Allergien im Kindesalter: Liegt die Ursache im Darm?

Forscher haben einen gemeinsamen Ursprung für schwere Allergien bei Kindern entdeckt
Forscher haben einen gemeinsamen Ursprung für schwere Allergien bei Kindern entdeckt Copyright Canva
Von Luke Hurst
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Dieser Artikel wurde im Original veröffentlicht auf Englisch

Allergien können sich bereits in jungen Jahren entwickeln. Dafür verantwortlich soll nach Aussage von Wissenschaftler:innen ein unausgewogenes Darmmikrobiom sein.

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Allergien, die bereits im Kindesalter auftreten, sind etwa Ekzeme, Asthma, oder Heuschnupfen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben möglicherweise die Ursache für diese Allergien gefunden. Forscherinnen und Forscher zeigen in einer neuen Studie, wie diese mit dem Darmmikrobiom - Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze und Viren, die im Verdauungssystem leben - zusammenhängen könnten.

Mithilfe der in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichten Ergebnisse der Studie könnte sich möglicherweise vorhersagen lassen, ob ein Kind Allergien entwickeln wird - und darüberhinaus hofft man, die Entwicklung von Allergien verhindern zu können, so die Forscher.

Wissenschaftler der Universität von British Columbia sowie des BC Children's Hospital in Kanada fanden heraus, dass Merkmale des Darmmikrobioms und frühe Lebenseinflüsse mit der Entwicklung dieser Allergien in Verbindung stehen. Während die Allergien ihre eigenen, einzigartigen Symptome haben, wollten die Forscher herausfinden, ob sie einen gemeinsamen Ursprung haben, der mit dem Darmmikrobiom von Säuglingen verbunden ist.

Dr. Charisse Petersen, Mitautorin der Studie, sagte, dass die Allergien zwar prinzipiell unterschiedliche Diagnosen sind, aber auf zellulärer Ebene "tatsächlich viele Gemeinsamkeiten aufweisen". Die Forscher untersuchten die klinischen Beurteilungen von 1115 Kindern, deren Daten von der Geburt bis zum Alter von fünf Jahren verfolgt wurden. Bei etwa der Hälfte von ihnen gab es zu keinem Zeitpunkt Anzeichen für Allergien, bei 592 wurde jedoch von einem Arzt eine oder mehrere allergische Erkrankungen diagnostiziert.

Unausgewogenes Darmmikrobiom

Bei der Untersuchung von Stuhlproben, die bei klinischen Untersuchungen im Alter von drei Monaten und dann im Alter von einem Jahr entnommen wurden, fanden die Forscher eine bakterielle Signatur, die mit den Kindern in Verbindung gebracht wurde, die im Alter von fünf Jahren eine der Allergien entwickelten.

Die bakterielle Handschrift ist ein Kennzeichen für ein unausgewogenes Darmmikrobiom, das wahrscheinlich zu einer geschädigten Darmschleimhaut und einer erhöhten Entzündungsreaktion im Darm führt.

Patrick Sison/AP Photo
Erdnüsse können bei manchen Menschen eine allergische Reaktion hervorrufenPatrick Sison/AP Photo

"Normalerweise toleriert unser Körper die Millionen von Bakterien, die in unserem Darm leben, weil sie so viele gute Dinge für unsere Gesundheit tun. Wir tolerieren sie unter anderem, indem wir eine starke Barriere zwischen ihnen und unseren Immunzellen aufrechterhalten und Entzündungssignale begrenzen, die diese Immunzellen auf den Plan rufen würden", erklärt Courtney Hoskinson, Doktorandin an der UBC und Erstautorin der Studie. Man habe festgestellt, dass diese Mechanismen bei Säuglingen häufig gestört seien, bevor sie eine Allergie entwickelten, so Hoskinson.

Antibiotika als Ursache für spätere allergische Erkrankungen

Die Ursachen für dieses Ungleichgewicht können auf eine Reihe von Faktoren zurückgeführt werden, wie etwa die Ernährung, die Art der Geburt, der Wohnort des Kindes sowie die Einnahme von Medikamenten wie Antibiotika. Denn Antibiotika können empfindliche Bakterien zerstören, während das Stillen bekanntermaßen die Bakterien im Darm des Säuglings wieder auffüllt und mit der notwendigen Nahrung versorgt.

"Diese solide Analyse bietet eine Menge potenzieller Erkenntnisse", so Dr. Stuart Turvey, Professor für Kinderheilkunde an der UBC, der Co-Autor der Studie ist. "Anhand dieser Daten können wir erkennen, dass Faktoren, wie die Einnahme von Antibiotika im ersten Lebensjahr mit größerer Wahrscheinlichkeit zu späteren allergischen Erkrankungen führen, während das Stillen in den ersten sechs Monaten schützend wirkt. Dies gilt für alle von uns untersuchten allergischen Erkrankungen".

Die Forscher hoffen, die Ergebnisse nutzen zu können, um Behandlungen zu finden, die ein unausgewogenes Darmmikrobiom korrigieren. Hunderte von Millionen Kindern auf der ganzen Welt leiden an Allergien, die erhebliche gesundheitliche und psychologische Auswirkungen haben können.

Nach Aussage der Wohltätigkeitsorganisation Allergy UK können Allergien, neben den offensichtlichen Gesundheitsrisiken, das Wohlbefinden von Kindern auch auf andere Weise beeinträchtigen - wie etwa durch die Angst vor einer möglichen allergischen Reaktion, die Sorge um die Verwendung von Adrenalin-Autoinjektoren, die Abneigung gegen Nahrungsmittel oder auch Schlafmangel.

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