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Gemeinsam gegen Plastikmüll: vermeiden, vermindern, wiederverwenden, recyceln

Mit Unterstützung von The European Commission
Gemeinsam gegen Plastikmüll: vermeiden, vermindern, wiederverwenden, recyceln
Copyright euronews
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Von Denis LoctierSabine Sans
Zuerst veröffentlicht am
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Die von der EU unterstützten "Plastikpiraten" sammeln nicht nur Müll, sondern dokumentieren ihre Funde auch für Forscher. Wissenschaftlern fehlen immer noch Daten über die Trends der Plastikverschmutzung in Europa, solche Stichproben helfen, die Lücken zu schließen.

10 Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr in unseren Ozeanen. Aber immer mehr Menschen in ganz Europa, wie zum Beispiel in Ungarn, nehmen die Sache selbst in die Hand, um den Plastikmüllstrom zu stoppen, lange bevor er das Meer erreicht.  

Der Fluss Bodrog, ein wunderschönes Naturgebiet im Nordosten Ungarns, wird durch weggeworfene Plastikflaschen am Ufer verunstaltet. 

"Sie fragen sich vielleicht, wo das alles herkommt? Wenn man sich zum Beispiel diese Flasche ansieht, bekommt man eine Antwort - sie stammt aus der ukrainischen Karpatenregion", erzählt Miklós Gyalai-Korpos, Plastic Cup-Projektleiter. "Von dort kommt der meiste Müll. Der Grund dafür ist, dass es in den Karpaten keine Abfallentsorgung gibt - der Müll wird einfach in die Überschwemmungsgebiete gekippt, und wenn die Flut kommt, nimmt sie ihn mit und verteilt ihn in Ungarn."

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Miklós Gyalai-Korpos (re.) zeigt dem Reporter Denis Loctier wo der Müll herkommteuronews

Um das Problem in den Griff zu bekommen, haben Miklós Gyalai-Korpos und andere Aktivisten den "Plastic Cup" ins Leben gerufen - ein jährliches Kräftemessen konkurrierender Teams, die die Ufer ungarischer Flüsse säubern. In diesem Jahr waren mehr als 150 Aktivisten vier Tage lang mit Kajaks und Raftingbooten auf dem Bodrog unterwegs, um Plastik zu sammeln. Und es gibt eine Menge zu tun. Rund 90 Tonnen Plastikmüll liegen allein auf einem 50 Kilometer langen Uferabschnitt. Wenn der Müll nicht eingesammelt wird, gelangt er in die Donau, dann ins Schwarze Meer und schließlich in die Ozeane. 

Jugendliche engagieren sich

Eine Gruppe von Jugendlichen räumt nicht nur auf, sondern hilft auch bei einer wissenschaftlichen Studie über Plastikverschmutzung. Das Projekt wird von Simone Berk koordiniert.

"Kinder und Jugendliche gehen an den Fluss und sammeln Müll für die Wissenschaft", so die Koordinatorin des Projekts "Plastikpiraten - Go Europe". "Wir sammeln die Daten, kategorisieren sie und laden sie dann auf eine Online-Plattform hoch, damit Wissenschaftler sie für ihre Forschung nutzen können."

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Simone Berk, Koordinatorin des Projekts "Plastikpiraten - Go Europe"euronews

"Plastic Pirates - Go Europe!" ist eine von der EU unterstützte Citizen Science Initiative, die junge Freiwillige aus einem Dutzend Ländern zusammenbringt. Nach einer strengen Methodik säubern sie ein bestimmtes Gebiet von 200 Quadratmetern und dokumentieren anschließend sorgfältig jedes gefundene Stück Müll. 

"Es macht mich traurig, dass es Menschen auf der Welt gibt, die so viel Müll einfach wegwerfen. Aber es ist toll, dass es Menschen gibt, die bereit sind, hinter anderen aufzuräumen."
Sára Szomráki
Freiwillige bei den Plastikpiraten

Bendy Bachrathy, ein weiterer Freiwilliger, sagt: "Es ist nicht nur unschön. Es ist gefährlich für die Tiere, weil sie denken, es ist essbar, es ist Nahrung. Und wenn sie es fressen, können sie sterben. Oder wenn ein Fisch Plastik frisst und der Mensch den Fisch isst, dann ist das ungesund."

Wissenschaftlern fehlen Daten

Wissenschaftlern fehlen immer noch Daten über die Trends der Plastikverschmutzung in Europa, solche Stichproben helfen, die Lücken zu schließen. Die "Plastikpiraten" gewinnen in der gesamten EU an Bedeutung:

"Es gibt uns in Portugal, Spanien. Wir sind in Italien, in Belgien, Deutschland und natürlich Ungarn, wo wir gerade sind", so Simone Berk. "Lettland, Litauen, Österreich. Oh, und Georgien ist auch gerade dazugekommen!" 

Der Fokus auf Flussufer ist gewollt: "Plastikpiraten" demonstrieren unter dem Motto "Das Meer beginnt hier!" 

