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Live. Münchner Sicherheitskonferenz: Fünf EU-Staaten machen Kreml für Navalnys Vergiftung verantwortlich

Ukraine's President Volodymyr Zelenskyy addresses the audience during a session at the Munich Security Conference in Munich, Germany, Saturday, Feb. 14, 2026.
Ukraine's President Volodymyr Zelenskyy addresses the audience during a session at the Munich Security Conference in Munich, Germany, Saturday, Feb. 14, 2026. Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die Stimmung bei der Münchner Sicherheitskonferenz bleibt auch am zweiten Tag angespannt. Neben dem offiziellen sicherheitspolitischen Gipfel im Bayerischen Hof ist München in diesen Tagen auch eine Bühne für zahlreiche Demonstrationen.

Der zweite Tag der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) 2026 ist in vollem Gange. Thema des Tages ist vor allem die transatlantische Partnerschaft.

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Zudem geht es um ein umfassenderes globales Sicherheitsverständnis, das nicht nur von den USA und Europa, sondern auch von China und Vertretern der Europäischen Union geprägt wird. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Krieg in der Ukraine sowie auf der künftigen Ausrichtung der europäischen Verteidigungspolitik.

Aufatmen im Saal nach Rubios Rede

US-Außenminister Marco Rubio betonte in seiner Ansprache, dass die Vereinigten Staaten und Europa untrennbar miteinander verbunden seien. Beide Seiten seien Teil einer gemeinsamen Zivilisation und durch enge historische wie kulturelle Beziehungen verknüpft. Zugleich machte Rubio deutlich, dass Präsident Donald Trump auf Gegenseitigkeit setze. Sollten die Erwartungen nicht erfüllt werden, seien die USA bereit, ihren künftigen Kurs notfalls eigenständig zu verfolgen.

Gleichzeitig widersprach Rubio Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): Er sagte, man habe sich "getäuscht", "den freien, unregulierten Handel umarmt" und sich einem angeblichen "Klimakult" verschrieben. Die USA und Europa hätten ihre Türen für eine "Welle der Massenmigration" geöffnet und "gemeinsam Fehler" gemacht.

Während Rubios Rede war Merz nicht im Saal anwesend. Am Freitag hatte Merz in seiner Rede vor einer zunehmenden Abschottung der Weltmärkte gewarnt. Handelshemmnisse und Strafzölle seien kein geeignetes Mittel, um wirtschaftliche oder geopolitische Konflikte zu lösen.

Der deutsche Vizekanzler Lars Klingbeil zeigte sich nach Rubios Rede zwar von dessen verbindlicher und diplomatischer Tonlage beeindruckt, betonte aber, dass dies kein Grund sei, sich zufrieden zurückzulehnen. Es gebe weiterhin viele offene Differenzen im transatlantischen Verhältnis, die angegangen werden müssten.

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, ließ erkennen, dass Rubios Auftritt im Saal spürbar für Erleichterung sorgte – insbesondere im Kontrast zur wesentlich schärferen Wortwahl des US-Vizepräsidenten im Jahr zuvor.

Vor der Rede Rubios hatte Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Europäischen Kommission, betont, dass der "EU-Gemeinschaftsverteidigung klares Leben eingehaucht werden" müsse.

Von der Leyen forderte am Samstag zudem NATO-Chef Mark Rutte direkt heraus, der zuvor angedeutet hatte, Europa könne weiterhin "träumen", wenn es darum gehe, seine eigene Sicherheit unabhängiger zu gewährleisten. Sie erklärte, dass die Sicherheitslage auf dem Kontinent weitaus differenzierter sei, und rief die europäischen Führungskräfte dazu auf, die gegenseitigen Verteidigungsverpflichtungen innerhalb der EU voranzutreiben.

"Ich glaube, es ist an der Zeit, die gegenseitige Verteidigungsklausel Europas in die Tat umzusetzen", so von der Leyen. "Gegenseitige Verteidigung ist für die EU keine Option, sondern eine Verpflichtung."

Großbritanniens Premierminister Keir Starmer stellte klar, dass Europa seine "Hard Power" stärken müsse – also sowohl militärisch als auch politisch robust auftreten solle.

"Navalny vergiftet": Vorwurf von 5 EU-Staaten gegen Moskau

Die Außenministerien von Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Schweden und den Niederlanden teilten am Samstag mit, dass die Analyse von Proben des russischen Oppositionspolitikers Alexei Navalny, der vor zwei Jahren gestorben ist, "zweifelsfrei das Vorhandensein von Epibatidin" bestätigt habe. Dabei handelt es sich um ein Gift, das in Pfeilgiftfröschen Südamerikas vorkommt.

