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Jenseits von Nvidia: Europas erfolgreichste KI-Aktien 2026

Der Nvidia-Chef Jensen Huang hält am Montag, dem 1. Juni 2026, auf der Computex 2026 in Taipeh, Taiwan, eine Rede.
Nvidia-Chef Jensen Huang spricht auf der Computex 2026 in Taipeh, Taiwan, am Montag, dem ersten Juni 2026. Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Piero Cingari
Zuerst veröffentlicht am
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Europa hat zwar kein eigenes Nvidia, beherbergt aber einige der weltweit stärksten KI-Aktien. Infrastruktur-Anbieter von Lasern bis zu Servern erzielten 2026 Kursgewinne von bis zu 2.200 %.

Für die meisten Anleger steht Nvidia zusammen mit Micron, AMD und Broadcom sinnbildlich für den KI-Boom. Doch die Lieferkette für künstliche Intelligenz reicht weit über das Silicon Valley hinaus.

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In ganz Europa sind bislang wenig beachtete Unternehmen, die zentrale Hardware für KI-Rechenzentren liefern, zu einigen der größten Börsengewinner des Jahres 2026 aufgestiegen.

Europas KI-Potenzial

Europa hat bislang keinen KI-Konzern von der Größenordnung Nvidia, Microsoft oder OpenAI hervorgebracht. Dafür entsteht ein wachsendes Ökosystem von Firmen, die die Infrastruktur liefern, ohne die künstliche Intelligenz nicht funktioniert: Laser, die Daten zwischen GPUs übertragen, Substrate, die Hochleistungschips verbinden, Server zum Trainieren der Modelle und Testsysteme, die Prozessoren prüfen, bevor sie das Werk verlassen.

Mit den steigenden Investitionen in KI-Rechenzentren sind diese Unternehmen leise zu einigen der größten Börsengewinner weltweit geworden. Mehrere Aktien haben sich in diesem Jahr um ein Vielfaches verteuert, eine legte sogar um mehr als 2.200 % zu.

Nicht alle Kursgewinne lassen sich mit den aktuellen Gewinnen begründen. Einige Unternehmen schreiben weiter Verluste, andere werden vor allem auf Basis künftiger KI-Nachfrage bewertet, nicht nach heutigen Umsätzen. Anleger setzen faktisch darauf, dass die Investitionen in KI-Infrastruktur rasant weiterwachsen.

Das folgende Ranking zeigt die zehn europäischen KI-Aktien mit den bislang stärksten Kurszuwächsen des Jahres 2026.

DiePlatzierungen beruhen auf der Kursentwicklung seit Jahresbeginn. Berücksichtigt wurden Unternehmen, bei denen ein wesentlicher Teil der Investmentstory mit KI-Infrastruktur, Halbleiterfertigung, Photonik, Netzwerktechnik, Servern oder verwandten Technologien verknüpft ist. Werte mit zu geringer Liquidität blieben außen vor.

10. Nokia: Comeback als KI-Netzwerkausrüster

Die Aktie von Nokia Oyj liegt seit Jahresbeginn 159,51 % im Plus. Viele denken noch immer an die Handys, die der Konzern vor mehr als einem Jahrzehnt verkauft hat. Heute entwickelt der finnische Konzern jedoch vor allem Technik für optische Übertragung und IP-Netze – und genau diese Produkte werden in KI-Rechenzentren zum Nadelöhr, in denen gewaltige Datenmengen per Glasfaser zwischen den Racks hin- und herfließen.

Der Wendepunkt war eine strategische Bestätigung: Im Oktober 2025 beteiligte sich Nvidia mit rund 1 Mrd. $ (0,87 Mrd. €) am Unternehmen, verbunden mit einer gemeinsam entwickelten Partnerschaft.

Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz von Nokia um vier Prozent auf 4,5 Mrd. €. Das Geschäft mit KI- und Cloud-Kunden legte jedoch im Jahresvergleich um 49 % zu und steht inzwischen für rund acht Prozent des Konzerns. In dem Quartal verbuchte Nokia Neuaufträge aus diesen Bereichen von rund 1 Mrd. €.

