Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Klimakrise treibt Preise: Teurer Lammbraten zeigt Kosten an Ostern

Ein Lamm steht auf einer Wiese in Neuseeland.
Ein Lamm steht auf einer Weide in Neuseeland. Copyright  Bill Fairs via Unsplash.
Copyright Bill Fairs via Unsplash.
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Klimawandel treibt Extremwetter an. Für Bäuerinnen und Bauern ist das inzwischen die größte Herausforderung. Gleichzeitig klettert der Preis für Lammfleisch weiter.

Millionen Europäer bereiten sich auf den traditionellen Lammbraten zu Ostern vor. Gleichzeitig schlagen Landwirte wegen explodierender Preise Alarm.

WERBUNG
WERBUNG

Eine neue Auswertung von Zero Carbon Analytics für die Energy and Climate Intelligence Unit (ECIU) zeigt: Seit 2022 haben aufeinanderfolgende Klimaschocks die Lammpreise im Vereinigten Königreich jedes Mal um sieben bis 21 Prozent nach oben getrieben.

Die Untersuchung warnt: Für die rund zweieinhalb Millionen britischen Haushalte, die regelmäßig Lamm essen, summierten sich die Mehrkosten der vergangenen drei Jahre auf 168 Pfund (rund 192,64 Euro).

Auch auf dem europäischen Festland sind die Fleischpreise stark gestiegen, in einigen Ländern sogar um mehr als 20 Prozent. Nach Daten von Eurostat verteuerten sich Lebensmittel insgesamt im vergangenen Jahr um gut drei Prozent – etwas stärker als die durchschnittliche Inflationsrate der EU von rund zweieinhalb Prozent.

Lammfleisch wurde mit einem Anstieg von gut sieben Prozent zu einem der Lebensmittel mit den stärksten Preisaufschlägen in Europa. Schokolade, eine weitere Oster-Spezialität, verzeichnete sogar den größten Sprung – denn extremes Wetter gefährdet zunehmend die Zukunft der Kakaoproduktion.

Lammpreise schießen in die Höhe

„Wenn Familien und Gemeinden an diesem Osterfest zusammenkommen, spüren sie die Kosten der Klimakrise direkt am Esstisch“, sagt Chris Jaccarini, Analyst beim ECIU (Quelle auf Englisch) für die Bereiche Land, Ernährung und Landwirtschaft.

„Die Lammpreise sind durch die Decke gegangen, nachdem Dürren, extreme Hitze und Starkregen die Produktionskosten der Landwirte in die Höhe getrieben haben. Das Gras wächst schlechter, und die ohnehin knappen Heuvorräte, auf die sie angewiesen sind, hatten keine Zeit, sich zu erholen.“

Die vom Menschen verursachte Erderwärmung lässt Extremwetter häufiger und heftiger auftreten. Mit jedem Grad Celsius mehr kann die Luft etwa sieben Prozent mehr Feuchtigkeit aufnehmen; das führt zu intensiveren und stärkeren Regenfällen.

Die Analyse errechnete, dass die starken Regenfälle im Winter 2023/2024 den Preis eines Lammbratens zu Ostern 2024 um zusätzliche fünf Pfund (5,73 Euro) erhöhten und zu Ostern 2025 noch einmal sieben Pfund (8,03 Euro) drauflegen.

Fachleute sehen darin ein Warnsignal: Selbst in einem gemäßigten, wohlhabenden Land mit hoch entwickelter Landwirtschaft können Extremwetterlagen „erstaunlich dauerhafte Preiseffekte“ hinterlassen.

„Hier in Westwales ist extremes Wetter unsere größte Herausforderung“, sagt Jack Cockburn, Schafhalter in Ceredigion.

„Wir hatten jetzt zwei sehr nasse Winter in Folge. Die Böden sind durchnässt, es ist oft dicht bewölkt, das Licht fehlt – das Gras wächst kaum. Die Folge: Die Lämmer gehen mit geringerem Gewicht zum Schlachthof, und pro Tier bleibt weniger Fleisch übrig.“

Ostermenü: Gehört Lamm noch dazu?

Weltweit stehen Ernährung und Landwirtschaft für rund ein Drittel der gesamten Treibhausgasemissionen – direkt nach der Verbrennung fossiler Energieträger.

In der EU stammen 81 bis 86 Prozent der Emissionen aus der Lebensmittelproduktion aus tierischen Produkten, sie liefern jedoch nur 21 Prozent der Kalorien und 64 Prozent des Proteins.

Lamm gilt dabei seit Langem als einer der größten Umweltsünder im Ernährungssektor – und trägt zu genau den Bedingungen bei, unter denen die Landwirte heute leiden.

Nach dem CO2-Rechner CO2 Everything (Quelle auf Englisch) entspricht eine Portion Lamm von 100 Gramm einer Autofahrt von rund 30 Kilometern und verursacht fast sechs Kilogramm CO2-Äquivalente.

Der wegweisende EAT-Lancet-Bericht von 2025, erarbeitet von 70 führenden Fachleuten aus 35 Ländern, kommt zu dem Ergebnis: Die landwirtschaftlichen Emissionen ließen sich um 15 Prozent senken, wenn die Welt mehrheitlich auf pflanzliche Kost umstellt. Eine solche Ernährungswende könnte zudem rund 15 Millionen Todesfälle pro Jahr verhindern, so die Forschenden.

Tierschutzorganisationen kritisieren seit Langem Europas Appetit auf Lammfleisch. Die Tiere werden meist im Alter von vier bis acht Monaten geschlachtet.

Eurostat zufolge wurden allein zwischen März und April des vergangenen Jahres 153.863 Lämmer aus anderen europäischen Ländern nach Italien importiert. Auf sie warten lange Transporte von bis zu 30 Stunden, häufig in engen, überfüllten Transportern.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Italien setzt auf Kohle, EU-Staaten wappnen sich mit Erneuerbaren im Iran-Krieg

Iran-Krieg trifft Europas Bauern – regenerative Höfe sahen die Krise kommen

Klimakrise treibt Preise: Teurer Lammbraten zeigt Kosten an Ostern