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"Es wird immer schlimmer" - Leben afghanischer Frauen unter den Taliban

Der Alltag afghanischer Frauen hat sich seit der Machtübernahme der Taliban massiv verändert.
Der Alltag afghanischer Frauen hat sich seit der Machtübernahme der Taliban massiv verändert. Copyright Gemunu Amarasinghe/AP
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Von Anelise Borges
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Zwei Jahre sind seit der Übernahme Afghanistans durch die Taliban vergangen. Die Befürchtungen, was das neue Regime bringen würde, haben sich bestätigt, besonders für einen Teil der Bevölkerung. Der Alltag der Frauen hat sich massiv verändert.

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Zwei Jahre sind seit der Übernahme Afghanistans durch die Taliban vergangen. Die Befürchtungen, was das neue Regime bringen würde, haben sich bestätigt, besonders für einen Teil der Bevölkerung. Der Alltag der Frauen hat sich massiv verändert.

Euronews-Reporterin Anelise Borges hat mit einer Frau aus Kabul gesprochen, die als Schutz vor Konsequenzen unerkannt bleiben muss. Nicht nur sie, sondern Millionen Mädchen und Frauen im Land würden Trauer, Schmerz und viele Enttäuschungen erleben, vor allem die afghanischen Mädchen, sagt sie. 

"Sie leben mit der Sorge, was mit ihnen und der Zukunft geschehen wird. Sie stehen vor einer ungewissen Zukunft, weil den Frauen verschiedene Dinge nicht erlaubt sind, es gibt  Einschränkungen, und diese Verbote werden jeden Tag mehr und mehr. Es gab Verbote, dass sie nicht zur Schule gehen dürfen, dann zu Universitäten, sie dürfen nicht alleine auf Märkte gehen und nicht alleine ohne Begleitung reisen."

Bildungsverbot für Frauen hat die nachhaltigsten Auswirkungen

Die strengen Regeln würden genau vorschreiben, wie viele Kilometer man allein reisen darf. Will eine Frau von einer Provinz in eine andere reisen, müsse sie von ihrem Bruder oder Ehemann begleitet werden.

"Und es gibt eine Vorschrift, dass sie nicht auf dem Vordersitz des Autos sitzen dürfen. Sobald sie also in die Nähe eines Ortes kommen, müssen sie sich auf den Rücksitz des Autos setzen." 

Das Verbot von Bildung für Mädchen und Frauen gehört zu den Maßnahmen der Taliban, die aufgrund ihrer nachhaltigen Auswirkungen am meisten beunruhigen. Vor der Machtübernahme der Taliban waren mehr als 100.000 afghanische Frauen an öffentlichen oder privaten Universitäten in Afghanistan eingeschrieben.

Heute nutzen viele von ihnen Online-Angebote wie die der "University of the People", um ihre Ausbildung fortzusetzen. Die gemeinnützige Online-Uni mit Sitz in Pasadena, Kalifornien, ist anerkannt und akkreditiert. Der Präsident Shai Reshef sagt, dass die Zahl der Interessentinnen aus Afghanistan überwältigend war. Man habe das Angebot von 1.000 auf 2.000 Plätze erhöht. 

Ansturm auf Online-Universität

"Wir haben uns gesagt, dass wir 2.000 unterbringen können. Und es wurden immer mehr. Inzwischen haben sich 21.000 afghanische Frauen für ein Studium an der Universität beworben. Wir haben 2.500 von ihnen angenommen. Derzeit studieren also 2.500 Frauen an der University of the People. Und sie wünschen sich, dass wir noch mehr von ihnen aufnehmen können."

"Wir wissen nicht, wohin sich Afghanistan entwickeln wird", sagt der Universitätspräsident. "Und wir wissen nicht, wie Afghanistan in fünf, zehn Jahren aussehen wird. Aber wir und unsere Studenten sind der Meinung: Wenn es eine Chance für eine bessere Zukunft gibt, dann sollten wir den Menschen, die daran teilhaben wollen, diese Chance geben." 

Neben den Taliban sind afghanische Frauen noch mit vielen anderen Problemen konfrontiert, wenn sie weiter lernen wollen. Oft fehlt es an zuverlässigem Internet und Strom.

Während die Taliban sagen, dass sie 40 Jahre Konflikt beendet haben, fragen sich die Frauen, zu welchem Preis.

"Frieden bedeutet nicht nur die Abwesenheit von Krieg. Für mich bedeutet Frieden, dass man das Recht auf sein eigenes Ich hat, das Recht auf seine eigene Wahl", sagt die junge Frau aus Kabul. "Wir sind der Teil der Bevölkerung, der von der Gesellschaft ausgegrenzt wird, der in diesem Land keine Rechte hat. Die Situation ist nicht gut für uns, und sie wird von Tag zu Tag schlimmer."

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