Die Sparte Optical Networks wuchs um 20 %. Das Management hob seine Jahresprognose für das Geschäft mit Netzwerkinfrastruktur auf ein Wachstum von zwölf bis 14 Prozent an.

9. ams-OSRAM: Lichtkonzern erfindet sich mit KI-Photonik neu

Die österreichisch-deutsche ams-OSRAM AG hat 2026 um 175 % zugelegt, weil Anleger den Strategiewechsel hin zu KI-gestützter Photonik honorieren.

Der Konzern entwickelt hochentwickelte Sensoren, Bildgebungs- und optische Technologien, mit denen Maschinen ihre Umgebung erkennen und mit der realen Welt interagieren können.

Im Mai schloss das Unternehmen mit einem führenden KI-Photonik-Kunden eine Entwicklungsvereinbarung, um optische Verbindungen für KI-Rechenzentren zur Marktreife zu bringen. Zugleich weitet es sein Geschäft auf Komponenten für KI-gestützte Datenbrillen aus.

Die Wende zeigt Wirkung: Im ersten Quartal 2026 stieg der Halbleiterumsatz im Jahresvergleich um neun Prozent. Das stärkt das Vertrauen in die wachsende Rolle des Unternehmens im Ökosystem der KI-Infrastruktur.

8. Technoprobe: Testsysteme für die Chips hinter der KI

Die italienische Technoprobe S.p.A. liegt 2026 bislang 184,26 % im Plus. Das Unternehmen gilt als weltweit führend bei sogenannten Probe Cards – präzisen Schnittstellen, mit denen Chips getestet werden, bevor sie ausgeliefert werden – und prüft unter anderem Prozessoren der Art, wie sie Nvidia und AMD fertigen.

Die starke Nachfrage nach Tests für KI-Chips treibt die Neubewertung an der Börse.

Im Gesamtjahr 2025 stieg der Umsatz um 16 % auf 628 Mio. €. Das erste Halbjahr 2025 wuchs um 35 %. Für das erste Quartal 2026 meldete Technoprobe mit rund 187 Mio. € einen neuen Rekordwert, ein Plus von 19 % gegenüber dem Vorjahr – und zog damit seine Drei-Jahres-Ziele um ein volles Jahr vor.

Bank of America stufte die Aktie im Mai auf „Kaufen“ hoch und verwies auf das Gewinnwachstum im Geschäft mit Grafikprozessoren.

7. Raspberry Pi Holdings: Edge-KI-Liebling oder Meme-Aktie?

Die in Cambridge ansässige Raspberry Pi Holdings plc liegt 198,63 % im Plus. Das Unternehmen verkauft günstige Einplatinencomputer, die bei Bastlern beliebt sind und zunehmend auch in der Industrie und im Edge-Computing eingesetzt werden.

Der Höhenflug speist sich aus einer Mischung aus echter Nachfrage nach Edge-KI – die eigenen Halbleiterchips verkaufen sich inzwischen besser als die Boards – und einem Hype in sozialen Medien um KI-Agenten, die auf günstigen, dauerhaft laufenden Rechnern installiert werden.

Im Jahr 2025 stieg der Umsatz um 25 % auf 323,2 Mio. $ (281 Mio. €), der Vorsteuergewinn legte um 63 % auf 26,5 Mio. $ (23 Mio. €) zu. Die Investmentbank Jefferies erhöhte ihre Umsatzprognose für 2026 um 42 % auf 511 Mio. $ (445 Mio. €).

Mehrere Analysten warnen jedoch, die Kursrally weise typische Meme-Aktien-Merkmale auf: Die Papiere werden mit dem rund 50-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt.

6. STMicroelectronics: Halbleiterriese entdeckt das Rechenzentrum

STMicroelectronics hat 2026 bislang 204,28 % gewonnen und ist mit großem Abstand das größte Unternehmen in dieser Liste. Der in der Schweiz ansässige Halbleiterkonzern produziert Leistungschips, Mikrocontroller und Sensoren und drängt verstärkt in optische Produkte vor, die KI-Server miteinander verbinden.

