Tunnel überschwemmt: Eurostar Zugverkehr durch Kanaltunnel eingestellt

Ein Passagier fotografiert auf dem Pariser Bahnhof Gare du Nord eine Informationstafel mit gestrichenen Eurostar-Zügen, 30. Dezember 2023.
Ein Passagier fotografiert auf dem Pariser Bahnhof Gare du Nord eine Informationstafel mit gestrichenen Eurostar-Zügen, 30. Dezember 2023. Copyright Aurelien Morissard/The AP
Von Christoph Debets mit AP, dpa
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Wegen überschwemmter Tunnel ist der Zugverkehr durch den Kanaltunnel eingestellt worden. In Deutschland befürchtet man, dass die aufgeweichten Dämme nachgeben könnten.

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Mehr als ein Dutzend Eurostar-Verbindungen sind am Samstag aufgrund einer Überschwemmung in einem britischen Eisenbahntunnel in der Nähe von London gestrichen worden. Dem Bahnbetreiber Southeastern Railway zufolge handelt es sich um zwei Tunnel, die beim Bahnhof Ebbsfleet in der Grafschaft Kent unter der Themse hindurchführen.

Auf der Hochgeschwindigkeitstrasse, die auch die Eurostar-Züge nutzen, werde den ganzen Samstag kein Zugverkehr möglich sein.

In der Wartehalle des Eurostar am Pariser Gare du Nord saßen Passagiere an einem der verkehrsreichsten Wochenenden des Jahres fest.

Die amerikanische Reisende Laura Hall meinte: „Was können Sie machen? Eigentlich können Sie gar nichts tun, wissen Sie? Wenn die einzige andere Möglichkeit wäre, zweieinhalb Stunden zu fahren und auf eine Fähre zu steigen oder zu fliegen. Ich weiß nicht...“

Deutschland: Angst vor Deichbruch

In Deutschland sorgen die Wasserstände einiger Flüsse für Besorgnis. In Niedersachsen, dem flächenmäßig zweitgrößten deutschen Bundesland, befanden sich einige Wasserstände der Weser noch über der höchsten Meldestufe, wie aus einem Lagebericht des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) von Samstagmorgen hervorgeht.

Für die Leine, Aller sowie Ober- und Mittelweser gebe es eine Warnung vor großem Hochwasser, hieß es weiter. Allerdings werde am Samstag kein neuer Regen in der Hochwassergebieten des Bundeslandes erwartet, teilte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auf Nachfrage mit. Auch im Süden Sachsen-Anhalts an der Grenze zu Thüringen bleibt die Lage angespannt.

Eine Sprecherin des Lagezentrums in Niedersachsen teilte am Morgen mit, dass die Hochwassersituation in Niedersachsen insgesamt stagniere. Einige Sprecher, wie vom Lagezentrum Göttingen, sprachen von einer sich entspannenden Situation. Es sei trocken geblieben, daher gehe man davon aus, dass sich die Lage beruhige und Pegelstände sinken.

Antilopen und Giraffen im Trockenen

Im Serengeti-Park im niedersächsischen Hodenhagen hat sich die kritische Hochwasserlage leicht entspannt. Pumpen auf dem Gelände hätten es geschafft, große Wassermengen hinter den Deich Richtung Meiße zu drücken, sagte eine Sprecherin des Freizeitparks nördlich von Hannover. Auch im Tierhaus der Antilopen und Giraffen sei das Wasser merklich gesunken und wieder aus dem Gebäude hinausgeflossen. Weite Teile des Geländes sind nach Parkangaben aber nach wie vor überflutet und teilweise gar nicht zu erreichen. In dem Park leben unter anderem Löwen, Nashörner, Tiger und Elefanten.

In Sachsen-Anhalt mehr Regen als erwartet

Dort stiegen die Wasserstände in einigen Flüssen durch Regenfälle wieder an. Die schauerartigen Niederschläge seien stärker ausgefallen als zunächst prognostiziert, teilte der Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) mit. Weil die Böden bereits gesättigt seien, habe dies in einigen Bereichen zu ansteigenden Wasserständen geführt.

In der besonders vom Hochwasser betroffenen niedersächsischen Stadt Meppen sind die Pegelstände minimal gesunken, wie es in einer Mitteilung der Stadt hieß. Mehrfach mussten Menschen aus Autos und Häusern gerettet werden. Zudem wurden unter anderem ein Campingplatz und ein Seniorenheim evakuiert.

In Lilienthal bei Bremen können Hunderte Menschen weiterhin nicht in ihre Häuser. Rund 500 Menschen seien in den betroffenen Gebieten gemeldet, sagte eine Gemeindesprecherin. Wann sie zurück in ihre Häuser könnten, sei noch nicht absehbar.

Elb-Pegel in Dresden sinkt

Derweil geht das Hochwasser der Elbe in Sachsen weiter zurück. Am Pegel Dresden wurde am Samstagmorgen ein Wasserstand von 5,30 Meter gemessen. Einen Tag zuvor waren es noch 5,92 Meter gewesen. Normal sind rund 2 Meter. In der Landeshauptstadt galt ebenso wie in Schöna an der tschechischen Grenze sowie flussabwärts in Riesa noch die Alarmstufe 2. Die Hydrologen rechnen mit weiter sinkenden Wasserständen. Für die übrigen Flussgebiete in Sachsen gab es keine Hochwasserwarnungen mehr.

Das Technische Hilfswerk (THW) stellte sich auf einen Einsatz in den Hochwasser-Gebieten bis in die erste Januar-Woche hinein ein. „Es ist ganz klar, dass das über den Jahreswechsel andauern wird“, sagte THW-Präsidentin Sabine Lackner der Deutschen Presse-Agentur. „Was uns hoch besorgt, ist der Zustand der Deiche.“ Sie seien massiv aufgeweicht. Täglich seien etwa 1000 Einsatzkräfte in den betroffenen Gebieten unterwegs.

Die Stadt Celle appellierte an Menschen, Sperrungen ernst zu nehmen und nur in die Stadt zu reisen, wenn es unbedingt notwendig sei. „Durch wachsenden «Hochwassertourismus» und Verkehr werden Rettungskräfte vielerorts am Durchkommen gehindert.“ Zahlreiche Landkreise appellierten erneut, Deiche nicht zu betreten.

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