Spritmangel in Frankreich: stundenlanges Warten für einen vollen Tank

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Von Euronews
In Flaschen abgefülltes Benzin
In Flaschen abgefülltes Benzin   -   Copyright  Aurelien Morissard/The AP

Wegen eines Streiks von Raffinerie-Personal herrscht an gut einem Viertel der Tankstellen in Frankreich Spritmangel. Autofahrer stehen stundenlang in Warteschlangen. Doch die Angestellten der französischen Raffinerie Donges, die zum Ölriesen Total Energies gehört, wollen ihren Streik weiter fortzusetzen.

"Wir haben die Ventile geöffnet, um die Stimmung zu entspannen, denn das Ziel ist nicht, die Franzosen zu spalten oder Spannungen zu schaffen, das Ziel ist jetzt, die Franzosen um eine gemeinsame Forderung zu versammeln", erklärt Fabien Privé Saint-Lanne, CGT Gewerkschaftsvertreter der Raffinerie Donges. "

"Wir verstehen die Menschen besser, weil wir im Gegensatz zu den Ministern und großen Firmenchefs mitten aus der Bevölkerung sind."

Aber die Menschen an den Zapfsäulen sehen das größtenteilweise anderes. Unfriede breitet sich im Land aus, an einigen Tankstellen kommt zu Rangeleien. Man sorgt sich, dass der Mangel trotz Intervention der Regierung bis zu den Herbstferien in einer Woche nicht behoben ist. 

An einigen Raffinerien wurde Personal von Paris aus zur Arbeit zwangsverpflichtet - prompt gab es daraufhin einen Aufruf zu einem branchenübergreifenden Streik an diesem Dienstag.

Viele sind auf das Auto angewiesen, so wie die 41-jährige Krankenschwester Aurelié Martin: "Wenn ich eine 7-Tage-Woche habe, dann brauche ich sicher jede Woche einen vollen Tank. Wenn ich ein paar Tage frei habe, kann er bis zu 10 Tage reichen. Jetzt fahre ich mit dem Auto das absolute Minimum."

Droht eine große Protestwelle?

Die hohen Preise in der Krise sind Aufhänger für Frankreichs Linkspartei, gegen die Regierung von Präsident Macron auf die Straße zu gehen. Parteichef Jean-Luc Mélenchon mobilisiert schon seit längerem für den "Marsch gegen das teure Leben und das Nichtstun in der Klimakrise". 

Am Sonntag werden in Paris Tausende Menschen zu einer Demonstration gegen die Regierung von Präsident Emmanuel Macron wegen der Inflation und steigender Preise erwartet. Mit über 100 Bussen sollen Demonstranten aus ganz Frankreich in die Hauptstadt gebracht werden.

Aufgrund milliardenschwerer Hilfen und eines Energiepreisdeckels ist die Inflation in Frankreich im Moment deutlich niedriger als in anderen europäischen Ländern. Gewerkschaften und Opposition konnten sich zudem nicht auf einen gemeinsamen Protest verständigen. Bereits Ende September hatten die Gewerkschaften zu einem landesweiten Streik- und Protesttag aufgerufen, der bislang auf mäßige Resonanz stieß.

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