Gemeinsam gegen Plastikmüll

Tatsächlich stammen 80 Prozent der Plastikverschmutzung in den Ozeanen aus Flüssen und Kanälen, die städtischen Müll in die Meere spülen. Auch Brüssel, oft als "Hauptstadt Europas" bezeichnet, hat dieses Problem noch nicht vollständig in den Griff bekommen. Sein Kanal ist alles andere als sauber. Die lokale Gruppe "Canal it Up" organisiert städtische Reinigungsaktionen, um die Bevölkerung zu sensibilisieren und einzubinden. Am Internationalen Tag der Küstenreinigung haben sich die Aktivisten mit europäischen Beamten zusammengetan, darunter der EU-Kommissar für Umwelt, Ozeane und Fischerei Virginijus Sinkevičius. Die EU hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Die Verschmutzung der Meere durch Plastik und Haushaltsabfälle soll bis 2030 halbiert werden. Doch es geht nur langsam voran. Zwar scheint der Plastikmüll an den meisten Küsten abzunehmen. Doch die Menge an Verpackungen im Siedlungsabfall ist in den vergangenen zehn Jahren sogar um 19 Prozent gestiegen. 

"Das ist unser Fang des Tages, wenn ich das so sagen darf - Sie sehen Flaschen, die man vermeiden könnte, wenn man Mehrwegflaschen benutzen würde", erklärt der EU-Kommissar für Umwelt, Ozeane und Fischerei Virginijus Sinkevičius, der mit seinem Sohn an der Aktion teilnahm. "Wir haben eine ganze Reihe von Kaffeebechern eingesammelt. Auch die kann man definitiv wiederverwenden. Wiederverwendung ist wichtig. Weg vom Einwegplastik, das ist der Schlüssel. Wenn wir zum Beispiel ein einfaches Pfandsystem hätten, könnte man vieles von diesem Müll in diesem Kanal vermeiden."

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Virginijus Sinkevičius hat mit seinem Sohn an der Aktion teilgenommeneuronews

Ein Pfandsystem, bei dem leere Verpackungen zu einer Sammelstelle zurückgebracht werden können, ist ein vielversprechendes Konzept zur Abfallvermeidung. Deshalb setzen sich die Aktivisten dafür ein, dass belgische Geschäfte und Kunden dieses System trotz der zusätzlichen Kosten vollständig übernehmen. 

"Wir sind von Ländern umgeben, die ein effizientes Pfandsystem haben", sagt der "Canal It Up"-Gründer Pieter Elsen. "Holland - die Niederlande haben es erst vergangenes Jahr eingeführt. Polen hat diese Woche ein Pfandsystem eingeführt. 15 Prozent und 11 Prozent des Mülls, den wir aus den Kanälen fischen, sind Dosen und Plastikflaschen. Wenn wir ein Sach-Pfandsystem für diese beiden Verpackungen einführen, können wir die Natur schnell davon befreien."

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Pieter Elsen ist der Gründer von "Canal It Up"euronews

Plastikmüll wandert durch Flüsse und Meere und überschreitet dabei Grenzen - die Lösung des Problems erfordert daher internationale Teamarbeit. Die ungarische "Plastic Cup"-Gruppe hat sich mit Partnern in der Westukraine zusammengetan, um das Problem an der Quelle zu bekämpfen. Und ihre jährlichen Aufräumaktionen ziehen Freiwillige aus verschiedenen Ländern an - wie Mark, einen Studenten aus Barcelona. 

"Natürlich sollten wir uns alle um die Situation in Ungarn sorgen, genauso wie wir uns um die Situation in Spanien oder Deutschland sorgen sollten, und wir sollten alle versuchen, uns gegenseitig so gut wie möglich zu helfen - denn das Problem ist global", findet Mark Borillo García, Freiwilliger des Europäischen Solidaritätskorps

In vier Tagen haben die Teilnehmer 11 Tonnen Müll gesammelt. Das sind mehr als 2.500 Säcke mit Müll, der unsere Meere nicht mehr verschmutzen wird. Vilja Molnár ist seit ihrem neunten Lebensjahr dabei:

"Ich denke, es wird immer besser – das Thema bekommt mehr Aufmerksamkeit und das hilft sehr. Es gibt jetzt mehr Kinder als je zuvor, die uns helfen. Ich hoffe, dass die Flüsse sauberer werden und die Menschen diese schöne Natur ohne Plastik genießen können." 

Der gesammelte Müll wird sortiert und nach Angaben der Organisatoren zu etwa zwei Dritteln recycelt. Miklós Gyalai-Korpos:

"Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Wir können nicht alles aus den Überschwemmungsgebieten entfernen. Die Lösung besteht darin, weniger zu konsumieren, um Abfall zu vermeiden. Und wenn man etwas verbraucht, dann muss man es richtig entsorgen, in die richtige Tonne."

Vermeiden, vermindern, wiederverwenden, recyceln: Die Schritte zur Eindämmung der Plastikflut liegen auf der Hand und Aktivisten in vielen Ländern gehen mit gutem Beispiel voran. Aber die Plastik-Produktion steigt weltweit an, während der Umweltschutz kaum vorankommt. Um unsere Flüsse, Meere und Ozeane nachhaltig zu säubern, bedarf es einer globalen Initiative.

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