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"Widerwärtiger Charakter": Irans Außenminister schießt gegen Merz

Irans Außenminister Abbas Araghchi findet harte Worte für Bundeskanzler Friedrich Merz.
Irans Außenminister Abbas Araghchi findet harte Worte für Bundeskanzler Friedrich Merz. Copyright  AP Photo
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Während Bundeskanzler Friedrich Merz auf Durchreise in den Golfstaaten ist, greift Irans Außenminister ihn hart an. Auf der Plattform X bedauerte er unter anderem, dass Merz Deutschlands Kanzler sein und warf ihm einen "widerwärtigen Charakter" vor.

Der iranische Außenminister Abbas Araghchi hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) scharf kritisiert. Auf der Plattform X bezeichnete er Deutschland als "Motor des Rückschritts" und warf dem Kanzler "politische Naivität" sowie einen "widerwärtigen Charakter" vor.

Merz befindet sich derzeit auf einer Reise durch mehrere Golfstaaten, darunter Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate. Ziel der Reise sind Gespräche über Energiepartnerschaften, Investitionen und eine vertiefte sicherheitspolitische Zusammenarbeit. Zugleich kündigte der Kanzler an, die Bundesregierung wolle künftig einen weniger restriktiven Kurs bei Rüstungsexporten verfolgen.

In einem Beitrag auf X erklärte Merz, die Kooperation mit den Golfstaaten solle auch dazu beitragen, "den Frieden in der Region zu fördern". Zugleich äußerte er sich kritisch zur Lage im Iran. Die Gewalt müsse ein Ende haben, schrieb der Kanzler, und fügte hinzu: "Wir sind bereit, den Druck weiter zu erhöhen und Gespräche aufzunehmen, um das iranische Atomprogramm rasch zu beenden."

Deutschland inzwischen "Motor des Rückschritts"

Araghchi reagierte darauf mit scharfen Worten. "Deutschland war einst der Motor des Fortschritts in Europa, jetzt ist es zu einem Motor des Rückschritts geworden", schrieb der iranische Chefdiplomat. Er bezog sich dabei unter anderem auf die Rolle der sogenannten E3-Staaten – Deutschland, Frankreich und Großbritannien – in den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm.

Hintergrund ist die seit Jahren festgefahrene Debatte um das internationale Atomabkommen mit dem Iran. Das Abkommen von 2015 sollte das iranische Atomprogramm begrenzen und im Gegenzug Sanktionen aufheben. Nach dem Ausstieg der USA im Jahr 2018 und der schrittweisen Abkehr Teherans von seinen Verpflichtungen bemühen sich die europäischen Vertragsparteien bislang erfolglos um eine Wiederbelebung des Deals.

Araghchi warf Merz zudem vor, ein verzerrtes Bild der Lage im Iran zu zeichnen. "Wir Iraner haben leider mehrere andere Beispiele für Merz’ politische Naivität und seinen widerwärtigen Charakter erlebt", schrieb er.

Der Kanzler träume davon, dass der Iran kurz vor dem Zusammenbruch stehe. Zudem kritisierte der Außenminister Merz’ Haltung im Zusammenhang mit dem Krieg zwischen Israel und Iran im vergangenen Jahr. "Als Israel im Juni 2025 mehr als 1.000 Iraner tötete, zeigte er sich überschwänglich", schrieb Araghchi.

Araghchi: "bedauerlich, dass Merz Deutschland auf der Weltbühne vertritt"

Zugleich bemühte sich der iranische Außenminister, zwischen Deutschland als Staat und dessen aktueller Regierung zu unterscheiden. Die Deutschen seien ein "großartiges Volk", das mit harter Arbeit und Innovationskraft einen Beitrag zur Menschheit geleistet habe.

Der Iran stehe engen Beziehungen zu Deutschland grundsätzlich offen gegenüber. Umso bedauerlicher sei es jedoch, "dass nun eine Person wie Herr Merz Deutschland auf der Weltbühne vertritt". Abschließend äußerte Araghchi die Hoffnung auf eine "reifere und ehrenhaftere politische Führung" in Berlin.

Es ist nicht das erste Mal, dass das iranische Außenministerium Kritik an Friedrich Merz übt. Vergangene Woche wurde der deutsche Botschafter in Teheran, Axel Dittmann, vom Außenministerium einbestellt.

Grund dafür waren auch hier Aussagen des Bundeskanzlers Friedrich Merz. Der Generaldirektor des iranischen Außenministerium, Aliresa Yussefi, warf ihm nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur (IRNA) eine "verantwortungslose Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Iran" vor.

Auch nachdem die Iranischen Revolutionsgarden von der EU als Terrororganisation eingestuft wurde, bestellte Iran die EU-Botschafter erneut ein und holte zum Gegenschlag aus. Nun gilt auch die Bundeswehr im Iran als Terrororganisation.

Spannungen zwischen Iran und die Golfstaaten

Die scharfe Kritik aus Teheran fällt in eine Phase vorsichtiger Annäherung zwischen dem Iran und mehreren Golfstaaten. Nach Jahren offener Rivalität, insbesondere mit Saudi-Arabien, nahmen Teheran und Riad 2023 mit chinesischer Vermittlung wieder diplomatische Beziehungen auf.

Auch zu den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar hat der Iran seine Kontakte zuletzt ausgebaut, vor allem in wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragen.

Gleichzeitig bleiben die Beziehungen von Misstrauen geprägt, etwa mit Blick auf Irans regionalen Einfluss, sein Raketenprogramm und die Unterstützung verbündeter Milizen. Die Golfstaaten suchen daher zunehmend den Ausgleich zwischen Dialog mit Teheran und enger Zusammenarbeit mit westlichen Partnern - ein Spannungsfeld, das auch die aktuelle Reise des deutschen Kanzlers widerspiegelt.

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