Auslöser ist ein strategischer Schwenk in Richtung Rechenzentren. Im Februar schloss STMicroelectronics mit Amazon Web Services einen mehrjährigen Milliardenvertrag zur Lieferung von Recheninfrastruktur für Cloud- und KI-Anwendungen. Der Konzern rechnet 2026 mit Rechenzentrumsumsätzen von deutlich über 500 Mio. $ (435 Mio. €) und 2027 mit mehr als 1 Mrd. $ (0,87 Mrd. €).

Analysten zeigen sich zunehmend optimistisch für die KI-Perspektiven des Konzerns. Die UBS erhöhte ihr Kursziel für die Aktie von 49 auf 80 € und bestätigte die Kaufempfehlung. Begründung: Wachstumschancen in der Photonik, bei Stromversorgungslösungen für KI und in Satellitenanwendungen.

Nach einem schwierigen Jahr 2025, in dem der Umsatz um rund elf Prozent auf etwa 11,8 Mrd. $ (10,3 Mrd. €) zurückging, legten die Nettoerlöse im ersten Quartal 2026 um 23 % auf 3,10 Mrd. $ (2,70 Mrd. €) zu. Das Geschäft mit Hochfrequenz- und optischer Kommunikation wuchs dabei um 34 %. Für das zweite Quartal stellt STMicroelectronics ein Umsatzplus von etwa 25 % im Jahresvergleich in Aussicht.

5. AIXTRON: Ausrüster im Photonik-Boom, dessen Kurs den Umsatz überholt

Die deutsche AIXTRON SE hat 234,70 % zugelegt. Das Unternehmen baut Abscheideanlagen, mit denen die Verbindungshalbleiterschichten für Laser und optische Komponenten hergestellt werden – Maschinen, die im Photonik-Boom stark gefragt sind.

Positive Signale des US-Chipherstellers Marvell sorgten zusätzlich dafür, dass die Aktie auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten kletterte.

Möglicherweise handelt es sich jedoch um ein Musterbeispiel dafür, dass der Kurs den Fundamentaldaten davongelaufen ist: Im ersten Quartal 2026 brach der Umsatz im Jahresvergleich um 47 % ein, weil die Aufträge schwach blieben – trotz eines Auftragsbestands von knapp 359 Mio. € und eines Umsatzziels für 2026 von rund 560 Mio. €.

Die Privatbank Berenberg stufte die Aktie auf „Halten“ mit einem Kursziel von 42 € herab und argumentierte, die Optik-Story sei im Kurs bereits eingepreist.

4. AT&S: Substrate als Träger der KI-Chips

AT&S Austria Technologie & Systemtechnik AG liegt 366,46 % im Plus. Das österreichische Unternehmen produziert hochwertige Leiterplatten und IC-Substrate, die Hochleistungsprozessoren mit dem übrigen System verbinden – eine unscheinbare, aber unverzichtbare Schicht im KI-Hardware-Stapel.

In China baut AT&S unter langfristigen Kundenverträgen eigene Substratkapazitäten massiv aus.

Im Geschäftsjahr 2025/26, das im März endete, stieg der Umsatz um 21 % auf 1,8 Mrd. €. Für die laufende Periode stellt der Konzern angesichts steigender KI-Bestellungen ein Umsatzwachstum von 30 bis 35 Prozent in Aussicht.

Allerdings hat AT&S die Dividende ausgesetzt und finanziert den Ausbau zunehmend über neue Schulden.

3. 2CRSi: Französischer Serverbauer errichtet „KI-Fabriken“

Die in Straßburg ansässige 2CRSi S.A. ist um 410,03 % nach oben geschnellt. Das Unternehmen entwickelt energieeffiziente Server und Kühlsysteme – darunter Tauchkühlung und direkte Flüssigkühlung – für KI- und Hochleistungsrechner.

Eine Serie großer KI-Aufträge hat das Unternehmen grundlegend verändert. Im Rahmen eines mehrjährigen Rahmenvertrags in den USA mit einem Volumen von bis zu 610 Mio. $ (531 Mio. €) liefert 2CRSi derzeit eine „KI-Fabrik“, ausgestattet mit Tausenden Nvidia-Blackwell-Prozessoren.