Die Länder erklärten, dass "nur der russische Staat über die Kombination aus Mitteln, Motiv und Missachtung des Völkerrechts verfügte", um den Anschlag durchzuführen.

Navalny kämpfte gegen Korruption und den Kreml und war einer der schärfsten Kritiker sowie größten Herausforderer von Präsident Wladimir Putin. Er starb im Februar 2024 in einem Straflager in der Arktis. Seine Witwe Yulia Navalnaya berichtete im vergangenen Jahr, dass zwei unabhängige Labore bestätigt hätten, dass ihr Mann vor seinem Tod vergiftet wurde.

Russische Behörden weisen jegliches Fehlverhalten zurück.

Yulia Navalnaya, Menschenrechtsaktivistin und Ehefrau des russischen Oppositionsführers Alexei Navalny, gab am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz am Samstag, den 14. Februar 2026, eine Presseerklärung zum Tod und den Umständen des Todes ihres Mannes ab.

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Große Demonstration auf der Theresienwiese

Auf der Münchner Theresienwiese protestieren derzeit rund 80.000 Menschen gegen das iranische Regime. Ein Polizeisprecher berichtete von einem weiterhin hohen Zulauf zu der Veranstaltung. Viele Demonstrierende tragen iranische Flaggen, einige halten Porträts von Reza Pahlavi, dem Sohn des letzten Schahs von Persien.

Die Demonstration unter dem Motto "Menschenrechte und Freiheit für Iran. Internationale Solidarität mit dem iranischen Volk" wird vom Verein The Munich Circle organisiert. Zeitgleich finden Großkundgebungen in Toronto und Los Angeles statt, wobei Menschen weltweit dazu aufgerufen wurden, gegen die iranische Führung zu protestieren. Im Iran selbst hatten zum Jahreswechsel wochenlange Massenproteste stattgefunden, die gewaltsam unterdrückt wurden. Bis zu 30.000 Menschen sollen dabei getötet worden sein.

Auch der in den USA lebende Sohn des 1979 gestürzten iranischen Schahs, Reza Pahlavi, rief über soziale Medien zu dem Protest auf. Er selbst ist Gast der Sicherheitskonferenz. Vor Ort forderte Pahlavi US-Präsident Donald Trump auf, dem iranischen Volk beizustehen. "Es ist Zeit, die Islamische Republik zu beenden", sagte Pahlavi heute am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. Nur eine "schnelle Intervention" könne dazu beitragen, weitere Menschenleben zu retten und die Sicherheit in der Region zu stärken.

Es gehe ihm um einen demokratischen Prozess. "Ich strebe keinen Titel an und will mir keine Krone aufsetzen", erklärte Pahlavi.

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Drei Wünsche des Selenskyj

Selenskyjs Rede bestand aus drei Kernpunkten:

  1. Die westlichen Partner dürfen die Ukraine bei der Luftverteidigung nicht im Stich lassen. Russland greife täglich weiterhin mit Raketen, Gleitbomben und Drohnen an, während der Nachschub für die Luftabwehrsysteme weitgehend erschöpft sei. Häufig würden dringend erwartete Flugkörper erst kurz vor neuen Angriffswellen geliefert. Selenskyj dankte ausdrücklich Deutschland, Norwegen und den Niederlanden für ihren Einsatz in diesem Bereich.
  2. Der Druck auf Russland müsse weiter verstärkt werden, unter anderem durch die Lieferung neuer Waffensysteme. Russland verliere an der Front monatlich 30.000 bis 35.000 Soldaten, während es etwa 40.000 neue Soldaten mobilisiere – von denen jedoch nicht alle an die Front kämen. Ziel sei es, die Kosten für Russland weiter zu erhöhen. Sollten die Verluste auf 50.000 Soldaten pro Monat steigen, werde auch Kreml-Chef Putin den Krieg nicht mehr lange aufrechterhalten können.
  3. Der Westen dürfe sich von Putin nicht täuschen lassen. Zwar gebe der Kreml-Chef vor, friedensbereit zu sein, doch man solle ihm das nicht glauben, da er seinen imperialen Ambitionen treu bliebe. Es sei illusorisch zu erwarten, dass Gebietsabtretungen der Ukraine einen dauerhaften Frieden sichern könnten. Ähnlich wie das Münchner Abkommen von 1938, als die Tschechoslowakei das Sudetenland an Deutschland abtrat und der Zweite Weltkrieg dennoch nicht verhindert wurde, würden auch heutige Zugeständnisse die eigentlichen Ziele Putins nicht stoppen. Russland reagiere nur auf Stärke.

