Getreide-Streit: Polens Bauern glauben nicht an Regierungsversprechen

Sorgt für Unmut unter den Landwirten: die Ungewissheit über das Einfuhrverbot von ukrainschem Getreide
Sorgt für Unmut unter den Landwirten: die Ungewissheit über das Einfuhrverbot von ukrainschem Getreide Copyright Euronews
Von Magdalena Chodownik
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Es sorgt für Unmut unter Polens Landwirten: die Ungewissheit über das ukrainische Einfuhrverbot von Getreide. Vielen fehlt eine langfristige Lösung.

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Am 15. September läuft das europäische Einfuhrverbot für ukrainisches Getreide auf dem polnischen Markt aus. Polen wehrt sich vehement gegen die Aufhebung dieser Beschränkung, weil es Unzufriedenheit unter den Landwirten befürchtet - und im Oktober stehen Parlamentswahlen an.

"Es gibt Streit darüber, ob das Einfuhrverbot für ukrainisches Getreide am 15. September aufgehoben wird. Sie können erzählen, was sie wollen, die Regierung und die Europäische Kommission, wir wissen, dass ukrainisches Getreide reinkommt, aus technischen Gründen. Der Unterschied bei einer Tonne Weizen beträgt bis zu 200-300 Zloty pro Tonne, es gibt einfach zu viel ukrainisches Getreide in Polen, so dass unsere finanzielle Situation schlecht ist", erklärt Landwirt Andrzej Sobolewski aus Solinica.

Regierung: Einfuhrverbot notfalls im Alleingang

Die regierende Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) hat erklärt, notfalls im Alleingang das Einfuhrverbot bis Jahresende durchszusetzen. Der Parlamentsabgeordnete Ryszard Czarnecki (PiS) erklärt: "Glücklicherweise ist das kein Problem für die polnischen Landwirte, sondern ein Problem in den Beziehungen zwischen Polen und der Europäischen Kommission. Polnische Bauern werden durch nichts bedroht, denn wenn die EU das Einfuhrverbot nicht verlängert, wird es der polnische Staat tun."

Polen befördert derzeit ukrainisches Getreide, aber die Landwirte argumentieren, dass die Kapazität der Häfen nicht ausreicht, um polnisches und ukrainisches Getreide angemessen und rechtzeitig zu exportieren. Sie sagen, dass es einen Rückstau beim Verladen gibt. Vertreter des Danziger Hafens bestreiten dies:

"Wir haben rechtzeitig damit begonnen, unsere Infrastruktur anzupassen und zu verbessern. Wir haben zusätzliche Höfe für Fahrzeugstellplätze vorbereitet, so dass sowohl der Straßen- als auch der Schienenverkehr im Hafen reibungslos ablaufen wird. Die Betreiber geben an, dass sie noch über eine Kapazitätsreserve von insgesamt 300.000 Tonnen pro Monat verfügen", erklärt Kamil Tarczewski, zuständig für die Infrastruktur am Hafen von Danzig.

Landwirte zweifeln an Regierungsversprechen

Im Hinblick auf die anstehenden Wahlen am 15. Oktober fällt es den Landwirten schwer, Regierungsversprechen Glauben zu schenken.

"Denn was die Regierung vor den Wahlen sagt, betrachten wir Bauern als ein Jahr der Wunder - Wunder, dass sie uns alles versprechen können, für alles wird es Subventionen geben.... Das wollen wir nicht. Wir wollen nur keine Zentralisierung und Manipulation der Preise und der Lebensmittel", fügt Landwirt Andrzej Sobolewski hinzu.

Euronews-Korrespondentin Magdalena Chodownik fasst zusammen:

"Der Besitzer des Getreides hinter mir weiß nicht, für wieviel und wann er es verkaufen wir. Dennoch muss er bereits Investionen für das kommende Jahr tätigen. Und selbst ein weiteres, dreimonatiges Einfuhrverbot ist keine langfristige Lösung für die polnischen und ukrainischen Bauern."

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