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5. Krawallnacht in Frankreich - wieder 700 Verhaftete, 45.000 Polizisten im Einsatz

Im Einsatz waren in Frankreich wieder gut 45.000 Polizisten, unterstützt von Spezialtruppen.
Im Einsatz waren in Frankreich wieder gut 45.000 Polizisten, unterstützt von Spezialtruppen. Copyright Christophe Ena/Copyright 2023 The AP. All rights reserved.
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Von Sérgio Ferreira de Almeida
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In der fünften Krawallnacht in Frankreich gab es 719 Verhaftungen, 871 Brandherde auf öffentlichen Straßen wurde registriert, in der Nacht zuvor waren es noch 2560. 577 Autos brannten aus - nach 1350 am Vortag.

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Bei einem der schwersten Vorfälle rammten Randalierer mit einem Auto südlich von Paris das Haus eines Bürgermeisters und setzten es dann in Brand. Seine Frau und eines seiner beiden Kinder wurden auf der Flucht verletzt.

Der französische Innenminister sprach trotzdem von einer "ruhigeren Nacht" dank des entschlossenen Vorgehens der Polizei - im Einsatz waren wieder gut 45.000 Polizisten, unterstützt von Spezialtruppen, die sonst eher bei Terroranschlägen oder Großeinsätzen in Drogenkartellen gerufen werden. Brennpunkte waren Lyon, Grenoble und Marseille.

In Paris und den Voorten waren 7.000 Polizisten im Einsatz, darunter auch entlang der Touristenattraktion Champs Elysee, nachdem in den sozialen Medien dazu aufgerufen worden war, die Unruhen ins Zentrum der Hauptstadt zu tragen.

Es ist noch nicht vorbei

Der Pariser Polizeichef mahnte zur Vorsicht. Die Unruhen von 2005 hätten gezeigt, dass der Grad der Gewalt von Tag zu Tag unterschiedlich sein könne. Drei Wochen lang gab es damals nach dem Tod zweier von der Polizei verfolgten Jugendlichen heftige Unruhen. Frankreich stürzte in eine Krise mit Notstandsrecht und Ausgangssperren.

Präsident Emmanuel Macron wollte am Sonntagabend zusammen mit der Premierministerin und dem Justizminister Bilanz ziehen. Für Macron ist die Lage heikel: Kann er die Straßen befrieden und wieder Herr der Lage werden oder ist er ein Getriebener der Gewalt? 

Macron musste wegen der Krawalle den ab Sonntag geplanten Staatsbesuch in Deutschland absagen, den ersten seit 23 Jahren. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr durchkreuzt damit die innenpolitische Lage seine Pläne: Im Frühjahr wurde wegen der eskalierenden Proteste gegen Macrons Rentenreform schon der Besuch des britischen Königs Charles III. in Frankreich kurzfristig abgesagt.

Frankreich kennt gewalltätige Krisen

Wie 2018 bei Beginn der Gelbwesten-Proteste und im Frühjahr bei den Renten-Krawallen ist der Staatschef mit einer landesweiten Krise konfrontiert.

Einen Plan, wie man die zugrundeliegenden Probleme der Unruhen - darunter Perspektivlosigkeit, Armut, Kriminalität und Polizeigewalt - lösen könnte, hat Macron bislang nicht vorgelegt. Er scheint auf eine massive Polizeipräsenz und die Ermüdung der Demonstranten zu setzen.

Drastischere Schritte wie die Verhängung des Notstands oder eine weitgehende Ausgangssperre scheint Macron vermeiden zu wollen.

Spendenaktion von rechtsaussen für den Todesschützen

Auslöser der Unruhen war der Tod eines Jugendlichen durch den Schuss eines Polizisten. Der 17-Jährige war am Dienstag in Nanterre am Steuer eines Autos von einer Motorradstreife gestoppt worden. Als der junge Mann plötzlich anfuhr, fiel der tödliche Schuss aus der Dienstwaffe eines Polizisten. Die Beamten hatten zunächst angegeben, der Jugendliche habe sie überfahren wollen. 

Erst als sich von Medien verifizierte Videobilder des Vorfalls in den sozialen Netzwerken verbreiteten, rückten sie von dieser Darstellung und der angeblichen Tötungsabsicht des Jugendlichen ab. Der Polizist, der für seinen Tod verantwortlich gemacht wird, kam in Untersuchungshaft. Gegen ihn wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlags eingeleitet. 

Eine Spendenaktion für den Polizisten, der mutmaßlich einen 17-Jährigen im französischen Nanterre erschossen hat, hat bereits über 500 000 Euro gesammelt. Ziel ist die Unterstützung der Familie des Polizisten, "der seine Arbeit getan hat und nun einen hohen Preis zahlt", wie es in der Kampagne heißt. 

Der Spendentopf wurde von Jean Messiha, einem Unterstützer des rechtsextremen Politikers Éric Zemmour, eingerichtet.

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