Zum Abschluss sprach sich Selenskyj erneut für eine Aufnahme der Ukraine in die NATO aus. "Es wäre nicht sinnvoll, die stärkste Armee Europas außerhalb der Allianz zu belassen", betonte er und forderte, dass diese Entscheidung nicht Putin überlassen wird. Zugleich bietet er an, die im Krieg gewonnenen Erfahrungen mit den europäischen Partnern zu teilen: "Unsere Drohnen-Expertise kann auch euch zugutekommen."

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Selenskij: "Großer Fehler, dass Europa nicht am Verhandlungstisch sitzt"

Selenskyj erklärte in seiner Rede, dass es ein "großer Fehler" sei, dass Europa nicht am Verhandlungstisch sitzt.

"Wir Ukrainer versuchen, Europa vollständig in den Prozess einzubinden", sagte er, damit Europas Interessen und Stimme berücksichtigt werden, und weil "Frieden nur auf klaren Sicherheitsgarantien aufgebaut werden kann", für die Europa voraussichtlich den Hauptanteil tragen werde.

Nächste Woche wird die Ukraine an einer weiteren Runde der Friedensgespräche mit den USA und Russland teilnehmen. Der ukrainische Präsident hofft, dass diese Gespräche "ernsthaft" und "hilfreich" sein werden. Zugleich stellte er fest, dass es oft den Anschein habe, als würden die verschiedenen Seiten "über völlig unterschiedliche Dinge sprechen".

"Die Amerikaner kommen häufig wieder auf das Thema Zugeständnisse zurück, und diese Zugeständnisse werden zu oft nur im Kontext der Ukraine diskutiert", so Selenskyj weiter.

"Die Ukraine wird alles tun, um diese Verhandlungen erfolgreich zu machen. Wir haben in diesen Prozess investiert", fügte er hinzu und betonte, dass er "ständig in Kontakt" mit dem amerikanischen Team stehe.

"Die Ukraine will, dass das Ergebnis all dieser Bemühungen echte Sicherheit bringt und Frieden, echten Frieden."

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Selenskyj: "Ukraine stärker als Russland machen"

Auf die Frage nach seinen Erwartungen für 2026 beziehungsweise die nächsten sechs Monate antwortete Selenskyj, dass ihn derzeit vor allem "morgen und übermorgen" beschäftige.

Er erklärte, dass die Ukraine die Friedensgespräche fortsetzen werde, idealerweise mit Beteiligung weiterer europäischer Staats- und Regierungschefs.

Außerdem betonte er, dass er weiterhin für den EU-Beitritt der Ukraine eintreten werde, auch wenn einige EU-Führungskräfte seine wiederholten Bitten um ein klares Datum offenbar nicht unterstützen.

Ohne eine klare Zusage werde Putin alles daran setzen, den Beitrittsprozess zu behindern – "durch seine Hände oder die Hände einiger kleiner Länder" – eine Anspielung, die als erneute Spitze gegen Orbáns Ungarn verstanden werden kann.

Selenskyj zeigte sich dankbar für die anhaltende Unterstützung, fügte jedoch hinzu: "Wir können unser Leben nicht allein dadurch retten, dass wir danke sagen", da die Ukraine starke Sicherheitsgarantien benötigt, um nach dem Krieg geschützt zu sein.

Er unterstrich, dass Einigkeit entscheidend sei und die Rolle der USA "wichtig", da sie die Aufgabe hätten, die Ukraine stärker als Russland zu machen.

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Selenskij beschreibt Folgen der russischen Dauerangriffe

Der ukrainische Präsident erläutert nun, wie schwierig es ist, in einem fast vierjährigen Krieg die Aufmerksamkeit der Welt auf das Schicksal seines Landes zu lenken. Selenskyj zeigt dem Publikum die verheerenden Auswirkungen der brutalen Angriffe der russischen Armee auf ukrainische Städte. Auf den Bildschirmen werden Zahlen eingeblendet: Im Januar 2026 setzte Moskau über 6000 Drohnen, 158 Marschflugkörper und rund 5500 Gleitbomben gegen die Ukraine ein.

Der wichtigste Schutz gegen die russischen Angriffe sei die Einheit Europas. Putin versuche, diese Geschlossenheit zu untergraben, doch das dürfe ihm nicht gelingen.

Selenskyj fordert die Europäer erneut auf, härter gegen die Schattenflotte von Öltankern vorzugehen, die Schmuggel betreiben und das Kreml-Regime finanziell stärken. Würden die Europäer – ähnlich wie die USA – mehr dieser Schiffe stoppen, würden Moskau die Mittel für den Krieg ausgehen.

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Live-Blog Münchner Sicherheitskonferenz - Tag 2

Willkommen zum zweiten Tag der Münchner Sicherheitskonferenz! Hier lesen Sie Informationen über aktuelle Ansprachen, Reaktionen und Geschehnisse rund um das internationale Treffen.

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