Junge Frau stirbt an Sepsis: Proteste gegen polnisches Abtreibungsrecht

Menschen in ganz Polen demonstrieren gegen das strenge Abtreibungsrecht.
Menschen in ganz Polen demonstrieren gegen das strenge Abtreibungsrecht. Copyright Czarek Sokolowski/Copyright 2023 The AP. All rights reserved
Von Euronews
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In Polen ist eine Abtreibung nur in Fällen von Vergewaltigung und Inzest erlaubt oder, wenn das Leben oder die Gesundheit der Mutter in Gefahr ist. Doch im Mai starb eine junge Frau im fünften Schwangerschaftsmonat an einer Sepsis.

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Nach dem Tod einer jungen schwangeren Frau haben in Polen tausende Menschen ihre Wut über das strenge Abtreibungsgesetz auf den Straßen, landesweit, in Warschau und in anderen Städten.

In Polen ist eine Abtreibung nur in Fällen von Vergewaltigung und Inzest erlaubt oder, wenn das Leben oder die Gesundheit der Mutter in Gefahr ist.

Doch im Mai starb eine junge Frau im fünften Schwangerschaftsmonat an einer Sepsis, als die Ärzte nach dem Verlust des Fruchtwassers darauf warteten, dass der Fötus von selbst stirbt.

"Wir wollen Ärzte, keine Missionare"

In Warschau versammelten sich am Mittwoch viele Demonstranten im Stadtzentrum. Sie trugen Bilder der Verstorbenen und Plakate mit der Aufschrift "Wir wollen gebären, nicht sterben" und "Wir wollen Ärzte, keine Missionare". Proteste unter dem Motto "Keine weitere mehr. Hört auf, uns zu töten" gab es auch in Krakau, Posen (Poznan), Lodz und mehreren anderen Städten.

Die 33 Jahre alte Dorota starb im Krankenhaus im südpolnischen Nowy Targ am 24. Mai an einer Sepsis. Drei Tage zuvor war sie in der 20. Schwangerschaftswoche in die Klinik eingeliefert worden, nachdem das Fruchtwasser ausgelaufen war. Obwohl sich der Gesundheitszustand der Schwangeren ständig verschlechterte, blieben die Ärzte untätig.

Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall der 33-jährigen Dorota

Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft in dem Fall. Frauenorganisationen erheben schwere Vorwürfe gegen die behandelnden Ärzte. Demnach hätten diese wegen des strengen Abtreibungsgesetzes in Polen nicht gewagt, das Leben der Frau durch einen Schwangerschaftsabbruch zu retten. 2021 war in Polen nach einem umstrittenen Urteil des Verfassungsgerichts ein verschärftes Abtreibungsrecht in Kraft getreten. Seitdem dürfen Frauen auch dann keine Abtreibung vornehmen, wenn das ungeborene Kind schwere Fehlbildungen aufweist.

In den vergangenen Jahren hatte es in Polen mehrfach ähnliche Fälle gegeben, bei denen schwangere Frauen gestorben waren, nachdem sich die Ärzte trotz Komplikationen nicht für eine Abtreibung entschieden hatten.

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