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PFAS loswerden: Kann Europa den „ewigen Chemikalien“ ein Ende setzen?

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PFAS loswerden: Kann Europa den „ewigen Chemikalien“ ein Ende setzen?
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Von Cyril Fourneris
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Eine hohe Exposition gegenüber PFAS wird mit einem erhöhten Krebsrisiko sowie mit verminderter Fruchtbarkeit und beeinträchtigter Immunfunktion in Verbindung gebracht. Die EU verstärkt ihre Regulierung, um dieser von manchen als große Umweltgefahr angesehenen Bedrohung zu begegnen.

PFAS, auch bekannt als „ewige Chemikalien“, sind künstlich hergestellte Stoffe, die von der Industrie bei der Herstellung zahlreicher Verbraucherprodukte wie Elektronikgeräte, Farben, Autos oder Kosmetika verwendet werden.

Ihre Antihafteigenschaften und ihre Hitzebeständigkeit machen sie äußerst nützlich. Doch ihre hohe Stabilität und starke Mobilität in Boden, Wasser und Luft – sie werden sogar im Regen nachgewiesen – bereiten Wissenschaftlern, Gesetzgebern und Teilen der Industrie zunehmend Sorgen.

Die Wissenschaft hat bereits einige schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit festgestellt, wie etwa eine geschwächte Immunantwort oder Unfruchtbarkeit. Perfluoroctansäure, bekannt als PFOA, eine der wenigen im Rahmen des Stockholmer Übereinkommens verbotenen PFAS, wird als krebserregend eingestuft.

Eine unsichtbare Gefahr

Der menschliche Körper kann mehrere Jahrzehnte brauchen, um PFAS auszuscheiden. Sie können sich im Blut und im Gewebe in Mengen anreichern, die oft davon abhängen, wie nah die Menschen an Industrieanlagen wohnen, in denen diese Stoffe verwendet werden.

Im Jahr 2023 schätzte das investigative Forever Pollution Project, dass fast 23.000 – meist industrielle – Standorte in ganz Europa durch diese „ewigen Chemikalien“ kontaminiert waren.

„Wir kennen nur die Toxizität von etwa zehn der mehr als 10.000 PFAS, die derzeit im Umlauf sind, und das ist besorgniserregend“, sagt Ian Cousins, Professor für organische Umweltchemie an der Universität Stockholm. „Die Tatsache, dass sie sich in der Umwelt anreichern, ist an sich schon ein Problem“, fügt er hinzu.

Untragbare Kosten

The Road to Green reiste nach Venetien in Norditalien, dem Schauplatz einer der schwersten PFAS-Kontaminationen Europas, bekannt als „Miteni-Skandal“.

Jahrzehntelang verschmutzte ein Chemiewerk das Grundwasser der Region und setzte Hunderttausende von Anwohnern hohen Konzentrationen von PFOA und PFOS in ihrem Trinkwasser aus.

Nach jahrelanger Mobilisierung der Zivilgesellschaft, angeführt von der Gruppe „Mütter ohne PFAS“, haben italienische Gerichte mehrere Führungskräfte des Unternehmens zu Haftstrafen verurteilt. Die Richter urteilten, dass sie sich der von der Anlage verursachten Umweltverschmutzung bewusst waren und sie absichtlich verschwiegen haben.

Heute stehen die Behörden vor enormen Kosten für die Sicherung der Trinkwasserversorgung und die Dekontaminierung von Grundwasser und Böden.

Europa verstärkt sein Regulierungsarsenal

Die Europäische Union hat eines der weltweit strengsten Regelwerke für Chemikalien. Zu den von der Europäischen Kommission ergriffenen Maßnahmen gehören:

  • Mehrere Beschränkungen für PFAS-Untergruppen
  • Verbot von PFAS in bestimmten Produkten, wie etwa Feuerlöschschäumen (REACH-Beschränkungen)
  • Grenzwerte von 100 Nanogramm pro Liter für die Summe der 20 „bedenklichen PFAS“ und 500 Nanogramm pro Liter für alle PFAS (Trinkwasserrichtlinie)
  • Ein Vorschlag zur Einführung von Qualitätsstandards für 24 PFAS in Oberflächen- und Grundwasser (Wasserrahmenrichtlinie)
  • Pläne zur Überwachung von PFAS am Zu- und Abfluss großer Kläranlagen, die Abwasser in Trinkwassereinzugsgebiete einleiten (Kommunale Abwasserbehandlungsrichtlinie)
  • Laufende Verhandlungen über die Überwachung des PFAS-Gehalts in Böden (Bodenüberwachungsgesetz)

Auf dem Weg zu einem „universellen“ Verbot?

Die EU prüft derzeit einen Vorschlag für eine „universelle Beschränkung“ aller PFAS-haltigen Produkte, der 2022 von fünf Ländern vorgelegt wurde: Schweden, Dänemark, Deutschland, Norwegen und die Niederlande.

Die Kommission hat die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) mit der Vorbereitung beauftragt. Die wissenschaftlichen Ausschüsse der ECHA für Risikobewertung (RAC) und sozioökonomische Analyse (SEAC) werden voraussichtlich bis Ende des Jahres eine endgültige Stellungnahme abgeben.

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