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Migrationskrise im Mittelmeer: Dieses Jahr schon über 1000 Tote und Verschwundene

Regelmäßig kentern Boote mit Migranten auf dem Weg nach Europa auf dem Mittelmeer,
Regelmäßig kentern Boote mit Migranten auf dem Weg nach Europa auf dem Mittelmeer, Copyright Francisco Seco/Copyright 2022 The AP. All rights reserved
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Von Euronews
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Allein dieses Jahr sind auf der gefährlichen Mittelmeer-Route über 1000 Menschen gestorben oder verschwunden. Dennoch bleibt sie, auch wegen schärferer Maßnahmen an den Grenzen an Land, die am häufigsten genutzte Route nach Europa.

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Seit Anfang des Jahres haben über 1300 Menschen bei dem Versuch, Europa zu erreichen, ihr Leben verloren oder werden vermisst. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein.

Trotz der hohen Risiken ist es dieses Jahr schon bis Mitte Juni mehr als 75.000 Menschen gelungen, das Mittelmeer zu überqueren. Der Großteil davon kam in Italien, Spanien und Griechenland an.

Die betroffensten Länder verschärfen die Maßnahmen

Italien hat ein neues Migrationsgesetz eingeführt, dass den Schutzstatus begrenzt und die Handlungsfähigkeit der Rettungsschiffe im Mittelmeer einschränkt.

Spaniens historische Einigung mit Marokko hat das spanische Asylproblem nach Rabat verschoben, im vergangenen Jahr kam es danach in Melilla zu einem tragischen Vorfall, der 23 Menschenleben forderte.

Griechenland hat seine maritimen Grenzkontrollen deutlich verstärkt, mehrfach gab es Vorwürfe, dass dabei internationales Recht gebrochen werde.

Asylreform statt legaler Migrationsrouten

Die Forderungen nach legalen Migrationsrouten werden immer lauter, unter anderem von den Vereinten Nationen. In Brüssel hat man sich jedoch für einen anderen Weg entschieden: Im Juni einigte sich der EU-Rat auf eine viel kritisierte Migrations- und Asylreform, man sprach von einer "Modernisierung des Regelwerks für Asyl und Migration".

Das Mittelmeer ist nicht die einzige Außengrenze der EU. Auch an den Grenzen an Land wurde der Übergang deutlich erschwert: 2014 gab es an EU-Außengrenzen insgesamt 300 Kilometer Mauern und Stacheldrahtzaun, inzwischen sind es mehr als 2000.

Die Maßnahmen haben dazu geführt, dass fast alle Migrationsrouten weniger genutzt werden. Bis auf die gefährlichste: die Route übers Mittelmeer.

Mehr als die Hälfte aller, die es in den ersten fünf Monaten diesen Jahres nach Europa geschafft haben, kamen über diese Route.

Tunesien weigert sich, die Grenzpolizei der EU zu sein

Tunesien ist für viele Flüchtende der Startpunkt ihrer gefährlichen Reise über das Mittelmeer. Präsident Kais Saied wetterte in der Vergangenheit gegen Migrant:innen aus den Ländern südlich der Sahara, machte sie für Gewalt und Straftaten verantwortlich. Die Anzahl der rassistisch motivierten Angriffe in Tunesien hat zugenommen, genau wie der Strom an Flüchtenden, die das Land verlassen wollen.

Die EU hat Präsident Saied finanzielle Unterstützung versprochen, um gegen das Problem vorzugehen. Saied weigert sich bisher jedoch, als Grenzpolizei für die EU zu fungieren.

Eine politische Lösung lässt nach wie vor auf sich warten. Für die mehr als 27.000 Menschen, die seit 2014 im Mittelmeer gestorben oder verschwunden sind, käme sie schon jetzt zu spät.

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