Rückzug der russischen Streitkräfte aus Cherson - Kiew bleibt skeptisch

Russische Soldaten in Cherson, 7. März 2022
Russische Soldaten in Cherson, 7. März 2022 Copyright Olexandr Chornyi/AP Photo
Von Euronews
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Unter dem Druck ukrainischer Gegenoffensiven ziehen sich Russlands Truppen aus einem Teil der strategisch wichtigen Region Cherson zurück. Doch in Kiew ist man verhalten.

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Unter dem Druck ukrainischer Gegenoffensiven ziehen sich Russlands Truppen aus der Hauptstadt und weiteren Teilen des besetzten Gebiets Cherson zurück. Verteidigungsminister Sergej Schoigu ordnete am Mittwoch die Räumung des rechten Ufers des Flusses Dnipro an.

Seine Anordnung wurde im russischen Staatsfernsehen gezeigt. Mit dem Rückzug verliert Russland im Süden die Kontrolle über die einzige ukrainische Gebietshauptstadt, die es seit Beginn des Angriffskriegs Ende Februar eroberte.

"Das Leben und die Gesundheit der Soldaten der Russischen Föderation waren immer eine Priorität", sagte Schoigu zur Begründung. Der neue Kommandeur der russischen Truppen in der Ukraine, Sergej Surowikin, berichtete von zuletzt heftigem Beschuss der Ukrainer auf die Stadt Cherson und umliegende Ortschaften.

Russland hatte das Gebiet Cherson in den ersten Kriegswochen weitgehend besetzt und im September - ebenso wie die Regionen Saporischschja, Luhansk und Donezk - völkerrechtswidrig annektiert. Ungeachtet dessen kündigte die Ukraine immer wieder an, Stadt und Gebiet Cherson auch mithilfe westlicher Waffen befreien zu wollen.

Kiew ist weiterhin skeptisch

In den vergangenen Wochen gab es andauernde heftige Kämpfe. Mehrfach berichteten die Ukrainer von großen Zerstörungen und hohen Verlusten auf russischer Seite. Unabhängig konnte das oft zwar nicht überprüft werden. Zuletzt rechneten aber auch russische Militärblogger mit einem baldigen Rückzug der eigenen Truppen aus der Stadt Cherson.

In Kiew reagierte man verhalten auf die Ankündigung. Präsidentenberater Mychajlo Podoljak sagte, es sei noch zu früh, von einem Abzug zu sprechen. In der Gebietshauptstadt Cherson würden einige russische Truppen verbleiben, zudem ziehe Moskau Reserven zusammen.

Man sehe keine Anzeichen dafür, dass Russland Cherson ohne Kampf aufgibt. "Die Ukraine befreit Territorien, indem sie sich auf Aufklärungsdaten und nicht auf inszenierte TV-Ansagen verlässt", betonte Podoljak.

Rückzug wird als erneute Niederlage Moskaus gewertet

Auch Kommandeur Surowikin kündigte bereits im Oktober "schwierige Entscheidungen" in Cherson an, was von Beobachtern als Indiz für einen geplanten Abzug gedeutet wurde. Zudem brachten die russischen Besatzer eigenen Angaben zufolge Zehntausende Zivilisten aus der Stadt Cherson weg. Die Ukraine sprach von einer Verschleppung der Menschen.

Russland hat das Nachbarland Ukraine am 24. Februar überfallen. Seitdem mussten die russischen Truppen bereits mehrfach größere militärische Niederlagen einstecken. Als eines der aus Kreml-Sicht größten Debakel gilt der Rückzug aus dem ostukrainischen Gebiet Charkiw Mitte September.

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