Scharfe Internationale Kritik nach Hinrichtungen im Iran

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Von euronews  mit dpa
Der Prozess gegen die beiden Demonstranten endete mit einem Todesurteil.
Der Prozess gegen die beiden Demonstranten endete mit einem Todesurteil.   -  Copyright  IRINN vía AP

In London haben iranische Frauen demonstriert. Vor der National Gallery trugen sie Kostüme, die von dem Buch 'The Handmaid's Tale" - Der Report der Magd" inspiriert waren. Sie wollten auf die andauernden Proteste der Frauen gegen die Regierung in ihrem Heimatland aufmerksam machen.

Seit vier Monaten dauern diese Proteste jetzt an. Zuletzt wurden zwei weiteren Teilnehmer der regimekritischen Proteste hingerichtet. Wie die iranische Justizbehörde am Samstag bekanntgab, wurden die beiden Männer Mohammed-Mehdi K. und Sejed-Mohammed H. in den frühen Morgenstunden gehängt. Sie sollen während der systemkritischen Proteste im November für den Tod eines Sicherheitsbeamten verantwortlich gewesen sein, hieß es. 

Baerbock: "Menschenverachtendes Handeln"

International gab es scharfe Kritik. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock sagte, der Druck auf Theheran müsse erhöht werden. Mohammed-Mehdi K. und Sejed-Mohammed H. seien vom Regime erhängt worden, "weil sie sich dem brutalen und menschenverachtenden Handeln nicht unterwerfen wollten", so die Grünen-Politikerin. Dies seien zwei "weitere schreckliche Schicksale, die uns bestärken, mit der EU den Druck auf Teheran weiter zu erhöhen". Und die Sprecherin des Außenbeauftragten der Europäischen Union, Borrell, nannte das Vorgehen der iranischen Justiz verwerflich.

Iranische Aktivisten sagen, dass seit Beginn der Proteste mindestens 16 Menschen in nicht-öffentlichen Gerichtsprozessen zum Tode verurteilt wurde. 517 Demonstranten seien bei den Protesten getötet worden und über 19.200 wurden festgenommen. Eine unabhängige Überprüfung dieser Zahlen ist nicht möglich.

Auslöser der landesweiten Proteste im Iran war der Tod der iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini Mitte September. Sie starb in Polizeigewahrsam, nachdem sie von der sogenannten Sittenpolizei wegen Verstoßes gegen die islamischen Kleidungsvorschriften festgenommen worden war. Seither gibt es immer wieder Proteste gegen den repressiven Kurs der Regierung und das islamische Herrschaftssystem.

 Die jüngsten Sanktionen haben laut Experten die bereits akute Wirtschaftskrise und die Inflation noch weiter verschärft. Die nationale Währung Rial hat nach den Protesten über 25 Prozent an Wert verloren. Angesichts der Entwicklungen im Land ist kein Ende der Finanzkrise in Sicht. Einige Beobachter befürchten gar einen Wirtschaftskollaps in dem ölreichen Land.