Hier explodiert das Wachstum: Im Geschäftsjahr 2024/25 stieg der Umsatz um 31 % auf 220,8 Mio. €. In der ersten Hälfte 2025/26 sprang er auf 204,7 Mio. € – fast das Zehnfache des Vorjahreswerts. Das Unternehmen hob sein Jahresziel auf über 400 Mio. € an und peilt im Jahr darauf 1 Mrd. € an.

2. Soitec: Anleger zahlen für das KI-Geschäft, nicht für den schrumpfenden Rest

Die französische Soitec SA liegt 559,98 % im Plus. Das Unternehmen produziert spezialisierte Halbleiterwafer, darunter Silicon-on-Insulator- und Photonik-Materialien, die unter optischen Chips liegen – nach Jahren, in denen die Aktie einen Großteil ihres Werts eingebüßt hatte.

Die Erholung basiert vor allem auf Photonik-Lösungen für KI-Rechenzentren.

Der Gegensatz in der Bilanz ist deutlich: Der Gesamtumsatz sank im Geschäftsjahr 2026 tatsächlich um 34 % auf 592 Mio. €, weil ältere Mobilfunk- und Auto-Sparten unter Druck gerieten. Gleichzeitig erreichte der Umsatz mit Edge- und Cloud-KI 214 Mio. €, und die Photonics-SOI-Sparte überschritt erstmals – früher als geplant – die Marke von 100 Mio. $ (87 Mio. €).

Anleger bezahlen also für den schnell wachsenden KI-Teil des Geschäfts, nicht für den schrumpfenden Gesamtkonzern.

1. Sivers Semiconductors: Laserspezialist wird Europas erfolgreichste KI-Aktie

Die schwedische Sivers Semiconductors AB liegt 2.245,93 % im Plus und ist damit die bislang stärkste Aktie Europas in diesem Jahr. Das Unternehmen fertigt winzige Laserarrays und optische Engines, die Daten in KI-Rechenzentren per Licht übertragen, sowie Funkchips.

Den entscheidenden Schub brachte der 2. Juni: An diesem Tag vereinbarte Sivers, seine Lasertechnologie in die Silicon-Photonics-Plattform von GlobalFoundries einzubringen, die auf Co-Packaged Optics für große KI-Cluster zielt. Die Aktie sprang daraufhin an diesem Handelstag um 60 % nach oben.

Nirgendwo ist der Abstand zwischen Kurs und Fundamentaldaten größer. Im Jahr 2025 erzielte Sivers einen Umsatz von rund 361 Mio. schwedischen Kronen, ein Plus von 33 %. Das Unternehmen schreibt jedoch rote Zahlen und meldete einen Nettoverlust von etwa 187 Mio. Kronen. Im ersten Quartal 2026 ging der Umsatz sogar um rund 22 % zurück.

Was Europas KI-Gewinner gemeinsam haben

Anleger kaufen vor allem die vollen Auftragsbücher – Sivers spricht von einem Plus von 77 % auf mehr als 530 Mio. $ (461 Mio. €) – und das Versprechen eines noch bevorstehenden Photonik-Booms.

Gemeinsam ist Europas größten KI-Gewinnern, dass kaum eines der Unternehmen ein Begriff in der breiten Öffentlichkeit ist. Statt direkt mit Nvidia, Microsoft oder Amazon zu konkurrieren, besetzen sie spezialisierte Nischen in der globalen KI-Lieferkette.

Ob die Kursgewinne nachhaltig sind, hängt davon ab, wie rasch sich die steigenden Ausgaben für KI-Infrastruktur in Umsätze und Gewinne verwandeln. Vorerst aber stammen Europas erfolgreichste KI-Aktien nicht von den Unternehmen, die künstliche Intelligenz entwickeln, sondern von jenen, die sie möglich machen.

Hinweis: Diese Informationen stellen keine Anlageberatung dar. Führen Sie stets eigene Recherchen durch, um zu prüfen, ob eine Anlage zu Ihrer persönlichen Situation passt. Bitte beachten Sie außerdem, dass wir ein journalistisches Angebot sind und darauf abzielen, die bestmöglichen Ratgeber, Tipps und Einschätzungen von Fachleuten zu liefern. Wenn Sie sich auf die Informationen auf dieser Seite verlassen, tun Sie dies ausschließlich auf eigenes Risiko.

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