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"Überall riecht es nach Blut" - "Als hätten Zombies uns attackiert", sagt Augenzeuge aus Iran

Menschen nehmen an einer Kundgebung zur Unterstützung der iranischen Proteste gegen die Regierung in Yalova, Türkei, teil
Menschen nehmen an einer Kundgebung zur Unterstützung der iranischen Proteste gegen die Regierung in Yalova, Türkei, teil Copyright  AP Photo
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Von یورونیوز فارسی
Zuerst veröffentlicht am
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Augenzeugen, mit denen Euronews gesprochen hat, berichten von der Niederschlagung der Proteste in Iran und von ihren persönlichen Erfahrungen und Eindrücken in diesen bitteren Tagen.

Im Iran haben die Behörden der Islamischen Republik nach Beginn der Proteste alle Telefonleitungen sowie das internationale Internet gesperrt. Dieser komplette Zusammenbruch Kommunikation erfolgte gleichzeitig mit der gewaltsamen Niederschlagung der Demonstrationen. Nach einigen Tagen war es eingeschränkt wieder möglich, aus dem Iran anzurufen, Fotos, auf denen unzählige Tote zu sehen waren, gelangten ins Ausland.

Einige Nachrichtenquellen schätzen die Zahl der bei den Protesten getöteten Menschen auf mehr als 12.000. Das politische und religiöse Oberhaupt der Islamischen Republik, Ali Khamenei, räumte in seiner Rede am Samstag ein, dass bei den jüngsten Protesten mehrere tausend Menschen getötet wurden. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte einen iranischen Beamten, der von mindestens 5.000 getöteten Menschen sprach.

Viele Iraner und Iranerinnen im Ausland waren tagelang besorgt, schließlich gelang es vielen, Angehörige oder Freunde in Iran zu erreichen.

Arham (Name geändert), der in Europa lebt, berichtet in einem Gespräch mit Euronews, von einem Telefonat mit seiner Schwester. Eine enge Angehörige sei von den Sicherheitskräften beschossen worden. Dabei habe die Frau gar nicht an der Kundgebung teilgenommen, sie geriet zunächst mit ihrem Kind ins Tränengas, als sie ihren Laden schloss.

Er zitiert seine Schwester mit den Worten, ein Geschoss habe die Stirn und die Brust der Frau getroffen, und sie wurde ins Krankenhaus gebracht und operiert. Es sei nicht klar, ob die Frau das Krankenhaus verlassen dürfe.

"Während der Proteste wurde ein enger Freund von mir, der an einer Protestkundgebung in der Gegend von Narmak teilnahm, angeschossen, aber wir haben keine Neuigkeiten von ihm und die Suche seiner Familie nach ihm blieb erfolglos“, sagt Arham.

"Alle sind traurig, es geht uns allen schlecht"

In einer Tonaufnahme, die er Euronews von einem Telefongespräch mit seiner Schwester zur Verfügung gestellt hat, hören wir: "Alle Menschen sind traurig, sobald man jemanden trifft, hat man Tränen in den Augen, die Dinge werden schlimmer, die Menschen leben anscheinend normal, aber es ist, als ob wir von Zombies angegriffen würden.“

Augenzeugen berichten von erschütternden Szenen aus einem Krankenhaus, überall habe es nach Blut gerochen. "Vor meinen Augen starben drei Mädchen im Teenageralter - von 16 bis 17 Jahren - nach Schussverletzungen“.

Immer wieder wiederholen die Menschen aus Iran am Telefon diesen einen Satz: "Es geht uns allen schlecht."

Die Islamische Republik Iran verlangt von vielen Familien enorme Summen als Gegenleistung für die Übergabe der Leichen, die ihnen zur Beerdigung übergeben werden sollten. Arham sagt, viele Iraner sammeln Geld, damit sie den Menschen in Teheran helfen können, die Leichen zu erhalten.

Die Proteste hatten im Dezember, als die Geschäftsleute im Basar von Teheran streikten und ihre Läden schlossen, um gegen die schwierige wirtschaftliche Lage in Iran zu protestieren. Die Demonstrationen gegen die Regierung breiteten sich von der Hauptstadt schnell auf andere Städte aus.

In einer Rede erklärte der Oberste Geistliche Ali Khamenei, die Demonstranten zu Agitatoren und rief zur Niederschlagung der Proteste auf. Bilder aus dem Iran zeigen Kühlhäuser wie in Kahrizak, zu denen die Leichen der Getöteten gebracht wurden.

Unter den Getöteten ist eine große Anzahl von Teenagern im Alter von 15 und 16 Jahren. Das harte Vorgehen stieß bei Menschenrechtsorganisationen auf heftige Kritik. Viele internationale Regierungen verurteilten das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte. Australien schloss aus Protest gegen die Tötungen seine Botschaft im Iran.

Nach Angaben der Islamischen Republik Iran haben sich Terroristen unter die Menge der Demonstranten gemischt und sind für die Tötungen verantwortlich. Mehrere irakische Beamte haben allerdings laut CNN berichtet, dass fast 5.000 Mitglieder von Haschd al-Schaabi, einer vom Iran unterstützten irakischen Miliz, zur Niederschlagung der Proteste mit 60 Bussen und als Pilger getarnt in den Iran gereist sind.

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