Jovanovski
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Bei Lev Kamyshev in Istanbul. Hierhin ist der Russe geflohen, nur einen Tag nach der von Wladimir Putin angekündigten Teilmobilisierung.

Bei Lev Kamyshev in Istanbul. Hierhin ist der Russe geflohen, nur einen Tag nach der von Wladimir Putin angekündigten Teilmobilisierung. "Ich hatte Angst, ich war am Boden zerstört. Ich habe alles zurückgelassen, was ich hatte, jetzt bin ich innerlich leer" sagt Lev.

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Tausende Russen sind in die Türkei geflohen

Seine Reise nach Istanbul dauerte 26 Stunden. Er überquerte zuerst die Grenze nach Kasachstan - auf dem Landweg, aus Angst vor den russischen Kontrollen am Flughafen. "Ich wollte nur mein Leben retten. Natürlich finde ich das nicht fair, aber meine Regierung hat mir keine Wahl gelassen."Lev Kamyshev

Meine Regierung hat mir keine Wahl gelassen
Lev Kamyshev

Die Behörden in Istanbul schätzen, dass seit der Ankündigung der Teilmobilisierung etwa zehntausend Menschen aus Russland in die Stadt geflohen sind. In der türkischen Region Antalya sollen laut einem Beamten in den ersten Tagen nach Putins Ankündigung 1.800 Russen angekommen sein. Flüge aus Russland in die Türkei sind seit dem Einberufungsaufruf oft ausverkauft.

"Russen sollen Putin in Russland bekämpfen"

Einige EU-Länder wollen die Einreise für Russen deswegen erschweren, Kriegsdienstverweigerer seien in ihren Ländern nicht willkommen.

Litauens Außenminister sagt, sein Land würde, Zitat: "Menschen, die vor ihrer Verantwortung davonlaufen kein Asyl gewähren". Er twitterte, dass sie besser Putin in Russland bekämpfen sollten.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen sagte gegenüber Euronews, dass Asylsuchende unterstützt werden sollten, "egal wo und wer auch immer sie sind".

Asyl für Russen, die vor Militärdienst fliehen?

Lev hofft auf Asyl in Deutschland. Die deutsche Regierung hat bisher nicht auf die Anfrage von Euronews geantwortet, ob sie Männern, die vor dem russischen Militärdienst fliehen, Asyl gewähren würde.

"Wenn du bleibst und kämpfst, kannst du auch eingezogen werden. Oder du kannst direkt in einer Polizeiwache getötet werden", rechtfertigt sich Lew.

Nach dem Krieg will er nach Russland zurück:"Wir wollen am Ende des Krieges die Männer sein, die nicht geschossen haben. Wir werden zurückkommen. Wir werden ein neues Russland aufbauen und wir werden beim Wiederaufbau der Ukraine helfen."

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